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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haizinger; Hajdu

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Haizinger - Hajdu.

ten die Vermittelungen Englands und Frankreichs sowie die kühne Haltung der Dominicanos noch in demselben Jahr zum Abschluß eines dreijährigen Waffenstillstandes.

Inzwischen erfolgte Faustins Sturz. Eifersüchtig auf das Ansehen, das sein General Geffrard bei den Truppen genoß, hatte er bereits dessen Verhaftung und Hinrichtung angeordnet, als dieser, noch rechtzeitig gewarnt, 21. Dez. 1858 nach Gonaives entkam und hier von den Truppen des Distrikts Artibonite zum Präsidenten von H. ausgerufen ward. Faustins Regierung war so verhaßt, daß Geffrard schon 15. Jan. 1859 ohne Widerstand in Port au Prince einziehen und die Präsidentschaft übernehmen konnte. Er schützte den nach Jamaica abziehenden Exkaiser vor der Volkswut und nahm auch sonst keine politischen Verfolgungen vor. Intelligent und thätig, begünstigte er Künste und Wissenschaften und übte volle bürgerliche und religiöse Duldung, rief aber eben hierdurch beständige Opposition von seiten der Neger alten Schlags hervor. Die Armee wurde verringert, der frühere liberale Zolltarif wiederhergestellt und eine Flotte gegründet. Mehrere Revolten wurden niedergeworfen, namentlich 1865 mit Hilfe Englands auch die der Partei der sogen. Lizards ("Eidechsen") unter dem Rittmeister Salnave, der dennoch 1867 Geffrard stürzte und auf vier Jahre zum Präsidenten gewählt wurde, worauf eine neue Verfassung der Republik verkündet wurde. Aber schon 1868 erhob sich die Partei der Cacos ("Papageien", welche die Lizards fressen) unter General Nissage Saget gegen die Partei Salnaves; Saget siegte nach zweijährigen Kämpfen, eroberte 1869 Port au Prince und ließ 1870 Salnave erschießen. Saget wurde darauf auf vier Jahre zum Präsidenten der Republik erwählt; ihm folgte 1874 General Michel Domingue. Da dieser und sein Neffe, der Vizepräsident Rameau, durch Habsucht und Erpressungen allgemeine Unzufriedenheit erregten, so kam es 1876 zu einem Aufstand, infolge dessen 19. Juli 1876 das Haupt der Nationalen, General Boisrond Canal, zum Präsidenten erwählt wurde. Doch schon im Juli 1879 wurde Boisrond Canal, dessen Regierung keine glückliche war, durch die Gegenpartei der Liberalen nach einem blutigen Straßenkampf in Port au Prince, bei dem ein großer Teil der Stadt in Flammen aufging, gestürzt und General Salomon zum Präsidenten erhoben. Ein Aufstand unter Salomons Rival Boyer Bazelais, welcher 1883 in Miragoane ausbrach, wurde nach hartnäckigen Kämpfen Ende d. J. unterdrückt.

Vgl. Jordan, Geschichte der Insel H. (Leipz. 1846-49, 2 Bde.); Handelmann, Geschichte von H. (Kiel 1856); Madiou, Histoire d'Haïti (Port au Prince 1847, 3 Bde.); Ardouin, Études sur l'histoire d'Haïti (Par. 1853-61, 11 Bde.); Linstant-Pradine, Recueil général des lois et actes du gouvernement d'Haïti (das. 1851-65, 5 Bde.); Janvier: La république d'Haïti 1840-82 (Par. 1883), Les affaires d'H. 1883-84 (das. 1885), Les constitutions d'H. (das. 1886); E. Chancy, L'indépendance nationale d'H. (das. 1884); La Selve, Histoire de la littérature haïtienne (Versailles 1876); Derselbe, Le pays des nègres, Voyage à H. (Par. 1881); Ramsay, Abrégé de la géographie d'H. (das. 1881); St. John, Hayti, the black republic (Lond. 1884); Nau, Agronomie et agriculture en H. (Par. 1886).

Haizinger (Haitzinger), 1) Anton, Opernsänger (Tenor), geb. 14. März 1796 zu Wilfersdorf in Österreich, war anfangs Schullehrer in Wien, wurde später seiner schönen Stimme wegen vom Grafen Pálffy, Direktor des Theaters an der Wien, für die Oper engagiert und fand sogleich bei seinem ersten Auftreten (1821) ungeteilten Beifall. Er bildete sich hierauf unter Salieri weiter aus, gastierte mit Erfolg auf mehreren Theatern und erhielt in Karlsruhe eine lebenslängliche Anstellung. Die glänzendste Epoche seines Künstlerwirkens begann mit seinem Auftreten in Paris, wo er neben der Sängerin Schröder Devrient der deutschen Oper den Ruf mit erwerben half, dessen sich dieselbe 1828, 1829 und 1830 erfreute. H. verband mit einer klangvollen und außerordentlich umfangreichen Stimme eine große Kehlfertigkeit und künstlerisches Verständnis, die sich besonders im Vortrag italienischer Musik kundgaben. 1850 zog er sich von der Bühne zurück und siedelte nach Wien über, wo seine Frau und Tochter engagiert waren (s. unten). Er starb 31. Dez. 1869 daselbst.

2) Amalie, genannt Neumann-H., geborne Morstadt, ausgezeichnete Schauspielerin, geb. 6. Mai 1800 zu Karlsruhe, trat schon 1810 auf dem Karlsruher Theater auf, dessen Mitglied sie wenige Jahre später wurde. Nachdem sie sich 1816 mit dem Schauspieler Neumann verheiratet hatte, entwickelte sich auch ihr Talent für das rentierende Schauspiel sehr rasch. Auf ihren Kunstreisen, welche sich bis nach Paris, London und Petersburg erstreckten, fand sie überall enthusiastischen Beifall. Nach dem Tod ihres ersten Gatten vermählte sie sich 1827 mit dem Sänger Anton H. (s. oben) und war mit ihm eine Zierde der Karlsruher Bühne. Ihr eigentliches Fach war das höhere und feinere Genre des Lustspiels, worin sie mit dem feinsten gesellschaftlichen Takt zugleich frischen Humor und bei aller Keckheit graziösen Geist verband. 1846 nahm sie ein Engagement am Burgtheater zu Wien an, wo sie bis zu ihrem am 10. Aug. 1884 erfolgten Tod mit großem Beifall im Rollenfach der komischen Alten etc. wirkte. Vgl. "Erinnerungsblätter aus dem Leben u. Künstlerwirken der Frau A. H." (Karlsr. u. Baden 1836). - Ihre älteste Tochter, Luise Neumann, geb. 7. Dez. 1818, debütierte mit 16 Jahren in Karlsruhe in der "Deutschen Hausfrau" und kam 1839 ans Burgtheater zu Wien, dem sie bis Ende 1856 angehörte. Infolge ihrer Vermählung (14. Jan. 1857) mit dem Grafen Schönfeld schied sie von der Bühne. Sie war der Liebling des Publikums im Fach der naiven und sentimentalen Liebhaberinnen, für die sie alle Erfordernisse im reichen Maß mitbrachte. - Ihr jüngere Schwester, Adolfine Neumann, geb. 1819, die sich ebenfalls einen geachteten Namen als Schauspielerin erworben hat, war in Kassel, Karlsruhe und seit 1843 am Hoftheater zu Berlin engagiert, wo sie schon 8. April 1844 starb.

Hajdu, 1) H.-Böszörmény (spr. bößör-), Stadt im ungar. Haidukenkomitat und Station der Debreczin-H.-Nánáser Zweigbahn, hat (1881) 19,035 ungar. Einwohner, ein reformiertes Gymnasium, starken Roggen-, Tabaks- und Wassermelonenbau, Soda- und Salpetersiederei und ein Bezirksgericht. - 2) H.-Dorog, Stadt und Bahnstation ebenda, mit (1881) 8026 ungar. Einwohnern. - 3) H.-Hadház (spr. -has), Stadt ebenda, mit (1881) 7414 ungar. Einwohnern. Station der Debreczin-Miskolczer Bahnlinie. - 4) H.-Nánás (spr. nánasch), Stadt ebenda und Endstation der oben erwähnten Zweigbahn, mit (1881) 13,957 ungar. Einwohnern, reformiertem Gymnasium und Bezirksgericht. - 5) H.-Szoboszló (spr. ssóboßlo), Stadt ebenda, an der Debrecziner Linie der Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 13,038 ungar. Einwohnern, reformiertem Untergymnasium und Bezirks-^[folgende Seite]