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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hahn

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Hahn (Vogel) - Hahn (technisch).

Er findet sich mit Ausnahme der nördlichsten Teile in allen Waldungen Europas, bewohnt bei uns tiefere Laub- und Nadelwälder, Vor- und Feldhölzer, lebt im Frühjahr paarweise, sonst in Familien und Trupps und schweift nur wenig umher. Er ist unruhig, lebhaft, listig, höchst gewandt im Gezweige, fliegt aber schwerfällig und hält sich daher aus Furcht vor Raubvögeln möglichst verborgen. Seine Stimme ist kreischend, doch ahmt er die Stimmen vieler andrer Vögel sehr getreu nach. Er lebt von Eicheln, Bucheckern, Haselnüssen, jagt aber auch junge Kreuzottern, Vögel, Mäuse und Insekten, zerstört zahlreiche Nester und wird dadurch sehr schädlich. Sein Nest steht auf einem Baum, selten hoch über dem Boden, und enthält Anfang April 5-9 schmutzig gelbweiße oder weißgrünliche, graubraun getüpfelte Eier (s. Tafel "Eier I", Fig. 68). Sein ärgster Feind ist der Habicht. In der Gefangenschaft lernt er einige Worte sprechen und kurze Weisen pfeifen. Über den Tannenhäher s. d.

Hahn, das Männchen der hühnerartigen und der Singvögel, insbesondere das männliche Huhn (s. Huhn). Vgl. Gallischer Hahn.

Hahn, Vorrichtung, welche an Röhren angebracht ist und durch Drehung die Durchgangsöffnung der Röhren öffnet oder schließt. Sie besteht aus dem sogen. Schlüssel und dem Hahngehäuse. Der erstere ist ein abgestumpfter Kegel mit einer Öffnung, die entweder quer durchgeht, oder sich nach unten wendet (in welch letzterm Fall die Flüssigkeit durch den Schlüssel abwärts läuft) und so angebracht ist, daß sie bei einer gewissen Stellung des Hahns mit der Rohröffnung kommuniziert. Ein Griff bringt den H. in die richtige Stelle. Das Hahngehäuse umschließt ebenfalls mit einer konischen Bohrung den Schlüssel und wird entweder auf passende Weise in das Leitungsrohr eingeschaltet, oder mit einer Schraube in das etwa zu entleerende Gefäß eingeschraubt, oder oft auch nur mittels eines glatten Kegels eingesteckt. Um bei Metallhähnen den Hahnkegel im Gehäuse festzuhalten und die Seitenwände behufs vollständiger Dichtheit etwas aneinander zu pressen, was durch einen Zug in der Richtung der Spitze des Kegels geschieht, legt man (Fig. 1) eine Platte über die kleinere Öffnung des Hahngehäuses und zieht durch eine Mutter den Hahnkegel mehr in das Gehäuse hinein; bei Hähnen, welche oft gebraucht werden, schleift sich aber der Kegel bald ein, geht dann locker, und die Schraube muß daher von neuem angezogen werden. Um dies zu vermeiden, legt man öfters zwischen die Unterlagplatte der Schraube, welche zum Herabziehen des Kegels dient, und das Gehäuseende eine kleine gewundene Stahldrahtfeder, welche, durch die Schraube gespannt, den Kegel fortwährend ins Gehäuse zieht, wenn sich derselbe auch nach und nach etwas einschleifen sollte. Diese Hähne gehen leicht und schließen gut. Neuerdings werden Hähne so konstruiert, daß sie sich selbst um so mehr dichten, je höher die Pressung der Flüssigkeit, z. B. des Dampfes, ist, indem diese den Hahnkegel in der Richtung nach der Spitze in den Hohlkegel eindrückt, wie Fig. 2 zeigt (System Klein). Gewöhnliche Hähne, wie der in Fig. 1 dargestellte, werden bei Temperaturveränderungen undicht oder setzen sich vollkommen fest wegen der verschiedenen Ausdehnung des Schlüssels und des Gehäuses, wodurch eine axiale Verschiebung der sonst mit den Spitzen zusammenfallenden Kegel eintritt. Um dies zu vermeiden, werden (Fig. 3) nach Collmann Schlüssel und Gehäuse so weit verlängert, daß die Spitzen beider Kegel in die beiden Körpern gemeinschaftliche Ebene m n fallen, wodurch sie gezwungen werden, beisammenzubleiben. Bekanntlich kann beim Öffnen eines Fasses die in demselben enthaltene Flüssigkeit nicht eher ausfließen, als bis das Spundloch geöffnet ist; das Öffnen des Spundlochs bringt aber bei moussierenden Flüssigkeiten häufig einen Verlust mit sich, und man hat daher Hähne von der Art konstruiert, daß beim Öffnen des Hahnkegels, durch welchen die Flüssigkeit ausfließen soll, die äußere Luft in das Innere des Gefäßes dringen kann, ohne daß die Kohlensäure aus der moussierenden Flüssigkeit entweichen kann. Das Rohr des Hahns enthält zu diesem Zweck oberhalb des gewöhnlichen Kanals noch einen zweiten parallelen Kanal, welcher bei geöffnetem H. unter dem Griff mündet. Durch Drehung des Kegels werden hier also zwei Kanäle geöffnet und geschlossen, die so liegen, daß durch den obern Luft eindringt, während durch den untern Hauptkanal die Flüssigkeit abläuft. Für schäumende Flüssigkeiten bedient man sich der sogen. Mousséhähne, d. h. solcher, deren Kegel nach oben verlängert, cylindrisch ausgebohrt und mit einem federnden Kolben versehen ist, durch dessen Niederdrücken man die Luft aus dem Cylinder in die Flüssigkeit bringt und mit ihr mischt, während sie den H. durchläuft.

Das Tropfen der Hähne wird meist durch die Konstruktion, die Wartung oder unpassende Anwendung veranlaßt. Indem man den Kern des Hahns ebensowohl wie die Hülle rein konisch abdreht, entsteht beim Einschmirgeln oben am Hahnkern und unten in der Hahnhülse ein Absatz, welcher die Berührung der geschliffenen Flächen des Kegels und der Hülle verhindert. Versucht man einen solchen H. durch wiederholtes Einschleifen dicht zu machen, so vermehrt man das Übel, dem man am einfachsten dadurch abhilft, daß man den Kegel oben cylindrisch ab- und die Hülse unten etwas cylindrisch ausdreht. Das Nachschleifen kann dann beliebig oft und jedesmal mit Erfolg vorgenommen werden. Unpassend ist die Verwendung eines Hahns bei hohem Druck, weil hier

^[Abb.: Fig. 1. Gewöhnlicher Hahn.]

^[Abb.: Fig. 2. Selbstdichtender Hahn.]

^[Abb.: Fig. 3. Collmanns Hahn.]