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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hauenstein; Hauer; Häuer; Häufeln; Haufen; Hauff

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Hauenstein - Hauff.

bald gegen die Beschäftigung mit neuern Sprachen, Geschichte und Philosophie in den Hintergrund traten. Mit ungleich größerer Energie setzte er seine Studien, namentlich geschichtlich-philosophische und ästhetische, in Heidelberg fort, bereiste dann Deutschland, die Schweiz, Frankreich, Belgien und Italien und besuchte noch ein Jahr die landwirtschaftliche Akademie in Proskau, bis ihn die Bewegungen von 1848 auf sein Familiengut Tscheidt bei Bauerwitz in Oberschlesien zurückriefen, wo er seinen bleibenden Wohnsitz nahm und 20. Jan. 1855 starb. Seine Dichtungen sind außer der Jugendschrift "Ein Elfenmärchen" (Heidelb. 1847) folgende: "Blätter im Winde" (Leipz. 1848); "Kanzonen" (das. 1848); "O diese Zeit!" Kanzone (Hamb. 1850); "Für Gottfried Kinkel" (Ratibor 1850); "Cordula. Graubündener Sage" (Hamb. 1851, 2. Aufl. 1855); "Rahab, ein Frauenbild aus der Bibel" (das. 1855). Sie zeichnen sich sämtlich durch eine eigentümliche Pracht der Sprache, "Cordula" auch durch frische Wärme und Wahrheit des Gefühls aus. Außer einer Übersetzung von Silvio Pellicos "Francesca da Rimini" gab H. ferner in freier Nachdichtung heraus die provençalische "Sirvente von Peyre Cardinal" (Hamb. 1850). Großen Beifall fanden auch seine Romane: "Nach der Natur" (Hamb. 1850, 3 Bde.; 2. Aufl. 1851), "Aus der Junkerwelt" (das. 1850, 2 Bde.), Bilder aus der Gärungsperiode unmittelbar vor und nach 1848, geistreich, idealistisch, aber der künstlerischen Vollendung entbehrend.

Hauenstein, zwei Pässe des schweizer Jura, der Obere H., zwischen Waldenburg und Balsthal (718 m), und der untere H., zwischen Läufelfingen und Olten (695 m), beide gebahnt, um den Verkehr Basels mit der innern Schweiz zu vermitteln. Weitaus der wichtigere von beiden ist der Untere H. Schon zur Zeit der Grafen von Froburg wurde der Felsgrat durchhauen, und Straße, Berg und Dorf (ehedem Horben) erhielten den Namen H. (Gehowenstein). Doch war die Fahrt lange sehr beschwerlich. Seit der Straßenkorrektion von 1827 bis 1830 konnte der H. mit Lastwagen von 100 Doppelzentnern leicht überfahren wenden. In den Jahren 1855-57 ließ die Schweizerische Zentralbahngesellschaft den Berg durchbohren in einem Tunnel von 2,49 km Länge, ein Bau, welcher durch Einstürzen eines Schachtes (28. Mai 1857) 72 Arbeitern das Leben kostete. Die Maximalsteigung der Hauensteinbahn beträgt 26 Proz. Zwei Dezennien lang allein im Besitz einer Eisenbahn, beherrschte der H. den Verkehr Basels mit der innern, westlichen und östlichen Schweiz; sein Monopol hat er zunächst durch den Zweig Turgi-Waldshut und die Linie Waldshut-Schaffhausen, dann durch die neuen Thallinien Rheinfelden-Koblenz-Winterthur sowie Basel-Delémont (-Biel) und schließlich durch die Bözbergbahn eingebüßt.

Hauenstein, kleinste Stadt des Deutschen Reichs, im bad. Kreis Waldshut, am Rhein und an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, mit Burgruine und (1885) 167 kath. Einwohnern. Sie war früher Hauptstadt der Grafschaft H., deren Bewohner noch gegenwärtig in Tracht und Sitte viel Originelles haben. Hier erfolgte 1433 die Hauensteiner Einigung, ein Bündnis schwäbischer und schweizerischer Städte gegen Österreich.

Hauer, die beiden großen, nach hinten gekrümmten Eckzähne im Unterkiefer des männlichen Hausschweins, heißen beim Wildschwein Gewehre. Die kleinern Eckzähne des Oberkiefers heißen hier und da Haderer.

Hauer, Franz, Ritter von, Geolog und Paläontolog, geb. 30. Jan. 1822 zu Wien, studierte daselbst und auf der Bergakademie zu Schemnitz, wurde dann dem Bergamt in Eisenberg zugeteilt und 1843 zu den Vorlesungen Haidingers einberufen. 1846 wurde er Assistent Haidingers und 1849 Bergrat und erster Geolog an der geologischen Reichsanstalt. 1866 erhielt er das Direktorat dieser Anstalt, und 1886 ward er zum Intendanten des naturhistorischen Hofmuseums ernannt. Hauers wissenschaftliche Arbeiten beziehen sich auf die geologischen und paläontologischen Verhältnisse Österreichs. Er schrieb: "Die Cephalopoden des Salzkammerguts aus der Sammlung des Fürsten Metternich" (Wien 1846); "Geologische Übersicht der Bergbaue der österreichischen Monarchie" (mit Fötterle, das. 1855); "Geologische Übersichtskarte von Siebenbürgen" (Hermannst. 1861); Geologie Siebenbürgens (mit Stache, Wien 1863); "Geologische Übersichtskarte der österreichisch-ungarischen Monarchie" (in 12 Blättern, das. 1867-73); "Die Geologie und ihre Anwendung auf die Kenntnis der Bodenbeschaffenheit der österreichisch-ungarischen Monarchie" (das. 1875, 2. Aufl. 1878); "Geologische Karte von Österreich-Ungarn" (4. Aufl. 1884).

Häuer, der Bergmann, welcher in der Grube arbeitet. Man unterscheidet Jung- und Lehrhäuer, welche noch nicht ausgelernt haben, Vollhäuer, Erbhäuer, welche den vollen Lohn beziehen, Lohn-, Herrenhäuer, Herrenarbeiter, die für bestimmten Schichtlohn arbeiten, Gedinghäuer, Akkordarbeiter, Doppelhäuer, die doppelt so lange arbeiten wie gewöhnliche H., auch s. v. w. Vollhäuer, Lehnhäuer, denen von einer Gewerkschaft eine Grube oder ein Teil ihres Feldes auf bestimmte Zeit und gegen Anteil am Gewinn zum Bau überlassen ist, Ganghäuer, die auf Gängen arbeiten, auch Aufseher über andre H.

Häufeln, einfaches Glücksspiel mit Karten. Der Bankier legt verdeckt beliebig viel Häufchen und behält eins nach Wahl der Pointeurs für sich; die Pointeurs setzen auf die übrigen. Die untersten Karten der Häufchen entscheiden; jede, welche höher ist als die des Bankiers, gewinnt, jede, die gleich oder niedriger ist, zahlt der Bank den Satz.

Haufen, in Berlin bis in die neueste Zeit übliches Maß für Brennholz und Torf; für Brennholz gesetzlich 4,5 Klafter oder rund 15 cbm, für Torf = 6000 Stück.

Hauff, Wilhelm, Erzähler, geb. 29. Nov. 1802 zu Stuttgart, besuchte die Klosterschule in Blaubeuren und widmete sich sodann zu Tübingen dem Studium der Theologie. Als Erzieher im Haus des Kriegsratspräsidenten v. Hügel zu Stuttgart begann er seine schriftstellerische Laufbahn mit dem "Märchenalmanach auf das Jahr 1826", dem ein 2. und 3. Jahrgang folgten, und fand mit seinen durch phantasiereiche Behandlung wie durch abgerundete Darstellung ausgezeichneten Erzählungen den allgemeinsten Beifall (dieselben erschienen u. d. T.: "Märchen" 1883 in 17. Auflage). Weiterhin folgten die "Mitteilungen aus den Memoiren des Satans" (Stuttg. 1827, 2 Bde.), ein an Phantasie und Darstellungskunst reiches, aber unvollendet gebliebenes Werk, und "Der Mann im Monde" (das. 1827), ein Roman, welcher die Claurensche Manier persiflieren sollte, von der Menge aber als ein echtes Werk Claurens aufgenommen wurde. Besser erreichte ihren Zweck die sarkastische "Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde, gehalten an das deutsche Publikum" (Stuttg. 1826). Der Roman "Lichtenstein" (Stuttg. 1826, 3 Bde.) ging aus W. Scottschen Einflüssen hervor und zeichnet sich namentlich durch treffliche Charakterbilder und Lokalschilderungen aus. Die "Phan-^[folgende Seite]