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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hallé

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Halle - Hallé.

ken für Zichorie, Mineralöl, Wagenschmiere, Maschinenöl, Kutschen, Honigkuchen, Zuckerwaren und Spielkarten; ferner Buchdruckerei, Obst- und Gemüsebau.

Entsprechend der Industrie, ist auch der Handel bedeutend; der Export, besonders der Maschinen nach überseeischen Ländern und die Ausfuhr von Rohzucker, Mineralöl und Paraffin nach den verschiedensten Ländern Europas, ist sehr lebhaft. Einen bedeutenden Handelsartikel bilden auch Mühlenfabrikate und Getreide (Saalgerste). Für den Buchhandel waren 1884: 34 Firmen thätig, darunter 16 ausschließlich Verlagsgeschäfte; die v. Cansteinsche Bibelanstalt ist Zentralrevisionsstelle der Lutherbibel und hat einen jährlichen Umsatz von 50-60,000 Exemplaren. Die Reichsbankstelle hatte 1884 einen Umsatz von 716 Mill. Mk., der Bankverein einen solchen von 430 Mill. Mk. Eine neue Verkehrsader ist seit 1884 durch Ausdehnung der Kettenschiffahrt auf der Saale bis H. eröffnet. Der früher zurückgegangene Schiffsverkehr hat sich dadurch wesentlich gehoben. Eine Pferdeeisenbahn vermittelt den Personenverkehr zwischen dem Bahnhof, der innern Stadt und dem nördlich sich anschließenden Giebichenstein. Die Zahl der Bildungs- und andrer öffentlicher Anstalten ist eine große. Die Universität zählt an 100 Dozenten und (im Sommersemester 1886) 1518 Studierende. Die Bibliothek enthält über 100,000 Bände und gegen 300 Handschriften; ebenfalls reich ausgestattet sind das archäologische Institut und andre Institute. Die Franckeschen Stiftungen (s. Francke 1) zählen nicht weniger als acht verschiedene Schulen, darunter eine Lateinschule (Gymnasium), ein Realgymnasium, eine höhere Töchterschule mit Lehrerinnenseminar etc. Außerdem befinden sich in H. ein städtisches Gymnasium, eine Realschule, eine Taubstummenanstalt, eine Diakonissenanstalt, ein Provinzialmuseum, eine Sammlung für Kunst und Kunstgewerbe, ein Zuchthaus, eine Irrenanstalt (in dem 2 km von der Stadt gelegenen Nietleben) etc. In H. erscheinen zwei Zeitungen: die "Hallesche Zeitung" und die "Saale-Zeitung". Die städtischen Behörden zählen 14 Magistrats- und 45 Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung. Sonst ist H. Sitz eines Landgerichts (für die 18 Amtsgerichte zu Alsleben, Bitterfeld, Delitzsch, Eisleben, Ermsleben, Gerbstedt, Gräfenhainichen, H., Hettstedt, Könnern, Lauchstädt, Löbejün, Mansfeld, Merseburg, Schkeuditz, Wettin, Wippra und Zörbig), eines Oberberg- und eines Hauptsteueramtes, einer Oberpostdirektion und des Landratsamtes für den Saalkreis. Die Umgegend von H. bietet nur im N. Interesse, wo zuerst an dem östlichen, später auch an dem westlichen Ufer der Saale hohe, steil abfallende Porphyrhügel sich erheben und zum Teil recht groteske Landschaften bilden. In einem Seitenthal, dicht bei Giebichenstein (s. d.); liegt hier das Solbad Wittekind, gegenüber, am linken Saalufer, das Dorf Kröllwitz mit der vielbesuchten Bergschenke, weiter abwärts das große Dorf Trotha. Auch bieten die unmittelbar an H. sich anschließenden Saalinseln: Peißnitz (Nachtigalleninsel) und die Rabeninsel, reizende Spaziergänge. Einen weitern Ausflug erfordert der Besuch des nördlich von H. gelegenen Petersbergs (s. d.).

Geschichte. Die hallischen Salzquellen waren schon in ältester Zeit bekannt und scheinen zuerst von den Wenden benutzt worden zu sein, welche im 7. Jahrh. die Gegend von H. in Besitz nahmen. 806, wo der Ort zuerst unter dem Namen Halla vorkommt, wurde durch Karl, den ältesten Sohn Karls d. Gr., zuerst der Platz der spätern Moritzburg verschanzt. 952 kam der Ort an das Haus der Billunger, Herzog Hermann legte daselbst eine Burg an, die seinem Geschlecht bis zu dessen Aussterben (1106) verblieb, während der Ort H. vom Kaiser Otto I. 966 an das Kloster, dann an das Erzbistum Magdeburg geschenkt ward. Durch Otto II. erhielt H. 981 Stadtrechte; bedeutenden Umfang erlangte es bereits zu Anfang des 12. Jahrh. Im 14. und 15. Jahrh. führte die Stadt als Hansestadt wiederholt glückliche Kriege mit den Erzbischöfen von Magdeburg und hielt 1435 sogar eine Belagerung mit Erfolg aus. 1478 eroberte aber endlich der Erzbischof von Magdeburg die bisher fast unabhängige Stadt und erbaute, um sie besser im Zaum halten zu können, seit 1484 die Moritzburg, welche aber im Dreißigjährigen Krieg wieder zerstört wurde. Unter den Augen Albrechts V., Erzbischofs von Mainz und Magdeburg, welcher hier residierte und 24. Nov. 1533 ein Schutzbündnis mit Joachim von Brandenburg, Georg von Sachsen und Erich und Heinrich von Braunschweig abschloß, ward die Reformation in H. eingeführt und 1541 als erster lutherischer Superintendent Justus Jonas berufen. Nach der Schlacht bei Mühlberg unterwarf sich hier 19. Juni 1547 im Residenzschloß des Erzbischofs der Landgraf Philipp von Hessen dem Kaiser. Nach dem Sieg der Reformation kam die Stadt unter die Herrschaft der hohenzollerischen weltlichen Administratoren von Magdeburg, welche in H. ihre Residenz aufschlugen. Während des Dreißigjährigen Kriegs fiel H. 1635 durch den Prager Frieden an das Haus Sachsen. Durch den Westfälischen Frieden wurde es dagegen dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zugeteilt; indes kam es erst 1680 thatsächlich in brandenburgischen Besitz. Am 12. Juli 1694 eröffnete Kurfürst Friedrich III. die Universität. Hier erfochten 17. Okt. 1806 die Franzosen unter Bernadotte über die Preußen unter Prinz Eugen von Württemberg einen Sieg, worauf die Stadt im Frieden von Tilsit dem neuen Königreich Westfalen einverleibt ward. Im April 1813 von den Preußen unter Kleist besetzt, mußte sie trotz des erfolgreichen Gefechts bei Merseburg (29. April) den vordringenden Franzosen überlassen werden. Vor der Leipziger Schlacht erhielt H. eine starke preußische Besatzung und ist seitdem im Besitz Preußens geblieben. Vgl. Dreyhaupt, Ausführliche Beschreibung des Saalkreises (Halle 1755, 2 Bde.), im Auszug von Stiebritz (das. 1771-73, 2 Bde.), fortgesetzt von Eckstein (das. 1842-44); Freiherr v. Hagen, Die Stadt H. (das. 1866-67, 2 Bde. mit Nachträgen); Hertzberg, Geschichte der Vereinigung der Universitäten Wittenberg und H. (das. 1867); M. v. Voß, Zur Geschichte der Autonomie der Stadt H. (das. 1874); Schwetschke, Zur Gewerbegeschichte der Stadt H. von 1680 bis 1880 (das. 1883 ff.); Schönermark, Die Stadt H. (in "Beschreibende Darstellung der ältern Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen", neue Folge, 1. Bd., das. 1886); Kunze, H. an der Saale in sanitärer Beziehung (das. 1885).

2) H. in Westfalen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Minden, am Teutoburger Wald und an der (1886 im Bau befindlichen) Eisenbahn Osnabrück-Bielefeld, hat ein Amtsgericht, Fabrikation von Tabak, Zigarren, Würsten und Seilerwaren, Brennereien und (1885) 1712 meist evang. Einwohner; der Ort erhielt erst 1719 Stadtrechte.

Hallé (spr. allee), Charles (eigentlich Karl Halle), Pianist, geb. 11. April 1819 zu Hagen in Westfalen, kam 1840 nach Paris, blieb hier acht Jahre als gesuchter Lehrer und sehr geschätzter Klavierspieler, sie-^[folgende Seite]