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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hämmerbarkeit - Hammer-Purgstall.

geschichten" (Altenb. 1844, 2 Bde.; 2. Aufl. 1854), und den Roman "Einkehr und Umkehr" (Leipz. 1856, 2 Bde.). Seinen Ruf verdankte er den lyrisch-didaktischen Dichtungen: "Schau um dich und schau in dich" (Leipz. 1851, 30. Aufl. 1886), "Zu allen guten Stunden" (das. 1854 u. öfter), "Fester Grund" (das. 1857), "Auf stillen Wegen" (das. 1859), "Lerne, liebe, lebe" (das. 1862), die, mit Ausnahme einzelner, wesentlich anempfunden, meist an Rückert angelehnt erscheinen. Noch sind sein osmanisches Liederbuch "Unter dem Halbmond" (Leipz. 1860), die "Psalmen der Heiligen Schrift in Dichtungen" (das. 1861) und die weitverbreitete Anthologie "Leben und Heimat in Gott" (10. Aufl., das. 1886) zu erwähnen. Vgl. Am Ende, J. H. als Mensch u. Dichter (Nürnb. 1872).

2) Guido, Maler und Zeichner, Bruder des vorigen, geb. 4. Febr. 1821 zu Dresden, besuchte die Dresdener Kunstakademie und seit 1842 Jul. Hübners Atelier. Als leidenschaftlicher Jäger wandte er sich der Tiermalerei zu, in der er sich auf Fußreisen nach Triest, Venedig, Mailand, über den Gardasee, wiederholten Ausflügen nach München, in die Wälder Sachsens, Böhmens, Schlesiens, auch in die Tiroler Berge weiter ausbildete. 1866 ging er nach Konstantinopel. Seine frischen, naturwahren Tier- und Jagdbilder erfreuen sich großen Beifalls. Die Dresdener Galerie besitzt von ihm: geflecktes Windspiel (1852) und Wildsau mit Frischlingen von einem Hund gestellt (1860). Er zeichnete auch zahlreiche Illustrationen für die "Gartenlaube", die Leipziger "Illustrierte Zeitung". Zu diesen wie zu seinen "Hubertusbildern", Album für Jäger und Jagdfreunde (2. Aufl., Glog. 1877), schrieb er selbst anziehende Schilderungen.

3) Bernhard, schweizer. Staatsmann, geb. 3. März 1822 zu Olten im Kanton Solothurn, studierte zu Genf, Freiburg i. Br., Berlin und Zürich Jurisprudenz, nahm 1847 als Artillerieoffizier am Sonderbundskrieg teil, wurde 1850 Staatsanwalt in Solothurn, 1856 Mitglied des Kantonrats, 1862 Oberinstrukteur der schweizerischen Artillerie. 1868-75 war er schweizerischer Gesandter beim Norddeutschen Bund, resp. beim Deutschen Reich und 1874 Delegierter der schweizerischen Eidgenossenschaft an der Brüsseler Konferenz über internationales Kriegsrecht sowie an der Petersburger Telegraphenkonferenz. Im Dezember 1875 leistete er dem Ruf der Bundesversammlung zum Eintritt in den Bundesrat Folge und wurde im Dezember 1879 zum Bundespräsidenten für 1880 gewählt.

Hämmerbarkeit, s. Dehnbarkeit.

Hammerfest, Stadt im norweg. Amt Finnmarken, auf der Westküste der Insel Kvalö (unter 70° 39' 15'' nördl. Br.), die nördlichste Stadt der Erde, wo die Sonne elf Wochen über dem Horizont steht, hat (1876) 2127 Einw., die lebhaften Handel mit Archangel sowie mit England (Kohle, Salz) und Hamburg treiben und Stockfische und Thran gegen Mehl, Hanf etc. eintauschen. Außerdem ist H. ein Mittelpunkt der an den Küsten von Spitzbergen und im Karischen Meer betriebenen Fischereien. Trotz der hohen Breite beträgt die mittlere Jahrestemperatur +1,8° C. (Januar -5°, Juli +11,3° C.). H. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Hammerfisch (Sphyrna M. Hle.), Fischgattung aus der Ordnung der Quermäuler und der Familie der Menschenhaie (Carcharidae), ähnelt im Bau durchaus den Menschenhaien, ist aber ausgezeichnet durch den seitlich verbreiterten, hammerförmigen Kopf, an dessen beiden Endflächen die Augen sitzen, während die Nasenlöcher am untern Ende des Kopfes vor der hufeisenförmigen, mit 3-4 Reihen langer, scharfer, an den Rändern gesägter Zähne besetzten Schnauze stehen; Spritzlöcher fehlen. Der gemeine H. (S. zygaena M. Hle.), 3-4 m lang, 200-300 kg schwer, mit schwach gekörnelter Haut, oben gräulichbraun, unten weißlich, findet sich im Mittelmeer und im Atlantischen Ozean, erscheint bisweilen auch an den nördlichen europäischen Küsten, verweilt viel in tiefern Schichten des Meers, um Rochen und Plattfische zu jagen, stellt aber auch andern Fischen nach, umschwimmt häufig die Schiffe auf den Reeden und wird bisweilen dem Menschen gefährlich. Das Weibchen gebiert etwa 40 lebendige Junge. Man jagt ihn wegen der thranreichen Leber.

Hammergare, s. Kupfer.

Hammerich, Peter Frederik Adolf, dän. Theolog und Geschichtschreiber, geb. 9. Aug. 1809 zu Kopenhagen, bereiste nach vollendeten theologischen und philosophischen Universitätsstudien Schweden, namentlich um das Volksleben daselbst kennen zu lernen, Deutschland und Italien, wo er, vorzüglich in Rom, 1835 längere Zeit verweilte, wurde 1839 Prediger zu Starup und Nebel in Jütland, legte aber diese Stelle krankheitshalber schon nach einigen Jahren wieder nieder, hielt dann historische Vorlesungen in Kopenhagen und wurde 1845 Prediger an der Trinitätskirche daselbst. Im schleswig-holsteinischen Krieg (1848-50) war er als Prediger mit im Feld, legte später sein geistliches Amt nieder und erhielt 1859 eine theologische Professur an der Kopenhagener Universität. Er starb 9. Febr. 1877. H. lieferte eine Reihe historischer Arbeiten, wie: "Dänemark im Zeitalter der Waldemare" (Kopenh. 1847-48, 2 Bde.), "Dänemark im Zeitalter der Nordischen Union" (das. 1849-54, 2 Bde.) und "Dänemark unter der Adelsherrschaft" (das. 1854-60, 4 Bde.); ferner: "Schilderungen aus dem schleswigschen Krieg" (das. 1849), "Der dritte schleswigsche Feldzug" (das. 1851), "Der schleswigsche Dreijahrskrieg" (Hadersl. 1852). Als Kirchenhistoriker hat er sich namentlich verdient gemacht durch "Die heil. Birgitta und die Kirche im Norden" (Kopenh. 1863; deutsch von Michelsen, Gotha 1872) und sein kirchengeschichtliches Handbuch "Die Geschichte der christlichen Kirche" (2. Aufl. 1872-1873, 3 Bde.). Seine Memoiren ("Et Levnedslöb", 2 Bde.) wurden 1882 veröffentlicht. Von seinen Dichtungen sind hervorzuheben: "Heldengesänge" (Kopenh. 1841); "Bilder aus Thorwaldsens Künstlerleben" (das. 1844); "Gustav II. Adolf in Deutschland" (das 1844); "Biblischgeschichtliche Lieder" (das. 1852) etc. In deutscher Übersetzung erschien noch: "Die älteste christliche Epik der Angelsachsen, Deutschen und Nordländer" (deutsch, Gütersl. 1874).

Hammerklavier (Pianoforte), unser heutiges Klavier (s. d.) bei welchem die Saiten durch Hammeranschlag in Schwingung versetzt werden.

Hämmerlein, s. Thomas a Kempis.

Hämmerling (Meister H., auch Hämmerlein), alte Bezeichnung des Teufels, auch eines Gespenstes oder Poltergeistes; dann s. v. w. Henker. Schließlich ging der Name auf Gaukler und Possenreißer über.

Hammerpochwerk, s. v. w. Hammerwerk.

Hammer-Purgstall, Joseph, Freiherr von, bekannter Orientalist, geb. 9. Juli 1774 zu Graz, kam 1788 in die neuerrichtete orientalische Akademie in Wien, wurde 1799 als Dolmetsch bei der österreichischen Gesandtschaft in Konstantinopel angestellt, machte darauf als Dolmetsch und Sekretär im englisch-türkischen Heer den Feldzug gegen die Franzosen unter