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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Harambaschi; Haran; Harangieren; Harar; Harari; Harassieren; Harb; Harbie

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Harambaschi - Harbie.

Schwager Eduards des Bekenners, wurde nach dessen Tod 1066 von den Großen des Reichs zum König erwählt, schlug die Norweger bei Stamfordbridge, blieb aber selbst in der Schlacht bei Hastings gegen Wilhelm den Eroberer 14. Okt. 1066. Er war der letzte englische König aus angelsächsischem Stamm.

[Könige von Norwegen.] 8) H. I., Harfagar ("Schönhaar"), kam 863 nach seines Vaters Halfdan Svarte Tod zur Herrschaft und war bemüht, die Macht der Jarle zu brechen und die königliche Gewalt zu begründen. Die Strenge, mit der er die Gerechtigkeit handhabte, vertrieb viele seiner Vasallen aus dem Lande, die sodann Seeräuberei an den Küsten Norwegens trieben. H. rüstete deshalb eine große Flotte aus, mit welcher er auch die Färöer, Hialtaland (Shetland), die Orkneyinseln, die Hebriden und selbst einen Teil von Schottland eroberte. Als er sich 893 auf einem neuen Eroberungszug befand, erregten seine eignen Söhne einen Aufstand. H. rief nach seiner Rückkehr ein Storthing zusammen, überließ seinen nachgebornen Söhnen die Provinzen, indem er sich und seinem Nachfolger Erich Blodyxa ("Blutbeil") nur die Oberhoheit vorbehielt, trat letzterm 930 die Regierung ab u. starb 933 in Drontheim.

9) H. II., Graafell ("Graufell"), Enkel des vorigen und Sohn Erich Blodyxas, kam 950 zur Regierung, indem er seine vier Brüder mit Geld abfand. Von Harald Blaatand nach Jütland gelockt, ward er dort 963 ermordet, worauf jener Norwegen in Besitz nahm.

10) H. III., Hardrada ("der Harte"), Sohn Sigurds, Jarls von Stingarige, der von Harald I. abstammte, Halbbruder Olafs des Heiligen, diente, 1029 aus Norwegen vertrieben, als Anführer der Warägerschar am Hof zu Konstantinopel und erfocht gegen Seeräuber und Sarazenen viele glänzende Siege. Ehrenvolle Anerbietungen, die ihm für längeres Bleiben gemacht wurden, zurückweisend, ward er gefangen gesetzt, entkam aber zum russischen Großfürsten Jaroslaw, vermählte sich mit dessen Tochter Elisabeth und ging nach Norwegen, wo er die Hälfte des Reichs von seinem Neffen Magnus dem Guten beanspruchte. Nach dessen Tod (1047) beherrschte er ganz Norwegen. Er verlegte den Königssitz von Drontheim nach Opslo (Christiania) und fiel 1066 auf einem Zug nach England in der Schlacht bei Stamfordbridge.

11) H. IV., Gille, kam 1127 mit seiner Mutter, einer Irländerin, nach Norwegen, wo er sich für den Sohn des Königs Magnus Barfuß ausgab und den Beweis durch die Feuerprobe führte. Er regierte seit 1130 mit Magnus IV. gemeinschaftlich, ließ diesen aber 1134 blenden und entmannen und war nun Alleinherrscher bis 1136, wo er ermordet wurde.

Harambaschi (Harumbascha), Pandurenkorporal, auch Räuberhauptmann.

Haran, Stadt, s. Karrhä.

Haran, israelit. Patriarch, Sohn Therachs (Tharahs), Bruder Abrahams, Vater Lots.

Harangieren (franz.), eine feierliche Ansprache, Rede (harangue) halten, mit Emphase sprechen; Harangueur (spr. arangghor), Wortführer, Schwätzer.

Harar (Harrar), das "Timbuktu des Ostens", Stadt im Lande der Galla in Nordostafrika, südwestlich von Zeila, auf der Oberfläche eines 1856 m hohen, roten Granitbergs, der im N. und S. von Bächen begrenzt wird. Die Stadt wird von einer 5 m hohen, durch vier geräumige Forts und acht kleine Türme verstärkten Mauer umgeben, durch welche fünf Thore zum Marktplatz (Suq) im Zentrum führen. Die ägyptische Regierung hat fünf große Kasernen und im modernen arabischen Stil einen großen Palast des Emirs sowie 90 Häuser für die Offiziere erbauen lassen; sonst wechseln plattdachige Häuser mit Hütten ab, und die Straßen, durch die Wassermassen ausgewaschene Rinnsale sind fast nur für Lasttiere passierbar. Außerhalb der Mauern befinden sich ein Krankenhaus, eine Durravorratskammer u. Grabmäler der Scheichs. Unmittelbar an die Mauern schließen sich prachtvolle Bananen- und Kaffeegärten. Die Bevölkerung der Stadt wurde mit der ehemaligen ägyptischen, aus Dar Fur-Negern und Fellahs bestehenden, 5250 Mann starken Garnison auf 42,000 Seelen angegeben, wovon zwei Drittel weiblichen Geschlechts. Der Nationalität nach sind 12-13,000 echte Harari, 6000 Galla, 5000 Somal, 3000 Abessinier, außerdem 100 Araber, 50 Türken, 11 Griechen, 3 Italiener u. a. In ihrem physischen Habitus stehen die Einwohner den Abessiniern am nächsten, sind aber in Tracht, Lebensweise und Sprache von ihren Nachbarn ganz verschieden, nehmen indes immer mehr von den Arabern an. Die arabische Sprache hat im Verkehr die einheimische, das Harari (s. d.), ein echt semitisches, mit dem Tigre und Amhara sowie mit dem Geez verwandtes Idiom, vollkommen verdrängt, doch wird die Gallasprache allgemein verstanden. Die Industrie befriedigt nur die Bedürfnisse der Stadtbewohner; nennenswert sind: Baumwollweberei, Buchbinderei, Flechterei, Schnitzerei, Töpferei, Kerzen- und Brotfabrikation, Metallindustrie. Der früher viel bedeutendere Handel hat sich zum Teil nach Tadschurra und Berbera gezogen, doch werden Kaffee, Häute und Felle, Vieh, Wars (eine Farbpflanze) noch in bedeutenden Mengen angebracht. Der Handel mit europäischen Waren lag einst in den Händen einiger Griechen. Früher war H. die Hauptstadt eines kleinen Staats mit 454,770 Einw., welche auf keinem geringen Bildungsgrad angelangt waren; selbst die Wissenschaft wurde in gewissem Maß gepflegt. Ihrer Religion nach Schiiten, teilen sie die Zeit nach dem Sonnenjahr und haben den persischen Kalender. Als 1875 das Land von Ägypten erobert wurde, erhielt die Stadt eine ägyptische Garnison. Die Ägypter zogen sich aber noch in demselben Jahr wieder zurück, nachdem sie den ältesten Sohn des letzten Emirs, Abdallah, auf den Thron gesetzt und denselben durch die Anlage von zwei Forts in der Umgebung der Stadt und Bildung einer kleinen Armee wehrfähig gemacht hatten. Nach dem Abzug der Ägypter verschloß der Emir sein Land den Europäern und ließ eine italienische Handelsexpedition, bestehend aus acht Weißen unter Führung des Grafen Porro, im April 1886, noch bevor dieselbe sein Land betreten, bei Artu im Lande der Ejssa-Somal überfallen und niedermachen. Vgl. Paulitschke, Reise nach H. (in "Petermanns Mitteilungen" 1885).

Harari, die Sprache von Harar (s. d.), ist der südlichste Ausläufer des semitischen Sprachstammes, am nächsten mit den nördlich angrenzenden Sprachen von Abessinien verwandt. Sie ist dargestellt von Prätorius im 23. Bande der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" (1869).

Harassieren (franz.), abmatten.

Harb (Dar ul H., "Krieg, Kriegsland"), eine kanonische Bezeichnung der von den Moslems pflichtgemäß zu bekämpfenden Länder, im Gegensatz zu Dar ul Islam, d. h. Moslems- oder Friedensland.

Harbie (arab.), aufs Kriegswesen Bezug habend; H.-mektebi, Kriegsakademie in Pera, durch Sultan Abd ul Medschid gegründet; H.-eklami, die Kanzlei im türkischen Kriegsministerium.