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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hard; Hard.; Hardangerfjord; Hardegg; Hardegger; Hardegsen; Hardenberg

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Hard - Hardenberg.

des Völkerrechts in Cambridge, im November 1873 übertrug ihm Gladstone, um seine Regierung zu kräftigen, nebst der Ritterwürde das Amt eines Solicitor general, das H. indes beim Sturz des liberalen Kabinetts im Februar 1874 wieder verlor. 1880 wurde er in Gladstones Ministerium Minister des Innern, unterlag zwar bei der Neuwahl, der er sich infolgedessen in Oxford unterziehen mußte, wurde aber für Derby wieder gewählt. Im Juni 1885 trat er mit dem Gladstoneschen Kabinett zurück und gehörte dem dritten Kabinett Gladstones vom Februar bis Juli 1886 als Schatzkanzler an, da er als unbedingter Gladstonianer auch dessen irische Pläne billigte. Er war ein eifriger Mitarbeiter der "Saturday Review" und Verfasser der mit der Unterschrift "Historicus" in der "Times" erschienenen politischen Briefe, welche wegen der treffenden Schärfe ihres Urteils ihrer Zeit großes Aufsehen erregten.

Hard, Dorf in Vorarlberg, Bezirkshauptmannschaft Bregenz, am Bodensee und der Vorarlberger Bahn, mit (1880) 2085 Einw., Färberei und Druckerei, Stickerei, Sägemühlen und Holzhandel. Hier siegten die Schweizer im Schwabenkrieg 20. Febr. 1499.

Hard., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Thomas Hardwicke, lebte in Indien, starb als englischer Generalmajor im Anfang dieses Jahrhunderts (indische Zoologie).

Hardangerfjord, eine 104 km lange Meeresbucht an der Küste des norweg. Amtes Söndre-Bergenhus, mit ebenso anmutigen wie großartigen Umgebungen und verschiedenen Seitenzweigen, unter denen der Aakre- und der Sörfjord die bedeutendsten sind. Die gewaltige isolierte Gebirgsmasse, welche den eigentlichen H. vom Sörfjord trennt und sich unmittelbar von der See zu einer Höhe von 1653 m erhebt, trägt auf ihrem breiten Rücken den ewigen Schnee der Folgefonden, deren Gletscher alle Thäler des Bergs füllen. Im N. des Fjords liegt der Halling- oder Hardangerjökull (Gletscher), ungefähr 1800 m hoch.

Hardegg, Julius von, namhafter Militärschriftsteller, geb. 11. April 1810 zu Ludwigsburg, trat 1828 als Leutnant in württembergischen Dienst, war 1833 bis 1843 Erzieher des Kronprinzen (jetzigen Königs) von Württemberg, wurde dann Major und hielt bis 1849 Vorlesungen an der Kriegsschule; 1849 ward er Oberst und Chef des Generalstabs, dann Generaladjutant des Königs, 1855 Generalmajor; im September 1859 erhielt er das Kommando der württembergischen Infanteriedivision. Kränklichkeit entzog ihn bald dem aktiven Dienst, zuletzt auch schriftstellerischer Thätigkeit; er wurde 1864 Bevollmächtigter bei der Bundesmilitärkommission in Frankfurt nahm 1865 den Abschied als Generalleutnant und starb 16. Sept. 1875 in Stuttgart. H. schrieb: "Grundzüge einer Anleitung zum Studium der Kriegsgeschichte" (Stuttg. 1851); "Vorlesungen über Kriegsgeschichte" (Bd. 1-2, das. 1852-56; Bd. 3 von M. Biffart), eine encyklopädische Übersicht der Kriege aller Zeiten und aller Völker Hand in Hand mit der Darstellung der Entwickelung der Kriegswissenschaften sowie der Kunst der Kriegführung, deren Neubearbeitung unter dem Titel: "Anleitung zum Studium der Kriegsgeschichte" in 3 Bänden (Darmst. 1868-78, Bd. 3 von Th. v. Troschke und Zernin) erschien; "Skizze eines Vortrags über Generalstabswissenschaften" (Stuttg. 1854, 3. Aufl. 1865) und "Die Belagerung von Sewastopol" (das. 1859).

Hardegger (Heinrich von Hardeck?), schweizer. Liederdichter des 13. Jahrh., von welchem 15 Spruchstrophen religiösen Inhalts in v. d. Hagens Sammlung der "Minnesinger" (Bd. 2, Leipz. 1838) stehen.

Hardegsen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Northeim, 173 m ü. M., an der Linie Soest-Nordhausen der Preußischen Staatsbahn, hat ein altes Schloß, eine Oberförsterei, Sandsteinbrüche, Leder- und Zigarrenfabrikation und (1885) 1095 evang. Einwohner.

Hardenberg, 1) Albert, eigentlich Rizäus, geb. 1510 zu Hardenberg in Overyssel, trat ins Kloster Aduard bei Groningen, studierte in Löwen und ward durch Johannes a Lasko (s. d.) für die Reformation gewonnen; 1540 wurde er zu Brüssel wegen Ketzerei angeklagt und 1544 auf Melanchthons Empfehlung von dem reformatorisch gesinnten Erzbischof Hermann von Wied in Köln als Hofprediger und Pastor zu Kempen angestellt. Nach dem Scheitern der Kölner Reform kam H. 1547 nach Bremen als Domprediger, von welcher Stelle ihn 1561 die strengen Lutheraner vertrieben, was jedoch nicht verhinderte, daß seine freiere Anschauung sich in der Bürgerschaft Bahn brach, so daß Bremen die Annahme der Konkordienformel verweigerte. H. starb 1574 als Pastor in Emden. Vgl. Spiegel, Dr. Albert Rizäus H. (Brem. 1869).

2) Friedrich August von, Minister, geb. 30. Okt. 1700 zu Oberwieberstadt, ward in Halle erzogen, wo er auch die Rechte studierte, unternahm 1722 eine längere Reise nach Frankreich, England und Italien, trat nach seiner Rückkehr in fürstliche Dienste, ward erst braunschweigischer, dann württembergischer Kammerjunker, 1727 Regierungsrat, dann Kammerpräsident in Württemberg und bemühte sich mit Eifer und Erfolg, Handel und Finanzen des Landes zu heben. Herzog Karl Alexander ernannte ihn zum Gesandten und Oberhofmarschall; die mächtige Süßsche Partei verdrängte ihn aber aus der Gunst des Herzogs, und H. zog sich 1734 auf sein Gut Schlöben zurück. Nach dem Sturz der Süßschen Partei ward er 1741 wieder in den württembergischen Staatsdienst zurückgerufen und übte bis zu seiner zweiten Entlassung 1755 auch unter Herzog Karl Eugen, den er auf seiner Reise nach Italien begleitete, auf die innern wie auf die auswärtigen Verhältnisse einen großen Einfluß aus. 1755 trat er als Minister in die Dienste des Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel und wirkte in dieser Stellung für eine protestantische, preußische Politik. Nachdem sein Plan, während des Siebenjährigen Kriegs eine Union aller evangelischen Fürsten zu stande zu bringen, gescheitert war, bewog er den Landgrafen zum Bündnis mit Friedrich d. Gr., dem derselbe auf Hardenbergs Rat auch trotz wiederholter Okkupation seines Landes und der französischen Verlockungen standhaft treu blieb. Nach Wilhelms VIII. Tod von dem Nachfolger, Landgrafen Friedrich, 1761 entlassen, ward er vom König Georg III. zum Minister des Kurfürstentums Hannover ernannt. Er starb 15. Sept. 1768 in Hannover. Vgl. "F. A. v. H., ein kleinstaatlicher Minister des 18. Jahrhunderts" (Leipz. 1877), ein interessantes Buch, das anziehende, wichtige Tagebücher und Briefe Hardenbergs enthält.

3) Karl August, Fürst von, einer der ausgezeichneten preuß. Staatsmänner, geb. 31. Mai 1750 zu Essenroda im Hannöverschen, studierte in Leipzig und Göttingen, ward 1770 als hannöverscher Kammerrat beim Reichskammergericht in Wetzlar beschäftigt, verweilte dann zu Regensburg, Wien und Berlin und besuchte zu seiner weitern Ausbildung Frankreich, Holland und England. Nach seiner Rückkehr (1778) erhielt er den Charakter eines Geheimen Kammerrats und den Grafentitel und ging als Gesandter nach Holland. Infolge eines Privatzwistes mit dem Prinzen von Wales schied er 1782 aus dem hannö-^[folgende Seite]