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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haug; Hauge; Haugesund; Haugwitz

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Haug - Haugwitz.

tasten im Bremer Ratskeller" (Stuttg. 1827) sind unstreitig die originellste und gemütlichste Schöpfung Hauffs. Beifällige Aufnahme fanden auch die Novellen: "Die Bettlerin vom Pont des Arts" und "Das Bild des Kaisers", die mit andern kleinen Erzählungen unter dem Titel: "Novellen" (Stuttg. 1828, 3 Bde.) gesammelt erschienen. Von einer Reise durch Frankreich, die Niederlande und Norddeutschland zurückgekehrt, übernahm H. im Januar 1827 die Redaktion des "Morgenblattes", starb aber schon 18. Nov. d. J. Durch frische Erfindung, Humor und seltenes Talent des Erzählens haben sich die Werke Hauffs in ungeschwächter Wirkungskraft behauptet. Seine "Sämtlichen Werke" wurden mit seiner Biographie von seinem Landsmann G. Schwab herausgegeben (Stuttg. 1830; 18. Aufl. 1882, 5 Bde.), neuere Ausgaben besorgten Ad. Stern (Berl. 1878, 4 Bde.), H. Fischer (Stuttg. 1885, 6 Bde.) u. a. 1840 wurde ihm bei der Burg Lichtenstein ein Denkmal gesetzt. - Hauffs Bruder Hermann, geb. 22. Aug. 1800, Redakteur des Cottaschen "Morgenblattes" schrieb: "Moden und Trachten" (Stuttg. 1840), "Skizzen aus dem Leben der Natur" (das. 1840, 2 Bde.) u. a., übersetzte Humboldts "Reisen in die Äquinoktialgegenden" ins Deutsche (das. 1858) und starb 16. Aug. 1865 in Stuttgart.

Haug, 1) Johann Christoph Friedrich, Lieder- und Epigrammendichter, geb. 19. März 1761 zu Niederstotzingen in Württemberg, erhielt seine Bildung (mit Schiller) auf der Karlsschule, ward 1784 Sekretär im herzoglichen Geheimen Kabinett, 1794 Geheimer Sekretär und 1817 Hofrat und Bibliothekar zu Stuttgart, wo er 30. Jan. 1829 starb. H. hat sich besonders durch seine sehr zahlreichen Epigramme Ruf erworben, die er anfangs unter dem Namen Hophthalmos veröffentlichte ("Sinngedichte", Frankf. 1791; "Epigramme und vermischte Gedichte", Berl. 1805, etc.). Für die Beweglichkeit seines hyperbolischen, selten verletzenden Witzes zeugen namentlich seine "Zweihundert Hyperbeln auf Herrn Wahls ungeheure Nase" (Stuttg. 1804; neue Aufl., Brünn 1822). Auch gab er mit Weisser eine "Epigrammatische Anthologie" (Stuttg. 1807-1809, 10 Bde.) heraus. Außerdem versuchte er sich in Fabeln, Balladen, Scharaden und Erzählungen. Eine Auswahl seiner "Gedichte" erschien Hamburg 1827, 2 Bde., und Stuttgart 1840.

2) Martin, bedeutender Orientalist, geb. 30. Jan. 1827 zu Ostdorf bei Balingen in Württemberg als Sohn eines Landmanns, widmete sich seit 1848 in Tübingen und Göttingen besonders dem Studium des Sanskrits und habilitierte sich 1854 zu Bonn, von wo er 1856 nach Heidelberg übersiedelte, um sich auf Einladung Bunsens an dessen Bibelwerk zu beteiligen. 1859 einem Ruf nach Indien folgend, wurde er im Puna College als Sanskritprofessor und Superintendent of Sanscrit studies angestellt. Seine umfassende Kenntnis der heiligen Schriften der Parsen und Hindu brachte ihn in vertrauten Verkehr mit den gelehrtesten Priestern beider Religionen, und er erlangte dadurch die genaueste Kenntnis ihres Kultus, die ihn in stand setzte, viele neue Beiträge zum Verständnis des Zendavesta und der Wedas zu geben. 1863 unternahm er im Auftrag der englischen Regierung eine wissenschaftliche Reise durch die Provinz Gudschrat, auf der er zahlreiche kostbare Zend-, Pehlewi- und Sanskritmanuskripte zu sammeln Gelegenheit fand. Familien- und Gesundheitsrücksichten riefen ihn indessen 1866 nach Deutschland zurück, wo er 1868 als ordentlicher Professor des Sanskrits und der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität zu München angestellt wurde. Er entwickelte dort eine bedeutende Lehrthätigkeit, starb aber schon 3. Juni 1876 im Bad Ragaz. Wichtige Beiträge zum Verständnis des Zendavesta, besonders seiner ältesten Teile, sind: "Die fünf Gathas, oder Sammlungen von Liedern und Sprüchen Zarathustras etc." (Leipz. 1858-62, 2 Bde.) und die auf einen weitern Leserkreis berechneten "Essays on the sacred language, writings and religion of the Parsees" (Bomb. 1862; 2. verbesserte Auflage von West, Lond. 1878). Haugs Hauptwerk im Gebiet der altindischen Litteratur ist die Ausgabe und Übersetzung eines der ältesten wedischen Ritualbücher, des "Aitareya Brâhmana of the Rigveda" (Bomb. 1863, 2 Bde.). Von frühern Schriften sind zu nennen: "Über die Schrift und Sprache der zweiten Keilschriftgattung" (Götting. 1855) und "Über die Pehlewisprache und den Bundehesch" (das. 1854). Auf das Pehlewi, dessen eigentlicher Entzifferer er ist, beziehen sich die anerkanntesten Arbeiten Haugs, die im Auftrag der Regierung von Bombay im Verein mit einem der gelehrtesten Parsenpriester veröffentlichten Schriften: "An old Zand-Pahlavî glossary" (Lond. u. Bomb. 1867) und "An old Pahlavî Pâzand glossary", mit einem längern "Essay on the Pahlavî language" (das. 1870); dann das mit Unterstützung des Engländers West herausgegebene "Book of Ardâ Vîrâf together with other Pahlavî texts", mit Übersetzung, Anmerkungen, Glossar und kurzer Grammatik (Lond. 1872-74, 2 Bde.). Von andern Schriften seiner spätern Zeit sind zu erwähnen: "Über den gegenwärtigen Stand der Zendphilologie" (Stuttg. 1868) und die 1868-75 in den Abhandlungen und Sitzungsberichten der Münchener Akademie der Wissenschaften veröffentlichen Arbeiten: "Brahma und die Brahmanen" (1871), "Über das Wesen und den Wert des wedischen Accents" (1873), "Wedische Rätselsagen und Rätselsprüche" (1875) u. a. Seine bedeutende Handschriftensammlung wurde nach seinem Tod von der Münchener Hof- und Staatsbibliothek angekauft.

Hauge, Hans Nielsen, Stifter einer religiösen Sekte in Norwegen, geb. 1771 auf dem Hof H. im Kirchspiel Thunö in Norwegen, hielt sich für einen von Gott berufenen und erleuchteten Propheten und trat, 1795 mit dem Rationalismus brechend, seit 1797 als unermüdlicher Prediger gegen denselben auf. Er durchwanderte fast ganz Norwegen und fand allenthalben zahlreiche Anhänger, die in Konventikel zusammentraten. Dadurch geriet er in Konflikt mit dem Kirchenregiment; er wurde 1804 gefänglich eingezogen und nach zehnjähriger Untersuchungshaft wegen Beleidigung der Geistlichkeit zu einer Geldstrafe verurteilt. H. starb 1824 auf seinem Gut bei Christiania. Seine Grundlehren bewegten sich in der gewöhnlichen pietistischen Vorstellungssphäre. Seine Sekte, die Haugianer oder "Leser" (s. Läsare) verbreitete sich, ohne äußere Trennung von der Kirche besonders unter dem niedern Volk durch ganz Norwegen, auch in Dänemark. Vgl. Bang, Hans Nielsen H. (2. Aufl., Christiania 1875).

Haugesund, Handelsstadt im norweg. Amt Stavanger, der Insel Karmöen gegenüber, hat (1876) 4421 Einw. Unfern der Stadt wurde 1872 das Denkmal zur Erinnerung an das tausendjährige Bestehen des norwegischen Reichs auf der Stelle, wo Harald Harfagar ("Schönhaar"), der erste König des vereinigten Reichs, nach der Sage begraben ist, errichtet. H. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Haugwitz, Christian August Heinrich Kurt, Graf von H. und Freiherr von Krappitz, preuß. Staatsmann, geb. 11. Juni 1752 zu Peucke bei Öls