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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hamilton

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Hamilton.

6) Sir William, Altertumsforscher, Sohn des Admirals Archibald H., geb. 1730, ging 1764 als englischer Gesandter nach Neapel und trug hier viel zur Ausgrabung von Herculaneum und Pompeji bei. Die Resultate seiner Forschungen enthalten seine "Observations on mount Vesuvius etc." (Lond. 1772), "Campi Phlegraei" (das. 1776-79) und "Account of the discoveries at Pompeji" (das. 1777). Im J. 1765 kaufte H. die große Sammlung griechischer Vasen aus dem Haus Porcinari, die er zeichnen und durch den Kupferstich vervielfältigen ließ: "Antiquités étrusques, grecques et romaines" (Neapel 1766-67; 2. Ausg., Florenz 1801-1808, 4 Bde.), welcher Sammlung sich die "Vases engraved in outline by Kirk" (Lond. 1814) und die Tischbeinschen Vasengemälde (das. 1791-95, 4 Bde.) anschlossen. 1791 vermählte er sich zum zweitenmal mit der berüchtigten Lady Emma H. (s. H. 8), mit deren Beihilfe er 1793 den Allianztraktat zwischen Neapel und England schloß. Beim Einrücken der Franzosen 1798 begleitete er den König nach Palermo, kehrte 1800 nach England zurück und starb 6. April 1803 in London. Einen Teil seiner Kunstschätze hatte er durch Schiffbruch an den britischen Küsten verloren. Über seine Sammlungen vgl. Kirk, Gravures au trait d'après les tableaux etc. de vases étrusques, grecs et romains, recueillis par feu Sir William H. (Lond. 1806).

7) Alexander, amerikan. Staatsmann, geb. 11. Jan. 1757 auf der westindischen Insel Nevis, erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung im Columbia College zu New York, trat beim Ausbruch der nordamerikanischen Freiheitskriege als Hauptmann in die Artillerie der Armee und ward von Washington 1777 zu seinem Adjutanten ernannt, in welcher Stellung er auf den Gang des Kriegs großen Einfluß ausübte. Nach dem Frieden widmete er sich dem Rechtsstudium und war dann als Advokat thätig. Vom Staat New York in den Kongreß gesandt, hatte er wesentlichen Anteil an der Regelung der öffentlichen Angelegenheiten. 1786 wurde er Mitglied der Gesetzgebenden und 1787 der Konstituierenden Versammlung in Philadelphia, wo er mit Jay und Madison an der Entwerfung des Staatsgrundgesetzes wesentlich, unter anderm auch durch Veröffentlichung von Aufsätzen, die unter dem Titel: "The federalist" gesammelt erschienen, beteiligt war. Er stand an der Spitze der Föderalisten und ging in seinem Streben nach einer einheitlichen Gesamtregierung so weit, daß man ihn monarchistischer Tendenzen beschuldigte. Bei Begründung der neuen Regierung 1789 ward er zum Sekretär des Schatzes ernannt, bewirkte zunächst zur Hebung des Kredits die Fundierung der innern Schuld, gründete die Bank, ordnete das Steuerwesen und ward überhaupt der Begründer des Finanzwesens der Union. Von den Demokraten heftig angefeindet, dankte er 1795 ab. Als 1798 der Krieg mit Frankreich drohte, ward er auf Washingtons Veranlassung zum zweiten Befehlshaber des Heers ernannt und mußte nach dessen Tod (1799) auf kurze Zeit bis zum Friedensschluß den Oberbefehl übernehmen. Nach Entlassung der Armee kehrte er nach New York zurück und starb daselbst 12. Juli 1804 an einer im Duell mit dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Obersten Burr, erhaltenen Wunde. Seine politischen Ideen wirken auch auf die Gegenwart noch nach. Hamiltons "Complete works", herausgegeben von Lodge, mit seinem Briefwechsel und dem "Federalist" erschienen New York 1885-86 (7 Bde.). Vgl. seines Sohns John Church Hamilton "History of the republic of the United States of America, as traced in the writings of Alexander H. and of his contemporaries" (4. Aufl., Boston 1879, 7 Bde.); Morse, Life of A. H. (das. 1877, 2 Bde.); Lodge, Alexander H. (das. 1882).

8) Emma Harte, nachher Lady H., zweite Gattin von H. 6), berühmt und berüchtigt durch ihre Schönheit, ihr plastisch-mimisches Talent und ihre politische Thätigkeit, geb. 1760 zu Preston in Lancashire, hieß eigentlich Emma Lyons und war die Tochter armer Eltern. Nach dem Tod ihres Vaters in Wales erzogen, ward sie seit ihrem 13. Jahr nacheinander Kindermädchen in Hawarden, Hausmagd in London, Kammerzofe, Magd in einer Taverne, wo besonders Schauspieler ihr Wesen trieben, Geliebte des Kapitäns John Willet Payne, sodann des Ritters Featherstongbough, bis sie Graham zu seiner Göttin Hygieia bei seinem sogen. himmlischen Bett (einer medizinischen Charlatanerie) machte. Ihre Schönheit wurde von Dichtern gepriesen, und der Maler Romney malte mehrere Bilder von ihr. Bald darauf ward sie Geliebte des Lords Charles Greville, dem sie drei Kinder gebar. Damals führte sie den Namen Harte und bildete ihre Talente regelmäßig aus. Sie sang und deklamierte ausgezeichnet, wetteiferte in mimischen Spielen und Stellungen mit Künstlern und erfand einen vielbewunderten Shawltanz. Von Greville an seinen Oheim Sir William Hamilton gesandt, um diesen um Unterstützung anzugehen, fesselte sie den Oheim dergestalt, daß dieser sie mit nach Neapel nahm, wo er Gesandter war, und sich 6. Sept. 1791 in London mit ihr vermählte. Sie wurde dem neapolitanischen Hofe vorgestellt und bald die Vertraute der Königin Karoline, welche sie für die englische Politik gewann und zum Kriege gegen Frankreich anstachelte. Ein vertrauter Brief des Königs von Spanien an den König von Neapel, den die Königin der Lady H. mitteilte, verriet dem englischen Hof die feindlichen Absichten Spaniens und beschleunigte die energischen Maßregeln, welche England ergriff. Als Nelson, dem die H. schon bei seiner ersten Anwesenheit in Neapel (1793) heftige Liebe eingeflößt hatte, 1798 während der ägyptischen Expedition in Neapel erschien, wurden seine Flottenunternehmungen auf Betreiben der H. von der Königin unterstützt. Nach Nelsons Rückkehr von Abukir trat die H. in engere Beziehung zu diesem, begleitete 1798 die königliche Familie auf ihrer Flucht nach Palermo und war 1799 bei der Wiedereroberung Neapels eifrig thätig. Als Sir William Hamilton 1800 nach England zurückgerufen wurde, legte auch Nelson sein Kommando nieder und folgte der Geliebten nach England. Hier genas sie 1801 heimlich einer Tochter, welche Nelsons Namen Horatia empfing, und bezog nach dem Tod ihres Gemahls (1803) ein Landhaus, Merton Place, welches Nelson für sie gekauft hatte. Nach ihres Geliebten Tod (1805) geriet sie in große Bedrängnis, weil die englische Regierung Nelsons dringende Bitte, für die H. zu sorgen, nicht beachtete und diese allzu sorglos mit ihrem Vermögen umging. 1808 mußte sie aus England flüchten und starb in Armut und Elend 15. Jan. 1815 zu Calais. Als Künstlerin ist sie als eine Wiedererweckerin der antiken plastischen Mimik und Orchestik zu betrachten. Zu ihren plastischen Vorstellungen wählte sie besonders die Darstellung antiker Statuen; einzig war namentlich ihre Niobe in fünf Darstellungen, worin die Hendel-Schütz sie glücklich nachahmte (vgl. Attitüde). Bald nach ihrem Tod erschienen die Briefe Nelsons an sie (Lond. 1815, 2 Bde.) und ihre