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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Halligen; Hallimasch; Hallische Erde; Halliwell-Phillipps; Halljahr; Hallmann; Halloren

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Halligen - Halloren.

seit 1886 in Stuttgart. H. arbeitete vorzugsweise über Pilze, besonders Schmarotzerpilze, u. publizierte: "Die pflanzlichen Parasiten des menschlichen Körpers" (Leipz. 1866); "Das Cholerakontagium" (das. 1867); "Phytopathologie. Die Krankheiten der Kulturgewächse" (das. 1868); "Parasitologische Untersuchungen, bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus etc." (das. 1868); "Die Ursache der Kräuselkrankheit" (Jena 1875); "Reform der Pilzforschung" (das. 1876); "Die Plastiden der niedern Pflanzen" (das. 1878). H. leugnete, daß alle bei Gärungen, Fäulnis- und Verwesungsprozessen sowie bei Krankheiten am Tier- und Pflanzenkörper auftretenden Pilzbildungen spezifisch selbständige Organismen seien, und behauptete, daß die niedern Organismen verschiedene Formen annehmen je nach dem Substrat, auf welches die Keime gelangen. Er ging hierin weiter als alle andern Botaniker und fand heftigen Widerspruch. Jedenfalls gebührt H. das Verdienst, auf das konstante Vorhandensein bestimmter Schmarotzerpilze, zumal Bakterien, bei verschiedenen pathologischen Prozessen des Tierkörpers zuerst aufmerksam gemacht und die Untersuchungen und die Diskussion über diese dunkeln Gebiete angeregt zu haben. Außerdem schrieb H.: "Ausflüge in die Natur" (Berl. 1876); "Schule der systematischen Botanik" (Bresl. 1878); "Katechismus der allgemeinen Botanik" (Leipz. 1879); "Untersuchungen über Diatomeen" (Gera 1880). Als Florist schrieb H.: "Die Vegetation auf Helgoland" (2. Aufl., Hamb. 1863); "Exkursionsbuch" (2. Aufl., Jena 1876); "Deutschlands Flora" (Leipz. 1873); er besorgte die Umarbeitung von Kochs "Taschenbuch der deutschen und schweizerischen Flora" (das. 1878) und die Neubearbeitung der "Flora von Deutschland" von Schlechtendal, Langethal und Schenk (5. Aufl., Gera 1880 ff.). H. ist auch als philosophischer Schriftsteller aufgetreten und veröffentlichte: "Weltanschauung des Naturforschers" (Jena 1875); "Naturwissenschaft, Religion und Erziehung" (das. 1875) u. a.

Halligen, die nicht durch Deiche geschützten oder durch Zerstörung derselben bei Sturmfluten schutzlos gewordenen drei kleinern Eilande im schleswig-holsteinischen Wattenmeer im Gegensatz zu den größern, durch Dünen und Deiche gesicherten Inseln. Eine solche Hallig bildet eine kaum 1 m über den gewöhnlichen Stand der Flut sich erhebende Grasfläche, die oft zweimal an einem Tag überschwemmt wird. Die größten dieser Eilande sind kaum 25 qkm groß, die kleinern, oft nur von einer Familie bewohnten kaum 500-600 m lang und breit; die kleinsten, unbewohnten besucht man nur, um das daselbst wachsende kurze und feine Gras abzumähen. Die Wohnungen stehen auf künstlichen Erdaufwürfen oder Warfen, sind durch Pfahlwerke befestigt und mit Stroh gedeckt, werden aber häufig genug von den Fluten verschlungen. Von Bäumen und Sträuchern findet sich keine Spur; ebenso fehlt alles Gartenland. Wenige Rinder und Schafe sind der einzige Besitz der Bewohner, die nicht einmal Fischfang treiben können, weil die Fische die bei der Ebbe stundenweit trocken liegenden schlammigen Meeresstellen rings um die H. meiden; dagegen sind die Männer kühne und unerschrockene Seefahrer. Während einige dieser Eilande infolge von Alluvion wachsen, werden andre durch die Meereswogen nach und nach abgespült. Die bedeutendsten Inseln sind: Hooge mit 195, Langeneß mit 147 und Nordmarsch mit 87 Einw.; am meisten besucht wird die nördlichste Hallig, Oland mit 53 Einw., von Föhr aus. S. Karte "Schleswig-Holstein". Eine meisterhafte Schilderung des Lebens auf diesen H. gibt Biernatzki in seinem Roman "Die Hallig" Vgl. auch Johansen, Halligenbuch (Schlesw. 1866).

Hallimasch, s. Agaricus.

Hallische Erde, s. v. w. Aluminit.

Halliwell-Phillipps, James Orchard, engl. Litterarhistoriker, geb. 21. Juni 1821 zu Chelsea, studierte in Cambridge und widmete sich dann dem Studium der ältern vaterländischen Litteratur, namentlich Shakespeares und seiner Zeit. Seine Hauptschriften sind: "Shakespeariana" (Lond. 1841); "Life of Shakespeare" (1847); "Early history of freemasonry in England" (1842; deutsch von Marggraff, Leipz. 1842); "A dictionary of archaic and provincial words" (1844-46, 2 Bde.; 9. Aufl. 1878); "Popular rhymes and nursery tales" (1849); "Descriptive notices of popular English histories" (1849); eine Folioausgabe der Werke Shakespeares (1852-65, 16 Bde.) mit kritischem und archäologischem Kommentar und Illustrationen; endlich "Stratford upon Avon in the times of the Shakespeares" (1864); "Notes of excursions in North Wales" (1861) und "Rambles in Western Cornwall" (1861); "Collections and notes 1867-76" (1876); "Outlines of the life of Shakespeare" (6. Aufl. 1886); "Stratford records and Shakespeare autotypes" (1885) u. a. Auch gab er einen von ihm entdeckten metrischen Roman aus dem 15. Jahrh.: "Torrent of Portugal" (1842, 2. Aufl. 1856), sowie interessante, bisher unbekannte "Letters of the kings of England" (1846, 2 Bde.) heraus.

Halljahr, s. v. w. Jubeljahr.

Hallmann, Anton, Architekt, Maler, Zeichner und Schriftsteller, geb. 1812 zu Hannover, besuchte die Akademie in München, begab sich 1833 nach Italien und verweilte besonders in Rom. Im J. 1834 verband er sich mit Wilhelm Schulz aus Dresden zur Herausgabe eines Werkes über die normännischen Bauwerke in Kalabrien und Sizilien. Das Werk erschien aber erst 1846 im Druck. Im J. 1839 kehrte H. nach München zurück, begab sich aber schon im folgenden Jahr nach Petersburg, dann nach England und Frankreich. Im Frühling 1841 nach Rom zurückgekehrt, malte er Architekturbilder in Öl, unter andern den Klostergarten bei Fossa Nuova. 1842 gab er eine Schrift: "Kunstbestrebungen der Gegenwart", heraus. Im J. 1843 reiste er wieder nach Rom und vollendete hier mehrere große Ölbilder, worunter ein Tag auf Cypern sich durch Reichtum der Komposition und Üppigkeit der Phantasie auszeichnet. Im J. 1844 malte er für den König von Preußen eine große verfallene Villa bei Abendbeleuchtung. Er starb 29. Aug. 1845 in Livorno.

Halloren, die Arbeiter in den Salinen zu Halle a. S., welche sich durch ihre eigentümliche Tracht und althergebrachten Sitten auszeichnen; ihre Abstammung wird verschieden hergeleitet. Während man früher geneigt war, sie für Abkömmlinge der altenwendischen Bevölkerung zu halten, glaubt man jetzt die Nachkommen des unfreien Teils der ältesten fränkischen Kolonie in ihnen sehen zu müssen. Früher hielten sie sich in strenger, kastenartiger Abgeschlossenheit, so daß sie selbst nicht durch Heirat sich mit der Stadtgemeinde vermischten, und ihre Anzahl war so bedeutend, daß sie noch 1545 über 600 streitbare Männer gestellt haben sollen. Seit einerseits 1789 zwei große gemeinschaftliche Siedehäuser an die Stelle der zahlreichen kleinen Koten (Siedehäuser) getreten sind, anderseits aber die Bedeutung der Salinen für Halle wesentlich abgenommen hat, ist die Anzahl der Salinenarbeiter sehr zusammengeschmolzen. Gegenwär-^[folgende Seite]