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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hainau - Hainichen.

eingewanderte Chinesen und nur ein Dutzend Europäer (4 Deutsche). Die Eingebornen, die Li, bewohnen noch ziemlich unabhängig das Innere. Dort erhebt sich der Gebirgsstock Wutschischan mit fünf Gipfeln von bedeutender Höhe (nicht unter 1800 m), von dem viele Flüsse abfließen. H. ist reich an heißen Quellen, hat Gold- und Kupferlager und eine sehr reiche Flora (darunter der Teakbaum, wohlriechende und Harz liefernde Holzarten) und Fauna. In den Handel kommen: Zucker, Erdnußöl, Schweine, Rinder, dann Häute, Leder, Talg, Spanisches Rohr, gesalzene Fische, Kokos- und Betelnüsse, wohlriechende Hölzer, Rohseide. Eingeführt werden: Opium, Baumwollenstoffe, Petroleum, Gewürze, Feuersteine. Die Chinesen erheben nur von dem äußern Ring Abgaben. Hauptstadt der Insel und Residenz des chinesischen Gouverneurs ist Kiangtschau, mit 40,000 Einw.; etwa 7 km davon am Meer der Hafen Hoihau mit 15,000 Einw., der nominell schon 1858, faktisch erst seit 1. April 1876 dem europäischen Handel geöffnet ist; 1884 verkehrten hier 442 Dampfer von 189,614 Ton., davon 54 deutsche von 23,158 T. Vgl. Scott, Land und Leute auf H. (deutsch, Ilfeld 1885).

Hainau, Stadt, s. Haynau.

Hainaut (franz., spr. änoh), s. v. w. Hennegau (s. d.).

Hainbinse (Hainsimse), Pflanzengattung, s. Luzula.

Hainbuche, s. Hornbaum.

Hainbuchenspinner, s. Pfauenauge.

Hainbund, s. v. w. Göttinger Dichterbund.

Hainburg, Stadt in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Bruck a. d. Leitha, an der Donau, Endpunkt einer (1886 noch unvollendeten) Flügelbahn von Bruck, nahe der ungarischen Grenze, mit dem am andern Donauufer gelegenen Schloß Theben die Porta hungarica bildend, hat alte Mauern und Türme, ein Rathaus mit einem römischen Altar, ein Schloß und eine auf dem Hain- oder Schloßberg stehende Burgruine, mit der Garnison (1880) 4857 Einw., eine große ärarische Tabaksfabrik (1764 Arbeiter), eine Nadelfabrik und ein Bezirksgericht. - An der Stelle der heutigen Stadt H. standen im Altertum mächtige Vorwerke, welche einen Bestandteil der uralten Keltenstadt Carnuntum (s. d.) bildeten. Aus dem römischen Altertum stammt eine Wasserleitung, die jetzt noch im Gang ist. Die genannte Burgruine wird für die im Nibelungenlied genannte Heimburc, die Grenzfeste des Hunnenlandes, gehalten. Sie wurde 1042 von Kaiser Heinrich III. den Ungarn entrissen und hier eine deutsche Kolonie angesiedelt. Seitdem war die Burg Residenz von Angehörigen des österreichischen Regentenhauses. 1260 erfochten bei H. die Österreicher über die Ungarn einen Sieg; 1477 wurde die Stadt von den letztern belagert und 1482 von Matthias Corvinus erobert. Am 7. Juli 1683 wurde sie von den Türken zerstört, wobei fast alle Bewohner ermordet wurden. 1827 brannte sie fast ganz ab, ist aber seitdem schöner wieder aufgebaut worden. 2 km westlich von H. an der Donau liegt Deutsch-Altenburg (s. d.).

Haine, Fluß in der belg. Provinz Hennegau, entspringt bei Fontaine l'Evêque, 179 m hoch, fließt nach W. und mündet nach 70 km langem Lauf in Frankreich unterhalb Condé rechts in die Schelde. Sie nimmt links die Trouille und den Ogneau auf und ist durch Schleusen schiffbar.

Hainen, hauptsächlich in Hackwaldungen (Haubergen) gebräuchliches Verfahren, um den Waldboden zur vorübergehenden Fruchtbestellung vorzubereiten. Der Boden wird zwischen den stehen bleibenden und wieder ausschlagenden Laubholzstöcken schollig gehackt und, nachdem er trocken geworden, im Nachsommer entweder in kleinen, mit Reisholz vermengten Meilern (dies Verfahren heißt Schmoden) oder durch freies, an einer Seite angelegtes und über die ganze Fläche schreitendes Feuer (Überlandbrennen) möglichst vollständig in Rasenasche verwandelt, dann Buchweizen oder Roggen breitwürfig ausgesäet und vermittelst des Hainhaachs (altdeutschen Hakenpflugs) oder mit der Hacke untergebracht. Nach ein- bis zweimaliger Fruchtbestellung verbleibt der Boden der Holzerzeugung, und es bildet sich aus den emporgewachsenen Stockloden ein oft sehr kräftig wachsender Niederwaldbestand. Vgl. Hackwald.

Hainewalde, Dorf in der sächs. Bezirkshauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Zittau, an der Mandau u. der Linie Bischofswerda-Zittau der Sächsischen Staatsbahn, mit stattlicher Kirche, restauriertem Schloß nebst Park, Armenversorgungsanstalt, Haarsiebweberei und (1885) 2526 evang. Einwohnern.

Hainhofer, Philipp, Patrizier, Kunsthändler und Agent in Augsburg (1578-1647), der Vertrauensmann mehrerer deutscher Fürsten, denen er Kunstwerke verkaufte oder solche anfertigen ließ. Unter seiner Leitung und nach seinem Entwurf entstand eine der hervorragendsten kunstgewerblichen Leistungen des 17. Jahrh., der sogen. pommersche Kunstschrank, welcher 1612-17 für Herzog Philipp II. von Pommern angefertigt wurde und sich jetzt im Kunstgewerbemuseum zu Berlin befindet.

Hainich, reichbewaldeter Höhenzug im westlichen Thüringen, zwischen der Werra und obern Unstrut, schließt sich im N. in der Gegend zwischen Mühlhausen und Wanfried an das Plateau des Eichsfeldes an, fällt nach W. hin steil und in tief eingeschnittenen Abhängen, nach O. dagegen allmählich ab, zieht sich nach SO. bis an die Leine, nordwestlich von Gotha, und erreicht in der Alten Burg bei Kraula eine Höhe von 473 m.

Hainichen, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, Amtshauptmannschaft Döbeln, 317 m ü. M., an der Kleinen Striegis und der Linie Chemnitz-Roßwein der Sächsischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine Webschule, einen schönen Park und (1885) 8053 fast nur evang. Einwohner. H. ist Hauptsitz der Flanellfabrikation im Deutschen Reich; alle Arten Flanelle, Moltons, Lamas, Boys werden hier verfertigt, die weißen und einfarbigen Flanelle nirgends von solcher Weichheit und Güte wie in H. (wegen der besondern Beschaffenheit des bei der Fabrikation verwendeten Wassers). Im ganzen bestehen 22 Spinnereien, über 2000 Stühle, große Färbereien und Bleichen; jährlich werden ohne die fremden Garne ca. 20,000 metr. Ztr. Schafwolle verarbeitet und etwa 200,000 Stück Ware im Wert von mehr als 12 Mill. Mk. angefertigt und weithin, selbst nach Ostasien, Australien und Südamerika, versendet. Außerdem bestehen mehrere Leder-, Lederlack-, Chenille- und Plüschfabriken. Die Steinkohle liegt zu Tage, wird aber nicht abgebaut. H. ist Gellerts Geburtsort, dem 1865 ein Denkmal errichtet ward, und besitzt seit 1815 die Gellert-Stiftung für Arme.