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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hamm; Hammacher; Hammáda; Hammal

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Hamm - Hammal.

England um, darunter "The hystorie of Hamblett". Wie Hebler in seinen Aufsätzen über Shakespeare (Bern 1865) nachgewiesen hat, benutzte letzterer diese englische Übertragung des Belleforest. Die ältere Sage lautet etwas anders. H. soll 500 Jahre v. Chr. gelebt haben, nach einigen auf Seeland, nach andern in Jütland. Die Namen lauten verschieden: der des Prinzen bald Aminth, bald Amleth; der des Usurpators bald Claudius Fago, bald Fengo; der von Hamlets Vater Hervondillus oder Horvendill. Auch bringt Fengo seinen Bruder H. öffentlich um; es weiß also Geruthe, die Gemahlin des Ermordeten, wie sich der Tod ihres ersten Gemahls ereignet hat. H. rächt den Tod seines Vaters, indem er die Anhänger seines Oheims während einer Festlichkeit in dem Festsaal verbrennt, seinen Oheim aber ersticht. Auch sonst hat Shakespeare freier mit seinem Stoff gewaltet als gewöhnlich. Denn nach der Sage vermählt sich H. mit der schottischen Prinzessin Hermuntrut, unterliegt aber als jütländischer Unterkönig dem Dänenkönig Viglet auf einer Heide in Jütland, welche später die Hamletsheide genannt wurde, worauf Hermuntrut sich mit Viglet vermählt. Vgl. Zinzow, Die Hamletsage an und mit verwandten Sagen erläutert (Halle 1877); A. Büchner, H. le Danois (Par. 1878).

Hamm, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, 63 m ü. M., am Einfluß der Ahse in die Lippe, Knotenpunkt der Linien Soest-Münster, Dortmund-H., H.-Herford-Löhne und Unna-H. der Preußischen Staatsbahn, hat 2 evangelische und 2 kath. Kirchen, ein Solthermalbad, ein Zuchthaus, Gasleitung, mehrere große Eisengießereien und Maschinenfabriken sowie 2 große Aktienwerke für Drahtzieherei nebst Puddel- und Walzwerken (mit etwa 2000 Arbeitern), ferner Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen, eiserne Möbel, Handschuhe, Bürstenwaren, Korbwaren, Stärke, Watte, Chemikalien, Bleizucker, Lack, Firnis, Öl, Eisen- und Blechwaren, endlich Dampfmahl- und Dampfsägemühlen, Gerbereien, Bierbrauereien etc. Die Einwohnerzahl betrug 1885: 22,523 (darunter 12,668 Katholiken und 253 Juden). H. hat ein Gymnasium, ein Realprogymnasium und ist Sitz eines Oberlandesgerichts (für Westfalen und einen Teil der Rheinprovinz), eines Amtsgerichts, eines Bergamtes und einer Reichsbanknebenstelle. Der Magistrat zählt 8, die Stadtverordnetenversammlung 24 Mitglieder. - H. war die Hauptstadt der Grafschaft Mark, ward um 1200 Stadt, trat dem Hansabund bei und kam 1666 mit der Grafschaft Mark an Brandenburg. Als wichtige Festung wurde H. besonders im 17. Jahrh. öfters belagert. 1763 wurden die Festungswerke abgetragen. Zu H. gehört das ehemalige Cistercienser-Nonnenkloster Kentrop (um 1290 gegründet, 1813 aufgehoben). - 2) Vorort von Hamburg, 2 km östlich, mit Gemüsebau, Gemüsehandel und (1885) 9275 Einw. - 3) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Altenkirchen, an der Sieg, 2 km von der Eisenbahnstation Au (Linie Deutz-Gießen), Sitz eines Bergreviers, mit Pulverfabrikation, Eisensteingruben, dem Eisenhüttenwerk Heinrichshütte und (1880) 1202 Einw.

^[Abb.: Wappen von Hamm.]

Hamm, Wilhelm von, landwirtschaftl. Schriftsteller, geb. 5. Juli 1820 zu Darmstadt, erlernte die Landwirtschaft in Hessen, studierte am landwirtschaftlichen Institut von Pabst in Darmstadt und nach weiterer praktischer Thätigkeit 1838-39 in Hohenheim, trat dann in die Dienste des Grafen Otto von Solms-Laubach, bereiste Belgien, Frankreich, England und Norddeutschland und schrieb als Ergebnis dieser Reise: "Die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte Englands" (Braunschw. 1845, 2. Aufl. 1856). In Gießen studierte er darauf Cameralia und Naturwissenschaft und ging 1843 als Professor der Chemie und Landwirtschaft nach Hofwyl. Nach Fellenbergs Tod war er Direktor der Ackerbauschule Rüti bei Bern, 1847 aber übernahm er in Leipzig die Redaktion der "Agronomischen Zeitung", gründete daselbst 1851 eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte und gab den "Illustrierten Katalog der Londoner Industrieausstellung von 1862" (Leipz. 1863-64, 2 Bde.) und ein ähnliches Werk über die Pariser Industrieausstellung (das. 1868) heraus. Seit 1863 Mitglied der sächsischen Zweiten Kammer, ward er 1867 auf Grund seines Werkes "Wesen und Ziele der Landwirtschaft" (Jena 1866, 2. Aufl. 1872) als Ministerialrat und Chef des Departements für Landwirtschaft in das österreichische Ministerium berufen und trat 1868 in das neugegründete Ackerbauministerium. 1870 in den erblichen Ritterstand erhoben, starb er 8. Nov. 1880. Er schrieb: "Emanuel Fellenberg, Leben und Wirken" (Bern 1845); "Die Schweiz, ethnographisch, topographisch und statistisch" (Leipz. 1848, 2 Bde.); "Katechismus der Ackerbauchemie, Bodenkunde und Düngerlehre" (5. Aufl. 1871); "Chemische Bilder aus dem täglichen Leben" (Leipz. 1850, 2 Bde.; 2. Aufl.: "Ordnung und Schönheit am häuslichen Herd", Jena 1866); "Grundzüge der Landwirtschaft" (Braunschw. 1850, 2 Bde.); "Weinbuch" (Leipz. 1855; 3. Aufl. von Babo, 1886); "Weinkarte von Europa" (2. Aufl., Jena 1872); "Katechismus der Drainierung" (2. Aufl., Leipz. 1862); "Belehrungen über alle Zweige der Viehzucht" (2. Aufl., das. 1870, 2 Bde.); "Landwirtschaft in Bildern" (Wien 1871); "Die Wurzellaus der Rebe" (das. 1875); "Der Fieberheilbaum: Eucalyptus globulus" (2. Aufl., das. 1878); "Landwirtschaftlicher Geschichtskalender" (das. 1877); "Die Naturkräfte in ihrer Anwendung auf die Landwirtschaft" (Münch. 1877); "Die Sprengkultur" (Leipz. 1877). Auf belletristischem Gebiet veröffentlichte er: "Freischar-Novellen" (Leipz. 1850); "Shelley" (2. Aufl., das. 1854); "Gedichte" (unter dem Pseudonym Philipp Emrich, das. 1869). Seit 1868 redigierte er die Landwirtschaftszeitung der "Neuen Freien Presse". Seine "Gesammelten kleinen Schriften" erschienen Wien 1881, 2 Bde.

Hammacher, Friedrich, Abgeordneter, geb. 1. Mai 1824 zu Essen, studierte 1842-45 in Bonn und Berlin die Rechte und trat in den Staatsdienst, den er jedoch 1850 infolge seiner Beteiligung an der politischen Bewegung 1848 verlassen mußte. Er widmete sich seitdem kaufmännischen Geschäften, namentlich innerhalb der Montanindustrie Rheinland-Westfalens, erwarb ein großes Vermögen und wurde Vorsitzender des Vereins für die bergbaulichen Interessen in Dortmund. Er lebt in Berlin, 1864-85 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und in mehreren Sitzungsperioden, ständig seit 1881 Mitglied des Reichstags. Er gehört zur nationalliberalen Partei und beteiligte sich namentlich an den Debatten und Erörterungen über Handel u. Industrie.

Hammáda, s. Hamâda.

Hammal (arab.), Lastträger in der Türkei, meist Armenier.