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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hâtelets - Hattischerif.

Hâtelets (franz., spr. at'läh, auch Attelets, deutsch Speiler), die silbernen Spieße, welche man in der Kochkunst zum Garnieren der großen Stücke (relevés) u. der Entrees benutzt. Auf diese Spieße werden große, schwarze Trüffeln, Champignons, Hahnenkämme, Krebse, Gemüse, Möhren, Rüben, Rosenkohl, in geschmackvoller Form geschnitten, Farceklöße etc. gespießt und die so garnierten H. dann in Krusten von Brot oder Reis auf der Schüssel festgesteckt.

Hatfield (spr. hättfīld), Dorf in Hertfordshire (England), 8 km östlich von St. Albans, mit großem Schloß des Grafen Salisbury und (1881) 4059 Einw.

Hath (Hasta, Esto), Ellenmaß in Ostindien und auf dem Archipel, bei den Eingebornen von verschiedener Länge, von den Europäern für den Covid adoptiert, mithin 1 H. = 0,5 Yard = 0,46 m; im französischen Ostindien (Coudée) = 0,52 m.

Hatherley (spr. häthĕrlĭ), William Page Wood, Lord, brit. Staatsmann und Rechtsgelehrter, geb. 29. Nov. 1801 als zweiter Sohn des Baronets Sir Matthew Wood, langjährigen Vertreters der City im Parlament, ward zu Winchester erzogen, studierte in Cambridge, wurde 1827 Sachwalter und war von 1847 bis 1852 für Oxford Mitglied des Unterhauses, in welchem er sich der liberalen Partei anschloß. 1849-1851 war er Vizekanzler des Herzogtums Lancaster, 1851-52 Solicitor general und bekleidete darauf das hohe richterliche Amt des Vizekanzlers. 1868 trat er als Lord-Kanzler in das Ministerium Gladstone und wurde, da er als solcher dem Oberhaus zu präsidieren hatte, zum Peer und Baron H. erhoben. Im Oktober 1872 legte er sein Amt wegen Augenschwäche nieder und starb 10. Juli 1881. Politisch liberal, gehörte H. zur kirchlich-orthodoxen Partei, wie seine Schrift beweist: "Continuity of Scripture as declared by the testimony of our Lord" (4. Aufl. 1870). Vgl. Stephens, Memoir of baron H. Lond. 1883, 2 Bde.).

Hathor, ägypt. Göttin mit dem Sonnendiskus und einem Hörnerpaar, scheint eigentlich die Personifikation des himmlischen Raumes zu sein, ähnlich wie Neith, Mut und Nut, und gilt daher auch als Mutter der Sonne. Als Muttergöttin wird sie mit Isis verwechselt. Später tritt sie auch als Schicksalsgöttin auf (die sieben Hathoren sind die Feen der Ägypter), und in griechischer Zeit wird sie der Aphrodite gleichgestellt. Der dritte ägyptische Monat (Athyr) hat von ihr den Namen. Vgl. die Abbildung.

^[Abb.: Hathor.]

Hâtifî, Abdallah, pers. Dichter, gebürtig aus Dschâm, war ein Neffe des berühmten Dichters Dschami; starb 1521. Er gilt für den letzten klassischen Epiker der Perser und wird vielfach einem Dschami, ja sogar einem Nisami an die Seite gestellt. Seine Hauptwerke sind die folgenden vier epischen Gedichte: "Leila und Medschnun" (das sich vor den vielen Bearbeitungen desselben Stoffes durch besondere Lieblichkeit und Innigkeit in der Darstellung der Geschicke der unglücklichen Liebenden auszeichnet); "Timurname", eine epische Darstellung der Thaten Timur Tamerlans; "Schirin und Chosrau" und "Haft Mansar". Alle vier sind Nachahmungen der bekannten Epen Nisamis; namentlich suchte H. mit dem "Timurname" dessen "Iskendername", mit dem "Haft Mansar" ("Die sieben Pavillons") aber dessen "Haft Peiger" ("Die sieben Schönheiten") auszustechen.

Hato (span.), s. v. w. Estancia (s. d.).

Hátszeg (spr. hātssegg), Markt im ungar. Komitat Hunyad (Siebenbürgen), an der Ungarischen Staatsbahn (Piski-Petrozsény), liegt in dem wegen seiner malerischen Schönheit berühmten Hátszeger Thal, hat (1881) 1798 Einw. und war Hauptort der ehemaligen walachischen Militärgrenze. In der Nähe ausgezeichnete Porzellanerde. Im Hintergrund des Thals erhebt sich der 2496 m hohe Retyazat.

Hattala, Martin, slaw. Gelehrter, geb. 4. Nov. 1821 zu Trstená im Arvaer Komitat, widmete sich in Wien theologischen und philosophischen Studien und wurde 1850 zum Gymnasiallehrer in Preßburg ernannt, wo er seine "Lautlehre der alt- und neutschechischen und slowakischen Sprache" (Prag 1854) verfaßte. 1854 habilitierte er sich als Privatdozent der slawischen Linguistik an der Prager Universität, wo er, seit 1861 zum ordentlichen Professor ernannt, noch jetzt wirkt. Seine wichtigern Schriften sind außer der genannten (in tschechischer Sprache): "Syntax der tschechischen Sprache" (Prag 1855); "Vergleichende Grammatik der tschechischen und slowakischen Sprache" (das. 1857); "Das Lied vom Heereszug Igors" (das. 1858); "Anfangsgründe der slowakischen Sprache" (Wien 1860); "Ursprüngliche tschechisch-slowakische Konsonantengruppen" (1870); "Antibarbarus der tschechischen Sprache" (Prag 1877) u. a. Im Streit über die "Königinhofer Handschrift" (s. d.) und das "Gericht der Libusa" trat H. mit zwei Schriften: "Verteidigung der Authentizität des Urteils Libusas vom philologischen Standpunkt" (Prag 1858-1860) und "Das Libusa-Gericht, vom paläographischen, philologischen und poetischen Standpunkt verteidigt" (deutsch in der "Prager Morgenpost"), für die Echtheit derselben ein.

Hattchets Braun, s. Kupferbraun.

Hattenheim, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Rheingaukreis, am Rhein und an der Linie Frankfurt-Oberlahnstein-Lollar der Preußischen Staatsbahn, hat vorzüglichen Weinbau (besonders auf dem Steinberg), Weinhandel und (1885) 1325 meist kath. Einwohner. Zu H. gehört die ehemalige Cistercienserabtei Eberbach (s. d. 2).

Hatteras (Kap H.), Vorgebirge auf der Nehrung, die das Haff Pamlico Sound im nordamerikanischen Staat Nordcarolina vom Atlantischen Ozean trennt, durch Klippen und Untiefen den Schiffern gefährlich. Das die Nehrung bewohnende Fischervölkchen hält mit Zähigkeit an seinen alten Bräuchen.

Hattija, in Nordafrika und der Sahara Name für kleine Oasen.

Hattingen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, an der Ruhr und an der Linie Herdecke-Dahlhausen der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, 2 evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge und (1885) 6730 meist evang. Einwohner.

Hattischerif (Hattihumajum, richtiger Chatt-Scherif, türk., "heilige Schrift"), bei den Türken eine Kabinettsorder mit dem verschlungenen Namenszug des Sultans (Tugra oder Nischänischerif) als Zeichen der Authentizität, welche die schleunigste Vollziehung eines Urteils oder eines Befehls verlangt, wogegen weder Appellation noch Einwendung statthaft ist. Bekannt ist der H. von Gülhane,