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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hampstead; Hampton; Hampton Court Palace; Hamran; Hamster; Hamun

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Hampstead - Hamun.

68,591 Schweine. Die Industrie ist von untergeordneter Bedeutung, doch sind immerhin Maschinenbau (1881: 2632 Arbeiter), Schiffbau (3255 Arbeiter), Wagenbau (1140 Arbeiter), Eisenfabrikation (783 Arbeiter), Brauerei, Ziegelbrennerei und Zurichtung von Holz von Bedeutung. Hauptstadt der Grafschaft ist Winchester. Zu H. gehört auch die Insel Wight (s. d.).

Hampstead (spr. häm[p]sted), nördliche Vorstadt von London, 7 km von Charing Croß, mit malerischer Heide (134 m ü. M.) und (1881) 45,452 Einw.

Hampton (spr. hämpt'n), 1) Dorf in der engl. Grafschaft Middlesex, an der Themse, 18 km vom Hyde Park, mit (1881) 4776 Einw., bekannt durch Hampton Court Palace, ein Schloß, seit 1514 vom Kardinal Wolsey erbaut und 1526 dem König (Heinrich VIII.) geschenkt. Letzterer erweiterte das Gebäude, das bis zur Zeit Georgs II. den Königen von England zum Wohnsitz diente, Die Gärten ließ Wilhelm III. in französischem Geschmack anlegen. Jetzt wird H. von Pensionären des königlichen Hofs bewohnt. Die dortige Gemäldesammlung enthält Mantegnas Triumphzug Cäsars. In H. führte Jakob I. den Vorsitz bei der Konferenz zwischen den schottischen Presbyterianern und anglikanischen Bischöfen (1604), und Karl I. saß hier eine Zeitlang gefangen. - 2) Altes Städtchen im nordamerikan. Staat Virginia, an der Nordseite der Hampton Roads genannten Einbuchtung der Chesapeakebai, deren Eingang durch die gewaltige Feste Monroe (in ihr Artillerieschule) und Fort Calhoun verteidigt wird, und in deren Hintergrund die Städte Norfolk (s. d.) und Portsmouth liegen. Hier kämpften 8. März 1862 die Panzerschiffe Merrimac und Monitor. H. hat eine landwirtschaftliche Schule für Farbige und ein Invalidenhaus.

Hampton, Sir John Somerset Pakington, Lord, brit. Staatsmann, geb. 20. Febr. 1799 auf Powick Court in der Grafschaft Worcester, Sohn William Russells, erzogen zu Eton und Oxford, erbte 1830 die ansehnlichen Güter seines mütterlichen Oheims Sir John Pakington und nahm darauf dessen Namen an. 1837 von dem Burgflecken Droitwich ins Parlament gewählt, hielt er sich zu den eifrigsten Konservativen und zählte zu den treuesten Anhängern Robert Peels, durch den er 1846 zum Baronet erhoben ward. Als Peel jedoch die Aufhebung der Korngesetze betrieb, sagte sich H. von ihm los, stimmte 1846 gegen die Abschaffung der Kornzölle, kämpfte neben Bentinck und Disraeli in den vordersten Reihen der Protektionisten und erhielt, als sich im Februar 1852 ein Ministerium aus seinen Parteigenossen bildete, das Portefeuille der Kolonien. Nach der Auflösung des Ministeriums im Dezember 1852 neigte H. sich nach und nach liberalern Ansichten zu und bemühte sich namentlich für die Hebung des Volksunterrichts, erklärte sich auch 1857 für die Emanzipation der Juden. Trotzdem übernahm er in dem konservativen Ministerium Derby, Februar 1858 bis 18. Juni 1859, das Portefeuille der Admiralität und erwarb sich solche Verdienste um die Hebung der Marine, daß er bei dem Rücktritt des Kabinetts das Großkreuz des Bathordens erhielt. In Derbys dritter Regierung übernahm er im Juni 1866 wieder das Marineministerium, vertauschte dasselbe aber im März 1867 mit dem Kriegsministerium, das er bis zum Rücktritt der konservativen Regierung im Dezember 1868 beibehielt. Bei den Neuwahlen von 1874 nicht wieder gewählt, wurde er von Disraeli mit dem Titel Lord H. zum Peer erhoben und 1875 zum ersten Staatsdienstkommissar ernannt. Er starb 9. April 1880 in London.

Hampton Court Palace (spr. hämpt'n kohrt pälles), s. Hampton 1).

Hamran, Araberstamm, s. Homran.

Hamster (Cricetus Pall.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Mäuse (Murina), plump gebaute Tiere mit dickem Leib, kurzem, dickem Hals, ziemlich zugespitztem Kopf, mittellangen Ohren, großen Augen, sehr kurzem, dünnhaarigem Schwanz, kurzen Gliedmaßen, von denen die vordern vier Zehen und eine Daumenwarze, die hintern fünf Zehen besitzen, sehr großen Backentaschen und zwei Paar auffallend großen Nagezähnen, leben in unterirdischen Bauen auf Getreidefeldern des gemäßigten Europa und Asien und speichern im Herbst bedeutende Nahrungsvorräte auf. Der gemeine H. (Kornferkel, C. frumentarius Pall., s. Tafel "Nagetiere I"), 25 cm lang mit 5 cm langem Schwanz, ist oberseits licht braungelb mit schwarzspitzigem Grannenhaar, auf der Schnauze, in der Augengegend und am Hals rotbraun, an den Backen gelb, auf der Unterseite schwarz, an den Füßen weiß, ändert aber in der Färbung sehr stark ab und kommt auch ganz schwarz und ganz weiß vor. Er findet sich vom Rhein bis an den Ob, fehlt in Süd- und Westdeutschland, in Ost- und Westpreußen, ist häufig in Sachsen und Thüringen, bevorzugt mäßig festen, trocknen, fruchtbaren Boden, meidet aber Sandboden, Wald, Gebirge und wasserreiche Niederungen. Sein Bau besteht aus einer großen Wohnkammer, 1-2 m unter dem Boden, und einer mit der Wohnkammer in Verbindung stehenden Vorratskammer. Alte Rammler graben selbst mehrere Speicher und tragen bis zu 50 kg Getreide ein. Man erkennt den Hamsterbau an dem meist mit Spreu und Hülsen bestreuten Erdhaufen vor der Ausgangsröhre. Der H. ist ziemlich gewandt, klettert leidlich, gräbt vortrefflich, meidet das Wasser, benutzt die Vorderfüße ganz wie Hände und führt mit ihnen die Nahrung zum Mund. Er ist sehr zornig und mutig und wehrt sich erfolgreich gegen jeden Angreifer. Er fällt in seiner Wut selbst Menschen und Pferde an und ist auch gegen seinesgleichen unverträglich. Daher lebt er einsam in seinem Bau und vereinigt sich nur in der Paarungszeit mit dem Weibchen. Außer Getreide frißt er Kräuter, Wurzeln, Obst etc., lieber aber kleine Vögel, Mäuse, Eidechsen, Schlangen und Insekten. Für den Wintervorrat zieht er Leinsamen, große Puffbohnen und Erbsen dem Getreide vor. Auf Einem Gang schleppt er in seinen Backentaschen gegen 50 g Getreide fort. Er verfällt in einen Winterschlaf, erscheint im Februar oder März, gräbt einen flachen Sommerbau und begattet sich Ende April. Das Weibchen wirft Ende Mai und im Juli 6-18 Junge, welche es in der Gefahr nicht verteidigt und, sobald sie 14 Tage alt sind, aus dem Bau jagt. Anfang Oktober zieht sich der H. in den Bau zurück und verstopft die Röhren mit Erde. Seine Feinde sind der Iltis, das Wiesel, Bussarde, Eulen, Raben; wo er häufig ist und dem Ackerbau ungeheuern Schaden bereitet, ziehen besondere Hamstergräber gegen ihn zu Felde und finden den Hauptgewinn in dem ausgegrabenen Getreide. Das Fell gibt leichtes, dauerhaftes Pelzwerk, und das Fleisch ist genießbar.

Hamun, langgestreckter Sumpf, der sich in nach W. gekrümmtem Bogen vom nordwestlichen Belutschistan durch das persische und afghanische Seïstan hinzieht. Im äußersten Nordende befinden sich zwei große Seen: der H. i Sowaran, in den sich der Hilmend ergießt, und der Naizar, welcher Harud und Fararud aufnimmt; ein dritter liegt im äußersten Südzipfel in Belutschistan. S. Karte "Afghanistan".