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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hauptmängel - Haupt- und Staatsaktionen.

Hauptmängel, s. Gewährsmängel.

Hauptmann, der Vorgesetzte einer Anzahl Männer oder eines Bezirks (Amts-, Kreishauptmann); dann militärischer Offiziersgrad (franz. Capitaine) zwischen den Subaltern- und den Stabsoffizieren, der Stellung nach meist Befehlshaber (Chef) einer Kompanie oder Batterie. Vgl. Offiziere. Über den H. der Landsknechte s. d.

Hauptmann, Moritz, Musiktheoretiker und Komponist, geb. 13. Okt. 1792 zu Dresden, ward für das Baufach bestimmt, entschied sich aber für die Musik und genoß in Gotha Spohrs Unterricht im Violinspiel sowie in der Komposition. 1812 fand er eine Anstellung als Violinist an der Hofkapelle zu Dresden, lebte 1814 und 1815 in Prag und Wien und bekleidete von 1815 bis 1820 ein musikalisches Lehramt in der Familie des russischen Fürsten Repnin, die sich abwechselnd in Petersburg, Moskau, Poltawa und Odessa aufhielt. Im J. 1820 nach Deutschland zurückgekehrt, trat er 1822 als Violinist in die Hofkapelle zu Kassel ein, wo er 20 Jahre hindurch wirkte und sich gleichzeitig als Komponist und als Kompositionslehrer eifrig bethätigte. 1842 wurde er auf Spohrs und Mendelssohns besondere Empfehlung als Nachfolger Weinligs in die Ehrenstelle des Kantors an der Thomasschule zu Leipzig berufen und ein Jahr später als erster Lehrer des Kontrapunktes an dem neugegründeten Konservatorium daselbst angestellt. Eine Zeitlang führte er auch die Redaktion der 1848 eingegangenen Leipziger "Allgemeinen Musikzeitung". Er starb 3. Jan. 1868 in Leipzig. Viele bedeutende Komponisten sind aus Hauptmanns Schule hervorgegangen. Von seinen Kompositionen, die sich insgemein durch Ebenmaß des architektonischen Aufbaues, durch Reinheit des Satzes und Sanglichkeit der Stimmen auszeichnen, sind vor allen hervorzuheben seine Motetten, ferner zwei Messen, ein Offertorium, ein Salve regina, die Chorlieder für gemischte Stimmen, die dreistimmigen Kanons für Sopranstimmen, die Duette, ferner sechs Sonaten für Klavier und Violine, mehrere Violinduette, Streichquartette und eine Oper: "Mathilde", die in Kassel wiederholt aufgeführt wurde. Der Schwerpunkt von Hauptmanns Bedeutung liegt jedoch in seinen theoretischen Arbeiten, als deren vorzüglichste "Die Natur der Harmonik und Metrik" (Leipz. 1853, 2. Aufl. 1873) zu erwähnen ist. In diesem epochemachenden Werk hat H. sein theoretisches System, dessen Kernpunkt die Aufstellung des polaren Gegensatzes zwischen der Durkonsonanz und der Mollkonsonanz bildet, in vollendet philosophischer Form dargelegt, und seine übrigen Schriften, wie die "Erläuterungen zu J. S. Bachs Kunst der Fuge", "Über die Beantwortung des Fugenthemas" und andre Abhandlungen in Fachzeitschriften, bieten nur Ergänzungen und Nutzanwendungen zu jenem Werk, das dem Verfasser von seiten der Göttinger Universität das Doktordiplom eintrug. Nach seinem Tod erschienen noch: "Die Lehre von der Harmonik" (hrsg. von O. Paul, Leipz. 1868) und "Opuscula", eine Anzahl gesammelter Aufsätze (das. 1874). Hauptmanns Briefe an L. Spohr u. a. wurden herausgegeben von Hiller (Leipz. 1876), Briefe von M. H. an Franz Hauser von Schöne (das. 1871). Vgl. Paul, Moritz H., eine Denkschrift (Leipz. 1862).

Hauptmuschelkalk (Kalkstein von Friedrichshall), s. Triasformation.

Hauptpatent, das für eine Erfindung ausgestellte Patent im Gegensatz zum Zusatzpatent, welches für Verbesserungen an der durch das H. bereits geschützten Erfindung nachgesucht wird. S. Patent.

Hauptquartier, im Feld und bei Kantonnierungen der Ort, wo der Befehlshaber eines selbständigen Heeresteils oder einer ganzen Armee seinen Aufenthalt nimmt; dann das den Befehlshaber umgebende Personal, dessen Generalstab, die Verwaltungsbeamten und die zum Sicherheitsdienst im H. bestimmten Truppen (Stabswachen, Gulden, Gendarmen). Der Kommandant des Hauptquartiers verfügt über diese Truppen und ist für die Sicherheit und polizeiliche Ordnung im H. verantwortlich. In der Regel wird das H. hinter der Mitte der Lager und Kantonnements, außerdem aber an Orten genommen, welche bequeme Verbindung nach allen Seiten haben. Großes H. heißt der Stab, resp. Aufenthaltsort des Höchstkommandierenden über mehrere gemeinschaftlich thätige Heere, meist des Monarchen selbst.

Hauptrogenstein (Hauptoolith), s. Juraformation.

Hauptschlüssel, eigentümlich geformter Schlüssel, mit welchem man jedes einfache Schloß von entsprechender Größe öffnen kann.

Hauptschöffen, s. Schöffengericht.

Hauptschuldverschreibung, namentlich bei standesherrlichen Anleihen die Schuldurkunde, welche der Schuldner ausstellt, und welche gerichtlich oder bei dem die Anleihe negoziierenden Bankhaus deponiert wird, und auf Grund deren die Partialobligationen ausgestellt werden.

Hauptsteinkohlenformation (produktives Kohlengebirge), s. Steinkohlenformation.

Hauptsteueramt, s. Zollordnung.

Hauptstück, deutscher Ausdruck für Kapitel, besonders bekannt aus Luthers Katechismus.

Hauptton, 1) im Akkord nach allgemeiner Terminologie s. v. w. Grundton (vgl. Dreiklang); doch ist nach neuerer Auffassung im Molldreiklang der oberste Ton H. (s. Klang). - 2) In der Tonart s. v. w. Tonika (s. d.). - 3) In der Melodiebildung der Gegensatz von Nebentönen oder Hilfstönen (Hauptnote), besonders bei Verzierungen und Vorhalten; der H. ist jederzeit der mit einer gewöhnlich großen Note ausgedrückte, während die Nebentöne durch kleine Nötchen oder durch Zeichen (tr., ^, ^ etc.) gefordert werden.

Haupt- und Staatsaktionen, Bezeichnung für eine Entwickelungsphase des deutschen volksmäßigen Schauspiels, welche zu Ende des 17. Jahrh. auftrat und bis gegen die Mitte des 18. Jahrh. die Bühnen beherrschte. Die H. wurden in der Regel nicht gedruckt, sondern waren im handschriftlichen Besitz der wandernden Schauspielertruppen damaliger Zeit. Sie bestanden bald in vollständig ausgeführten Schauspielen, bald in bloßen dramatischen Entwürfen oder in einem Mittelding zwischen beiden, indem einzelne Hauptszenen ganz dialogisiert niedergeschrieben, dagegen die übrigen dem Stegreifspiel vorbehalten waren, und rührten meist von den Führern der Gesellschaft her. Im übrigen waren sie größtenteils Nachbildungen fremder Stücke, besonders englischer und niederländischer, und behandelten, wie diese, vorzugsweise Stoffe aus der Geschichte und Sage des Altertums, selten vaterländische Gegenstände. Dabei war die ernste Handlung mit possenhaften Auftritten des Hanswurstes (Pickelherings, Harlekins) durchflochten oder von besondern burlesken Zwischenspielen unterbrochen, und die Roheiten und Greuel der "englischen Komödien" blieben darin herrschend. Der Name H. erklärt sich am einfachsten daraus, daß diese Stücke, in welchen "große, heldenmütige und tragische Handlungen" dargestellt wurden und durch Rang oder be-^[folgende Seite]