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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hauser

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Hauser.

Verfertigung künstlicher Perlen, um die Perlenessenz in der innern Höhlung der Perlen zu befestigen, zur Bereitung des Englischen Pflasters und Gelatinepapiers, in der Konditorei und in der Küche zur Darstellung von Gelees. Taucht man feine Drahtgitter in Hausenblasenlösung, so bleibt in jeder Masche ein feines Häutchen zurück, und nach dem Trocknen erhält man eine glasartige Scheibe, die, auf beiden Seiten mit Harzfirnis überzogen, statt des Horns in Laternen benutzt werden kann. Die Glanzgaze ist ein ähnliches Präparat mit Gaze. Übrigens wird die H. in der Technik immer mehr durch den Knochenleim verdrängt. Ein Surrogat der H., Ichthyocolle française, wird aus Blutfibrin bereitet und soll sich zum Klären von Wein und Bier eignen. Chinesische H., s. v. w. Agar-Agar.

Hauser, 1) Franz, Sänger und Gesanglehrer, geb. 12. Jan. 1794 zu Krasowitz bei Prag, war anfangs für den ärztlichen Beruf bestimmt, widmete sich aber nach dem Tod seines Vaters der Musik und bildete sich unter Tomascheks und Triebensees Leitung in der Komposition und im Kunstgesang aus. 1817 betrat er als Sarastro zu Prag die Bühne, wirkte dann hier sowie später an den Operntheatern von Wien, Leipzig und Berlin mit großem Erfolg bis 1846, wo er von König Ludwig I. nach München berufen wurde, um das dortige Konservatorium ins Leben zu rufen, welche Anstalt er dann als Direktor bis 1864 leitete. Im folgenden Jahr pensioniert, siedelte er erst nach Karlsruhe, 1867 aber nach Freiburg i. Br. über, wo er 14. Aug. 1870 starb. H. hat sich als Gesangspädagog Verdienste ungewöhnlicher Art erworben, von denen sowohl seine zahlreichen Schüler als sein aus reicher Erfahrung hervorgegangenes Unterrichtswerk "Gesanglehre für Lehrer und Lernende" (Leipz. 1866) Zeugnis ablegen. Als Komponist hat er sich durch ein- und mehrstimmige Lieder vorteilhaft bekannt gemacht. Vgl. Moritz Hauptmann, Briefe an Franz H. (Leipz. 1871, 2 Bde.). - Sein Sohn Moritz H., geb. 1827, gest. 1857 als Theaterdirektor zu Königsberg i. Pr., schrieb eine Oper, Lieder u. a.

2) Kaspar, der vielbesprochene Findling, dessen Geschichte noch heute in Dunkel gehüllt ist. Am Pfingstmontag (26. Mai) 1828 nachmittags kam auf dem Unschlittmarkt in Nürnberg ein junger Mensch in der Kleidung eines Bauernburschen und von ungeschickter Haltung auf einen Bürger zu und überreichte ihm einen Brief an den Rittmeister v. Wessenig. Zu diesem geführt und befragt, zeigte sich bald, daß er unbehilflich in Sprache und Benehmen und gänzlich unwissend war. Er antwortete auf alle Fragen: "von Regensburg" oder "ich woais nit"; doch schrieb er seinen Namen "Kaspar Hauser" in leserlichen Zügen. Den Ort seiner Herkunft wußte er nicht anzugeben. Er war wohlgewachsen, von zartem Gliederbau, hatte weiche Hände und Füße, welche neue Blutblasen zeigten, und sah gesund aus. Gegen alle Speisen und Getränke, außer trocknem Brot und Wasser, zeigte er anfangs Widerwillen; die gewöhnlichsten Gegenstände und Erscheinungen des Lebens schienen ihm unbekannt zu sein. Unter seinen Kleidungsstücken war ein Schnupftuch mit K. H. gezeichnet; außerdem hatte er einige geschriebene katholische Gebete bei sich. In dem mitgebrachten Briefe, "von der Bayerschen Gränz daß Orte ist unbenannt 1828", nannte sich der Schreiber desselben einen armen Tagelöhner und Vater von zehn Kindern und sagte, der Knabe sei ihm 7. Okt. 1812 vor die Thür gelegt worden; er habe ihn heimlich aufgezogen, nicht vor das Haus gelassen, aber Lesen, Schreiben und das Christentum gelehrt, ihn nun aber, die Reise nur bei Nacht fortsetzend, bis Neumarkt gebracht; derselbe wolle Reiter ("Schwolischeh") werden. In dem Brief lag ein angeblich von der Mutter mit lateinischen Buchstaben geschriebener Zettel, der aber offenbar von derselben Hand herrührte. Darin hieß es, daß sie, ein armes Mägdlein, den Knaben 30. April 1812 geboren habe, daß sein Name Kaspar und sein Vater, ehemals Chevau-leger beim 6. Regiment in Nürnberg, gestorben sei. H. wurde vom Magistrat in Nürnberg als ein verwahrloster, heimatloser Junge behandelt, und aus den angestellten Untersuchungen ergab sich nur so viel, daß derselbe von seiner Kindheit an, bloß mit einem Hemd und mit Hosen bekleidet, in einem engen Raum, worin er nicht einmal ausgestreckt liegen konnte, bei Wasser und Brot von einem Mann aufgezogen worden war, der ihn keinen Schritt ins Freie thun ließ und ihn notdürftig schreiben und lesen lehrte; das Spielen mit zwei hölzernen Pferden war lange Zeit seine einzige Beschäftigung gewesen. Doch waren Hausers Aussagen oft widersprechend und machten den Eindruck, als ob er aus Furcht mit der vollen Wahrheit zurückhalte. Anfänglich hatte man in dem Knaben einen Napoleoniden zu finden gemeint, sodann aber die Vermutung auf einen Grafen Arco herab gestimmt, der zu gunsten des einen Sohns den andern verstoßen haben sollte; noch andre brachten ihn mit einer Dame von hohem Rang in Ungarn in Verbindung. Das Aussetzen einer vom König bis auf 10,000 Gulden gesteigerten Prämie auf die Entdeckung der wahren Verhältnisse Hausers war ebenso fruchtlos wie die Bemühungen des Lords Stanhope und des Herrn v. Pirch, der H. mit nach Ungarn nahm. Am 18. Juli 1828 ward H. dem Professor Daumer in Nürnberg zur Erziehung übergeben; doch nahmen seine anfängliche Wißbegierde, sein erstaunenswertes Gedächtnis und die Schärfe seiner Sinne in dem Grad ab, in welchem sich der Kreis seiner Kenntnisse erweiterte, und seine Fortschritte waren nur gering. Auch zeigte er sich träge, verlogen, reizbar und eitel. Am 17. Okt. 1829 wurde er aus einer ungefährlichen Schnittwunde auf der Stirn blutend gefunden, die ihm nach seiner Aussage ein Mann mit einem ganz schwarzen Kopf, während er auf dem Abtritt war, durch einen Schlag beigebracht haben sollte. Alle Nachforschungen nach dem Thäter blieben fruchtlos. H. ward hierauf zu seiner Sicherheit in das Haus des Magistratsrats Biberbach gebracht und durch zwei Soldaten fortwährend bewacht. Bald darauf nahm ihn Lord Stanhope als Pflegesohn an und schickte ihn zu seiner weitern Ausbildung nach Ansbach. Hier arbeitete H. in einem Büreau des Appellationsgerichts, ohne sich durch Fleiß auszuzeichnen, und war fast vergessen, als sein Tod von neuem die Aufmerksamkeit erregte. Am 14. Dez. 1833, abends gegen 5 Uhr, kam H. nach heftigem Schneegestöber verwundet aus dem Hofgarten zurück und starb drei Tage darauf. Ein Unbekannter, sagte H. aus, habe ihn unter dem Vorwand, ihm Nachrichten über seine Herkunft mitzuteilen, in den Schloßgarten bestellt und ihm dort eine tiefe Stichwunde in die linke Seite beigebracht; auch habe er im Schloßgarten einen Beutel verloren. Der Beutel ward auf der bezeichneten Stelle, wo jedoch ungeachtet des frischen Schnees nur die Fußstapfen eines einzigen zu bemerken waren, gefunden und überbracht. Es fand sich darin ein Zettel folgenden Inhalts: "Kaspar H. wird euch ganz genau sagen können, woher ich komme, und wer ich bin. Um dem H. die Mühe zu