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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hammam; Hammamet; Hamman; Hammarsköld; Hamme; Hammel; Hammelburg; Hammelkorn; Hammelsprung; Hammer

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Hammam - Hammer.

Hammam (arab.), warmes Bad, in Algerien und Tunis sehr häufig Ortsnamen vorgesetzt.

Hammamet, Hafenstadt in Tunis, am Nordende des Meerbusens von H. reizend gelegen, inmitten von Orangengärten und Hainen von Ölbäumen, Mandelbäumen und Karuben, umgeben von einer wohlerhaltenen Ringmauer mit viereckigen, vorspringenden Türmen, einer Kasbah (Citadelle) in der Mitte der Stadt und 3000 Einw., die in der Umgebung viel Hanf bauen und Handel mit Öl, Wolle und Getreide treiben. Der Hafen ist sehr unsicher.

Hamman, Edouard Jean Conrad, belgisch-franz. Maler, geb. 24. Sept. 1819 zu Ostende, wurde in Antwerpen Schüler der Akademie, trat in das Atelier de Keysers und widmete sich der Historie und dem historischen Genre. Nachdem er in der Brüsseler Ausstellung (1846) debütiert hatte, ließ er sich in Paris nieder und malte eine Reihe von Bildern, die durch ihren interessanten oder pikanten Stoff und durch ihr Kolorit fesseln. Dahin gehören: Rabelais am französischen Hof, Karl IX. und sein Leibwundarzt, Kolumbus, Dante in Ravenna (1859), Einzug Herzog Albrechts VII. in Ostende (beide im Museum zu Brüssel), die Erzählungen der Margarete von Angoulême, die Kindheit Franz' I., die Kindheit Karls V. oder die Lektüre des Erasmus (Museum des Luxembourg zu Paris), das Fest des Bucentaur in Venedig (1867), fliehende Hugenottenfamilie (1870) u. a.

Hammarsköld (spr. -schöld), Lars oder Lorenzo, schwed. Schriftsteller, geb. 7. April 1785 auf dem Landgut Tuna im Kalmarlän aus einer adligen Familie, studierte zu Upsala und wurde 1806 an der königlichen Bibliothek in Stockholm angestellt, 1811 erster Amanuensis, 1826 Bibliothekar; starb 15. Okt. 1827 in Stockholm. H. begann schon im Alter von 19 Jahren seine schriftstellerische Thätigkeit, trat in der zu Stockholm herausgegebenen Zeitschrift "Polyphem" als der Herold des Phosphorismus auf und behauptete sich später durch eine Menge von kritischen und polemischen Abhandlungen in den Zeitschriften der Phosphoristen (s. d.) als der unverdrossenste und erbittertste Kämpfer gegen den französischen Geschmack. Er veröffentlichte mancherlei Schriften im Bereich der Poesie ("Prins Gustav", Tragödie, Strengnäs 1812; "Hellvin och Ellina", Novelle, Stockh. 1817), der Philosophie ("Grundzüge der Geschichte der Philosophie", das. 1825-27, 3 Bde.), der Litteratur- und Kunstgeschichte, unter welch letztern die "Svenska vitterheten" (Stockh. 1818; neue Aufl. von Sonden, 1833) dauernden Wert behält.

Hamme (H. lez Termonde), Gemeinde im Arrondissement Dendermonde der belg. Provinz Ostflandern, an der Eisenbahn Dendermonde-St.-Nicolas, mit (1885) 12,105 Einw., die sich hauptsächlich mit Landbau, Leinwand-, Spitzen- und Tabaksfabrikation beschäftigen.

Hammel, s. v. w. Schöps, s. Schaf.

Hammelburg, Bezirksstadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, 188 m ü. M., an der Fränkischen Saale und an der Linie Gemünden-H. der Bayrischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine Lateinschule, ein Schloß und (1885) 2981 meist kath. Einwohner. In der Nähe das Schloß Saaleck mit berühmtem Weinbau (Saalecker), das Franziskanerkloster Altstadt (1649 gegründet) und die Ruinen der Amalienburg, der frühern Sommerresidenz der Äbte von Fulda. - Im J. 777 wurde die Stadt von Karl d. Gr. der Abtei Fulda geschenkt und diente später zum Sommeraufenthalt der Bischöfe von Fulda. 1540 nahm H. die Reformation an, wurde aber mit Gewalt zum alten Glauben zurückgeführt. 1816 kam es an Bayern. Im preußisch-deutschen Krieg 1866 fand hier 10. Jul. ein Gefecht statt. Während der Hauptteil der Mainarmee die Linie der Saale bei Kissingen eroberte, sollte die Division Beyer den Übergang bei H. forcieren, und da hier die Bayern nur geringe Streitkräfte, meist Reiterei, aufgestellt hatten, gelang es Beyer nach kurzem Gefecht, sich der Stadt und des Flußüberganges zu bemächtigen; die Stadt selbst wurde dabei in Brand geschossen. Vgl. Rappert, Chronik der Kriegsereignisse in der Stadt H. 1866 (Hammelb. 1867); Döll, Geschichtliche und statistische Nachrichten über die Stadt H. und Schloß Saaleck.

Hammelkorn, s. Gerste, S. 190.

Hammelsprung, scherzhafte Bezeichnung für die aus der englischen Geschäftsordnung in die des deutschen Reichstags übernommene Art der Zählung des Hauses (s. Abstimmung, S. 65).

Hammer (hierzu Tafel "Dampfhammer"), das bekannte zum Schlagen bestimmte Werkzeug, welches aus dem Hammerkopf und Hammerstiel (Helm) besteht. Der Hammerkopf ist ein pyramidaler Körper aus verschiedenem Material, gewöhnlich Eisen verstählt oder Stahl, oft Holz, mitunter Blei, Kupfer, Horn oder Elfenbein. Er hat in der Regel zwei Schlagseiten, die Bahnen, wovon die schmale abgerundete insbesondere die Finne genannt wird; die eine Bahn ist jedoch oft durch eine Klaue (zum Ausziehen von Nägeln) oder eine Spitze zum Einschlagen von Löchern (z. B. in Schiefer zum Dachdecken) ersetzt. Durch die mannigfaltige Größe und Form der Bahn (viereckig, rund-länglich, kugelig, konkav, rinnenförmig etc.) sowie durch sehr verschiedenes Gewicht entsteht eine außerordentliche Auswahl von Hämmern (von den kleinen Niethämmerchen der Uhrmacher von einigen Grammen bis zu den Vorschlaghämmern des Schmiedes von einem Gewicht bis 10 kg). Die wichtigsten Hämmer sind die Schmiedehämmer, welche entweder mit Einer Hand geführt (Handhammer, Bankhammer, 1-3 kg schwer), oder mit beiden Händen geschwungen werden (Vorschlag-, Zuschlaghammer, 3-10 kg schwer).

Zum Schmieden der großen Eisenstücke, wie sie jetzt so häufig vorkommen, genügt selbst die gleichzeitige Einwirkung einer größern Anzahl Vorschläger nicht, sondern es sind dazu Hämmer mit großer Masse erforderlich, die nach der Stoßwirkung durch ihr Gewicht noch einen Augenblick das Metall drücken oder zusammenpressen. Um diese großen Massen in Thätigkeit zu setzen, bedarf es gewisser mechanischer Vorrichtungen, weshalb diese Hämmer kurzweg mechanische Hämmer genannt werden. In früherer Zeit bestanden sie lediglich in Nachahmungen eines gewöhnlichen Schmiedehammers, d. h. aus einem Hammerkopf mit einem Helm, welch letzterer so mit zwei horizontalen Zapfen versehen war, daß er sich zwischen zwei Ständern (Gerüst) in senkrechter Ebene wie ein Hebel auf- und niederbewegen ließ (Hebelhämmer). Diese Bewegung erfolgte durch Daumen an einer drehenden Welle (Daumenwelle), welche den H. hoben, denselben beim höchsten Stand aber verließen, so daß er frei auf den Amboß niederfallen konnte. Zugleich befand sich über dem Gerüst ein elastischer Balken (Reitel), welcher den Aufwärtsgang des Hammers begrenzte und denselben durch seine Federkraft zurückschleuderte. - Je nach der Lage des Angriffspunktes unterscheidet man Stirnhämmer, Brusthämmer (Aufwerfhämmer) und Schwanzhämmer. Bei den erstern greifen die Daumen am Hammerkopf selbst an, bei den zweiten