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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Harbour Grace; Harburg; Harburger; Harcelieren; Harcourt

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Harbour Grace - Harcourt.

Harbour Grace (spr. harboi grähs), Hafenstadt auf Neufundland, an der Westseite der Conceptionbai, mit regem Handelsverkehr, einem katholischen Bischof und (1881) 6770 Einw.

Harburg, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, an der Süderelbe, Knotenpunkt der Linien Lehrte-H. und Bremen-Hamburg der Preußischen Staatsbahn und der Unterelbischen Eisenbahn (H.-Kuxhaven), hat ein ehemals befestigtes Schloß an der Elbe, sehr bedeutende Gummiwarenfabriken (die größte derselben beschäftigt zeitweise 1000 Arbeiter), 4 Palmkernölfabriken, welche jährlich 40-45,000 Ton. Palmkerne (mehr als ein Drittel des nach Europa importierten Quantums) verarbeiten, eine Baumwollsaatölfabrik, ferner eine chemische Fabrik, Salpeter-, künstliche Dünger-, Schwefelsäure-, Rohr- und Stöcke-, Leder- und Mineralwasserfabriken, Dampfbootwerfte, Maschinenfabriken, 2 große Brauereien, eine Jutespinnerei und -Weberei mit ca. 1000 Arbeitern im benachbarten Wilsdorf u. (1885) 22,344 meist evang. Einwohner. Der Handelsverkehr, unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle und eine Filiale der Hannöverschen Bank, ist bedeutend, besonders mit dem benachbarten Hamburg. Die in den letzten Jahren mit einem Aufwand von mehreren Millionen Mark ausgeführte Korrektion der Süderelbe hat auch den früher zurückgegangenen Schiffsverkehr gehoben. Es kamen 1885 an: 533 Seeschiffe von 58,281 Ton. und gingen ab: 536 von 57,315 T.; Flußschiffe kamen an: 8274 von 222,569 T. u. gingen ab: 8273 von 222,322 T. H. ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Generalsuperintendenten, eines Hauptzollamtes, eines Eisenbahnbetriebsamtes und einer Handelskammer, hat ein Realgymnasium, eine Handels- und Gewerbeschule. Der Magistrat zählt 5, das Bürgervorsteherkollegium 12 Mitglieder. - H. war im 12. Jahrh. Grenzfestung und Besitztum des Stifts Bremen, kam dann an das Herzogtum Braunschweig, wurde 1236 geschleift, 1253 wiederhergestellt und erhielt 1297 Stadtrechte. Es kam 1376 an das Fürstentum Lüneburg und war von 1527 bis 1642 Sitz einer cellischen Nebenlinie, wurde aber erst 1651 wieder mit Celle vereinigt. Vom Herzog Georg (gest. 1641) und seinem Sohn Christian Ludwig (gest. 1665) wurde die Stadt neu befestigt. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Schloß von den Franzosen besetzt, aber 27. Dez. 1757 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig durch Kapitulation gewonnen. Im April 1813 besetzte Davout die Stadt und behielt sie bis zum ersten Pariser Frieden. Die von den Franzosen zwischen H. und Hamburg 1813 erbaute 5000 m lange Brücke stand bis 1816. Eine Eisenbahnverbindung mit Hamburg ward 1872 hergestellt, nachdem 1870-71 großartige Brücken über die Norder- und Süderelbe erbaut worden waren. Vgl. Ludewig, Geschichte des Schlosses und der Stadt H. (Harb. 1845); Carl, Statistische Übersicht über Harburgs Handels- und Schiffahrtsverkehr (das. 1871 ff.); Hoffmeyer, H. und die nächste Umgegend (das. 1885). -

^[Abb.: Wappen von Harburg.]

2) Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Donauwörth, 406 m ü. M., an der Wörnitz und der Linie Pleinfeld-Augsburg-Buchloe der Bayrischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Bergschloß mit Kapelle, Fabrikation von Fässern und Parkettfußböden und (1885) 1215 meist evang. Einwohner. H. war noch 1250 eine Reichsstadt und ist seit 1334 im Besitz der Fürsten von Öttingen-Wallerstein.

Harburger, Edmund, Zeichner und Maler, geb. 4. April 1846 zu Eichstätt, war bis zu seinem 20. Jahr Bauhandwerker und widmete sich dann in München der Malerei unter W. Lindenschmit. Er entwickelte bald eine fruchtbare Thätigkeit als Zeichner für die "Fliegenden Blätter", für welche er noch jetzt als künstlerisch bedeutendster Mitarbeiter thätig ist. In allen Gebieten des feinen und derben Humors heimisch, verbindet er tadellose Korrektheit der Zeichnung mit scharfer Charakteristik. Von seinen mit flüssiger Technik in Öl gemalten Genrebildern sind hervorzuheben: der Biertrinker, der Dorfbarbier, die Bauernprügelei, am stillen Herd, Wirtshaus in Tirol, die Näherin, die Gemütlichen.

Harcelieren (franz., spr. arss'l-), necken, den Feind durch fortwährende Angriffe nicht zur Ruhe kommen lassen; Harceleur (spr. arss'lör), Necker, Plagegeist.

Harcourt (spr. arkuhr), Flecken im franz. Departement Eure, Arrondissement Bernay, mit den Ruinen eines alten Schlosses (von 1090), Tuchfabrikation und (1876) 965 Einw. 1449 wurden die Engländer unter Talbot von den Franzosen unter Dunois in H. eingeschlossen und ergaben sich nach 14tägiger Belagerung; 1590 nahmen es die Liguisten. 1338 wurde H. zur Grafschaft, 1593 zum Marquisat und 1700 zum Herzogtum erhoben.

Harcourt, 1) (spr. arkuhr) Georges Trévor Douglas Bernard, Marquis d', franz. Diplomat, geb. 4. Nov. 1809, der Linie Olonde angehörig, trat 1842 in die Pairskammer ein, begab sich nach der Februarrevolution nach England, wo er durch seine Mutter mit vielen Adelsfamilien verwandt war, ward 1873 zum französischen Botschafter in Wien und 1875 in London ernannt, nahm aber 1879 nach Mac Mahons Rücktritt seine Entlassung und starb 1. Okt. 1883 in Gurcy. - Von seinen Söhnen trat der ältere, Pierre Louis Bernard, Graf d'H., geb. 1842, in die Armee und gehörte 1871-76 als Mitglied der monarchistischen Partei der Nationalversammlung an; der jüngere, Louis Emmanuel, Vicomte d'H., geb. 1844, widmete sich der diplomatischen Laufbahn und wurde 1873 Mac Mahons Kabinettssekretär; er nahm an den Unterhandlungen über die Herstellung der Monarchie und an dem Sturz der republikanischen Ministerien eifrigen Anteil, wurde daher Ende 1877 als Botschaftssekretär nach Wien versetzt und nahm 1879 seinen Abschied. - Ein Herzog von H., Charles François Marie, geb. 1835, der ältern Linie Beurron angehörig, war 1871-76 monarchistisches Mitglied der Nationalversammlung und bis 1881 Deputierter; ein Graf d'H., Bernard Hippolyte Marie, geb. 1821, Oheim des Herzogs, trat in den diplomatischen Dienst, war 1871-72 Botschafter beim heiligen Stuhl, 1872-73 in London und 1873-75 in Bern, dann wieder in London und nahm 1879 seine Entlassung.

2) (spr. har-kort) Sir William George Granville Vernon, engl. Rechtsgelehrter und Parlamentsmitglied, geb. 14. Okt. 1827, studierte zu Cambridge und wurde 1854 Advokat in London. 1868 trat er als Vertreter der Stadt Oxford ins Unterhaus ein und schloß sich der liberalen Partei an; er ist einer der begabtesten und schärfsten Redner derselben, behauptet auch eine völlige Unabhängigkeit in seinen Ansichten, hat mehrere Male selbst gegen das Haupt der Partei, Gladstone, energisch opponiert und ist daher sehr gefürchtet. 1869 wurde er Professor