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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Haurowitz - Hausenblase.

Auch bearbeitete er Band 15 und 16 des Werkes "Gallia christiana" (1856-65), wofür ihm die Akademie wiederholt den Preis Gobert verlieh.

Haurowitz, Harry von, Mediziner, geb. 18. Dez. 1799 zu Schleswig, studierte von 1817 an in Kopenhagen Medizin, machte als Schiffsarzt auf der Korvette Diana 1821-22 eine Reise nach Westindien, beendete nach dieser seine Studien und trat 1825 in russische Dienste, fungierte sechs Jahre als Gouvernementsarzt im Gouvernement Saratow, wurde dann als Stabsarzt zum Kadettenkorps nach Zarskoje Selo berufen und kam als Leibarzt des Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch mit der Flotte in nähere Verbindung, deren Sanitätswesen er zu reformieren hatte. Er wurde Generalinspektor des Sanitätswesens der russischen Marine, trat 1864 in den Ruhestand, blieb aber noch in engern Beziehungen zur kaiserlichen Familie, siedelte später nach Wien über und starb 6. Juli 1882 in Gmunden. Er schrieb: "Topographisch-medizinische Beobachtungen über den südlichen Teil des saratowischen Gouvernements" (Petersb. 1836); "Übersicht über die Krankheiten und medizinischen Verhältnisse auf der russischen Ostseeflotte im Krieg von 1855"; "Kurze Anleitung für Marineärzte" (1858); "Die Armee und ihr Sanitätswesen" (1868); "Das Militärsanitätswesen der Vereinigten Staaten von Nordamerika während des letzten Kriegs" (Stuttg. 1866); "Erinnerungen an Korfu" (Wien 1869).

Haus, s. Wohnhaus.

Hausach, Stadt im bad. Kreis Offenburg, 243 m ü. M., an der Kinzig und an der Linie Offenburg-Singen der Badischen Staatsbahn, hat Zigarren-, Strohhut-, Strohwaren- und Klärspänefabrikation und (1885) 1403 meist kathol. Einwohner. Dabei die Ruinen einer großen, 1643 von den Franzosen zerstörten Burg und ein Eisenhammerwerk.

Hausapotheken, in Haushaltungen vorrätig gehaltene Zusammenstellung solcher Arzneimittel, welche bei leichten Erkrankungen benutzt zu werden pflegen oder in schweren Fällen zur ersten Hilfe vor Ankunft des Arztes dienen. In die H. gehören mithin die sogen. Hausmittel: abführende Salze, Sennesblätter, Rhabarber, Baldrianwurzel oder -Tinktur, Pfefferminzkraut, dann blutstillende Mittel, Verbandstoffe, Ammoniak, Hoffmanns Tropfen etc. Auch homöopathische H. sind vielfach zusammengestellt worden. Vgl. Hausmittel.

Hausarrest, die Gefangenhaltung einer Person im eignen Haus, kommt als Strafart nur noch beim Militär vor. Das Militärstrafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 20. Juni 1872 läßt den Stubenarrest als Strafe für Offiziere und höhere Militärbeamte zu mit der Bestimmung, daß derselbe von dem Verurteilten in dessen Wohnung zu verbüßen sei, daß der Verurteilte während der Dauer der Strafe seine Wohnung nicht verlassen, auch Besuche nicht annehmen dürfe, und daß gegen Hauptleute, Rittmeister und Subalternoffiziere die Strafvollstreckung in einem besondern Offiziersarrestzimmer angeordnet werden könne (geschärfter Stubenarrest).

Hausberg, Berg südöstlich von Jena, beim Dorf Ziegenhain, 326 m hoch, ehemals von drei Burgen: Greifberg, Kirchberg und Windberg, gekrönt, von deren einer sich noch ein Bergfried, der 22 m hohe, weithin sichtbare Fuchsturm, erhalten hat. Vgl. Ortloff, Die Hausbergsburgen bei Jena (Jena 1858).

Hausberge, Marktflecken im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Minden, an der Weser, oberhalb der Westfälischen Pforte (Weserscharte), 2 km von der Station Porta (Linie Braunschweigische Landesgrenze-Hannover-Osnabrück-Rheine der Preußischen Staatsbahn), hat Fabriken für Glas, Zigarren, Zement und (1885) 1393 meist evang. Einwohner. In der Nähe große Brüche von braun geädertem Sandstein, der zu Bauzwecken weithin verschickt wird.

Hausch (arab.), Landgut, Pachthof in Algerien.

Haus der Gemeinen (House of Commons), das engl. Unterhaus; H. der Lords (House of Lords), das Oberhaus; s. Großbritannien, S. 776.

Hausdiebstahl (Familiendiebstahl), eine innerhalb der Hausgemeinschaft verübte Entwendung. In schonender Rücksicht auf das Familienleben bestraft das moderne Strafrecht und namentlich auch das deutsche Reichsstrafgesetzbuch (§ 247) den Diebstahl und die Unterschlagung, welche gegen Verwandte oder Verschwägerte in auf- und absteigender Linie, Adoptiv- und Pflegeeltern und -Kinder, Ehegatten, Geschwister und deren Ehegatten, gegen Verlobte, Vormünder, Erzieher oder solche Personen, in deren Lohn und Kost sich der Delinquent befindet, begangen wurden, nur auf Antrag des Verletzten, während Diebstähle, welche von Verwandten aufsteigender Linie gegen Verwandte absteigender Linie oder von einem Ehegatten gegen den andern begangen wurden, straflos bleiben.

Hausen, s. Stör.

Hausen (Kloster-H.), Dorf im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Kissingen, hat ein ehemaliges Prämonstratenser-Nonnenkloster (um 1160 gestiftet, 1525 aufgehoben), eine Erziehungsanstalt für verwaiste Mädchen, eine ehemalige Saline, Mineralquellen, darunter die dem Kissinger Pandur ähnliche Theresienquelle und die an kohlensauren Gasen reiche Schönbornquelle, und (1885) 850 kath. Einwohner.

Hausenblase (Fischleim, Ichthyocolla, Colla piscium), die innere Haut der Schwimmblase verschiedener großer Fischarten aus dem Geschlecht der Störe. Die beste H. liefern der Osseter, der Sterlett, die Sewruga und der Hausen. Man schneidet die Blasen der Länge nach auf, reinigt sie sorgfältig, zieht im halb getrockneten Zustand die äußere Muskelhaut ab und bringt die innere weiße Haut in die Form von Blättern, indem man sie ausreckt, auf Bretter nagelt und in der Sonne trocknet. Bisweilen werden diese Blätter mit Hilfe von Maschinen in Fäden zerschnitten, auch durch Schwefel oder durch längeres Eingraben in Schnee gebleicht und in Ringel- oder Lyraform aufgerollt (Klammerhausenblase). Gute H. ist hornartig, gelblichweiß, bläulich schillernd, zäh, faserig, geruch- und geschmacklos, quillt in kaltem Wasser und wird undurchsichtig, löst sich fast vollständig in heißem Wasser und schwachem Spiritus und erstarrt zu einer durchsichtigen, farblosen Gallerte, wobei sie ihr 30faches Gewicht Wasser festhält. Beim Verbrennen gibt sie nur 0,5 Proz. Asche. Die meiste H. liefert Rußland (jährlicher Export 100,000 kg), und die beste ist die Astrachaner. Geringere H. wird aus dem Wels (Samovy-H.), aus dem Seehecht, Gadus merlucius (nordamerikanische H.), aus dem Fingerfisch, Polynemus plebejus (ostindische H.), aus Silurus Parkerii (brasilische, Cayenne-H.) gewonnen. Auch Haut, Magen und Därme des Störs werden auf H. verarbeitet (deutsche H.). Man benutzt H. zum Klären von Wein, Bier und Likören, ferner zum Leimen (obwohl sie vom Leim an Bindekraft übertroffen wird), zur Bereitung von Kitt für Glas und Porzellan, zum Appretieren seidener Zeuge, bei der