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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hagiasma - Häher.

David Roberts lithographiert hatte, fuhr er in der Aquarellmalerei fort, wandte sich aber auch seit 1856 der Ölmalerei zu und malte sowohl hierin als in Aquarell namentlich Interieurs älterer Bauwerke, wie z. B. das Chor von Santa Maria Novella in Florenz, das Innere der Halle in Brügge und der St. Markuskirche in Venedig, eine Partie aus St. Bavo in Gent, eine vlämische Schenke, den Hof des Hotel Tiberio auf Capri, das Innere der St. Peterskirche in Rom, der Sixtinischen Kapelle u. a. Er war Präsident des Instituts für Aquarellmalerei in London und starb daselbst 9. März 1885.

Hagiásma (neugriech.), Weihwasser; heilige Quelle.

Hag Ilias (Eliasberg), ein besonders auf den Inseln häufiger Bergname im heutigen Griechenland. Unter andern heißen so: der höchste Gipfel des Pentedaktylon (Taygetos), 2409 m hoch; der antike Ocha auf Euböa (1404 m); der antike Marmorberg Marpessa auf Paros (771 m); die größte Höhe auf Milo (774 m) sowie auf Ägina (531 m); das alte Arachnäon im NO. von Nauplia (1119 m).

Hagiográph (griech.), Schriftsteller, welcher über Gegenstände der Religion und Theologie schreibt; Legendenschreiber. Daher Hagiographa (hebr. Ketubim, "Schriften"), Name des dritten Teils des alttestamentlichen Kanon, welcher die Psalmen, Sprichwörter, Hiob, das Hohelied, das Buch Ruth, die Klagelieder des Jeremias, den Prediger Salomo, das Buch Esther, Daniel, Esra, Nehemia und die Bücher der Chronik umfaßt (vgl. Bibel, S. 879).

Hagiolatrie (griech.), Heiligendienst, s. Heilige.

Hagiologium, Heiligenkalender, s. Heilige.

Hagion Oros ("heiliger Berg"), s. Athos.

Hagios (griech.), heilig, öfters vor neugriechischen Städtenamen, wie das lateinische Sankt (St.).

Hagiosíderon (griech.), die eiserne Läutstange statt der Glocken in griechischen Kirchen.

Hagioskop (griech., "Heiligenzeiger"), ein Apparat zur Darstellung von Nebelbildern, ähnlich einer Laterna magika; hagioskopisch, Heiliges schauend.

Hagn, 1) Charlotte von, berühmte Schauspielerin, geb. 23. März 1809 zu München, fand bereits bei ihrem ersten Auftreten auf dem Hoftheater daselbst 1826 den ungeteiltesten Beifall, wurde sogleich engagiert und gastierte von hier aus am Hofburgtheater in Wien, in Dresden, Berlin und Pest mit dem glänzendsten Erfolg. Von 1833 bis 1846 der Berliner Hofbühne angehörend, trat sie wiederholt in Petersburg, Hamburg, Pest etc. auf und war auf allen Bühnen eine gefeierte Erscheinung. Ihr Talent beruhte vorzugsweise auf einer üppigen Naturanlage für das Graziös-Neckische und Schalkhaft-Launige; sie war namentlich im Lustspiel und Konversationsstück bezaubernd. Viel weniger eignete sich ihr Talent für tragische Rollen. Ihre geistreichen und witzigen Einfälle und Impromptus im geselligen Leben haben ihr den Beinamen der "deutschen Déjazet" verschafft. Im Frühjahr 1846 vermählte sie sich mit dem Gutsbesitzer Alexander v. Oven und trat von der Bühne zurück, doch ward die Ehe schon 1851 wieder getrennt. Sie lebte hierauf eine Zeitlang in Gotha, seitdem in München. - Ihre jüngere Schwester, Auguste von H., geb. 1818 zu München, betrat hier 1832 in dem von der Birch-Pfeiffer für sie geschriebenen Schauspiel "Trudchen" die Bühne, folgte 1833 der Schwester nach Berlin, wo sie beim Königsstädter Theater engagiert wurde und dann eine Anstellung für das naive und Soubrettenfach an der königlichen Bühne in Berlin annahm, und blieb hier bis zu ihrer Verheiratung 1849. Sie starb 5. Dez. 1882 in Berlin.

2) Ludwig von, Maler, Bruder der vorigen, geb. 23. Nov. 1820 zu München, erhielt seine erste Erziehung im Kadettenkorps daselbst, machte auf einem Besuch in Berlin die Bekanntschaft des Marinemalers Professor W. Krause und seiner Schüler, was ihn veranlaßte, sich ganz der Kunst zu widmen. 1841 bezog er die Münchener Akademie, um sechs Jahre später sich an der Malerschule in Antwerpen unter Wappers' Leitung fortzubilden, und schloß sich namentlich an E. de Block an. Von dort siedelte er nach Brüssel über, vertauschte diese Stadt aber 1851 mit Berlin. Das Beispiel Menzels und der Besuch der Schlösser und Gärten von Sanssouci etc. führten ihn dem Rokoko zu. Von 1853 bis 1855 lebte er in Paris und kehrte 1855 nach München zurück; wo er seitdem seinen ständigen Wohnsitz hat. Eine Folge seines Aufenthalts in Rom war, daß er sich von der Darstellung der Rokokoszenen abwendete. Seine hierher gehörigen Bilder sind von jenem flüchtigen Esprit feiner Koketterie durchhaucht, welcher dieser Zeit trotz des Charakters der Unnatur doch einen unwiderstehlichen Zauber verleiht. Mit gleicher Sicherheit führt er den Beschauer in die Kreise der höchsten Aristokratie wie in jene des Bürgertums. Mit geistreicher Auffassung des individuell Charakteristischen und mit Feinheit und Noblesse der Darstellung verbindet H. Poesie der Stimmung und Harmonie des Kolorits. In der letzten Zeit entnahm er seine Motive den verschiedensten Lebenssphären, mit Vorliebe aber der Zeit des 17. Jahrh. Seine Hauptwerke sind: Konversationsstück (Rokoko, in der Orangerie zu Potsdam), musikalische Unterhaltung im Park (Neue Pinakothek zu München), eine ebensolche (Galerie Schack zu München), eine römische Bibliothek (öfters wiederholt), ein Duell zwischen Kavalieren des 17. Jahrh., Sommervergnügen in München (Bierkeller mit Kegelbahn), fahrende Musikanten.

Hagspatz, s. Gartensänger.

Hague, Cap de la (spr. agh), nordwestlichste Spitze der Halbinsel Cotentin im französischen Departement Manche, mit einem Leuchtturm auf dem Felsen Gros du Raz, 48 m hoch. Die durch die Seeschlacht von 1692 berühmte Bucht La Hougue (s. d.) oder La Hogue liegt auf der Ostseite der Halbinsel.

Haha (franz., spr. a-a; Aha), eigentlich Ausruf des Erstaunens, der Überraschung; daher Bezeichnung für eine Durchblicköffnung in einer Garteneinfriedigung.

Häher (Garrulus Briss.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Raben (Corvidae) und der Unterfamilie der Häher (Garrulinae), ziemlich große Vögel mit kräftigem, kurzem, stumpfem, auf der Firste wenig gebogenem, schwach hakigem Schnabel, mittelhochläufigen Füßen mit mäßig langen Zehen und scharf gebogenen Nägeln, stark zugerundeten Flügeln, unter deren Schwingen die fünfte und sechste am längsten sind, und mittellangem, fast geradem Schwanz. Der Eichelhäher (Holz-, Nuß-, Waldhäher, Herrenvogel, Marquard, Margolf, G. glandarius L.), 34 cm lang, 55 cm breit, graurötlich oder graubraun, unterseits heller, mit weißen Hollenfedern, die mit einem schwarzen, bläulich umrandeten Fleck gezeichnet sind, an der Kehle weißlich, am Bürzel und Steiß weiß; ein breiter, langer Bartstreifen und die Schulterschwingen sind schwarz, die Armschwingen in der Wurzelhälfte weiß, einen Spiegel bildend, nahe der Wurzel blau beschuppt, in der Endhälfte schwarz, die Oberflügeldeckfedern himmelblau, weiß und schwarzblau quergestreift, die Schwanzfedern schwarz. Das Auge ist perlfarben, der Schnabel schwarz, der Fuß bräunlich.