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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Häusser; Haußmann; Haussonville

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Häusser - Haussonville.

H. durch eine Hausseoperation, z. B. durch Verstärkung der Nachfrage, eignen Ankauf, Unterstützung der Käufer durch Darlehen (Lombard, Report), allenfalls auch durch verwerfliche Mittel, wie Verbreitung falscher Nachrichten u. dgl.; Haussier (Mineur, Spekulant à la H.), Käufer, also Spekulant auf das Steigen der Kurse, im Gegensatz zu Baissier (s. Baisse).

Häusser, Ludwig, deutscher Geschichtschreiber, geb. 26. Okt. 1818 zu Kleeburg im Unterelsaß, wohin sein Vater unter der französischen Herrschaft aus der Pfalz als Pfarrer versetzt worden war, wurde nach dessen frühem Tod (1820) von seiner Mutter in Mannheim erzogen und ging 1835 auf die Universität Heidelberg, um Philologie zu studieren. Die Bekanntschaft mit Schlosser wandte jedoch seine Vorliebe gleich anfangs den historischen Studien zu, so daß auch später zu Jena seine Studien zwischen Philologie und Geschichte geteilt blieben. Nachdem er in Heidelberg promoviert, kurze Zeit als Lehrer am Gymnasium zu Wertheim gewirkt und sich durch zwei Schriften: "Über die teutschen Geschichtschreiber vom Anfang des Frankenreichs bis auf die Hohenstaufen" (Heidelb. 1839) und die "Sage von Tell" (das. 1840), bekannt gemacht, ging er im Frühjahr 1840 nach Paris, arbeitete dort in Archiven und Bibliotheken und habilitierte sich im Herbst desselben Jahrs für Geschichte in Heidelberg. Eine Frucht seiner Forschungen in badischen und bayrischen Archiven war die "Geschichte der rheinischen Pfalz" (Heidelb. 1845, 2 Bde.), während deren Erscheinen er zum außerordentlichen Professor ernannt ward. An der 1846 beginnenden politischen Bewegung beteiligte er sich unter anderm in der Gelegenheitsschrift "Schleswig-Holstein, Dänemark und Deutschland" (Heidelb. 1846). 1847 in den Redaktionsausschuß für die "Deutsche Zeitung" gewählt, führte er seit Anfang 1848 mit Gervinus die Redaktion, deren technische Leitung vom März bis September 1848 ihm allein anheimfiel. Im November 1848 in die badische Zweite Kammer gewählt, verfocht er hier dieselben konstitutionellen und bundesstaatlichen Ansichten, deren Organ jene Zeitung war. Jedem gewaltsamen, revolutionären Beginnen abhold, blieb er der Mairevolution von 1849 fremd, trat 1850 wieder in die Kammer und nahm eine Wahl zum Unionsparlament in Erfurt an, wo er in glänzender Rede das preußische Unionsprojekt verteidigte. Der Gang der Dinge überhaupt wie auch die Überzeugung von der Erfolglosigkeit der konstitutionellen Bestrebungen in den kleinen Staaten und aller Versuche friedlicher Verständigung bewogen ihn jedoch, im Oktober 1850 die parlamentarische Laufbahn zu verlassen. Unterdessen war er aus Anlaß eines Rufs an die Universität Zürich 1850 zum ordentlichen Professor ernannt worden. Seine Erfahrungen während der Jahre 1848-49 legte er in den "Denkwürdigkeiten zur Geschichte der badischen Revolution" (Heidelb. 1851) nieder. Schon vorher hatte er "Lists gesammelte Schriften" (Stuttg. 1850-51, 3 Bde.) herausgegeben und mit einer Biographie desselben begleitet. Sein Hauptwerk, dem er vornehmlich seinen Ruf als Geschichtschreiber verdankte, war die "Deutsche Geschichte vom Tod Friedrichs d. Gr. bis zur Gründung des Deutschen Bundes" (Leipz. 1854-57, 4 Bde.; 4. Aufl. 1869), die erste auf gründlichem Studium der Archive, namentlich des preußischen, beruhende und erschöpfende Geschichte dieses Zeitraums, die sich durch glänzende Darstellung und edlen Patriotismus auszeichnet und H. wissenschaftliche Preise, hohe Ehren und Titel eintrug. Seit dem Wiederaufleben der deutschen Einheitsbestrebungen 1859 beteiligte sich H. auch wieder an der Politik. Durch seine bedeutende Rednergabe, seine reine Vaterlandsliebe errang er in der kleindeutschen Partei bald eine hervorragende Stellung, und auch in der badischen Zweiten Kammer, in welche er wieder eintrat, spielte er besonders in der kirchlichen Frage eine bedeutende Rolle. Auf dem deutschen Abgeordnetentag 1863 in Frankfurt trat er mit Erfolg gegen das österreichische Reformprojekt auf, das er auch in einer besondern Schrift: "Die Reform des deutschen Bundestags" (Frankf. 1863), bekämpfte. Daneben entfaltete er eine äußerst wirksame Thätigkeit als akademischer Lehrer; seine Vorlesungen zeichneten sich durch seltene Meisterschaft des Vortrags aus und erweckten in den zahlreichen Zuhörern echt patriotische Begeisterung. Um so schmerzlicher war sein unerwarteter Tod infolge eines Herzleidens, dem er 19. März 1867 erlag. Von seinen Schriften sind noch einige kleine Arbeiten zu nennen: "Karl, Freiherr vom Stein, eine Skizze" (2. Aufl., Leipz. 1861); "Zur Beurteilung Friedrichs d. Gr., Sendschreiben an Dr. Onno Klopp" (Heidelb. 1862); seine gesammelten kleinern Schriften, namentlich die wertvollen Aufsätze aus der Augsburger Allgemeinen Zeitung, sind nach seinem Tod (Berl. 1869-70, 2 Bde.) herausgegeben worden; ebenso sind von seinen Vorlesungen durch Oncken herausgegeben die "Geschichte der französischen Revolution, 1789-99" (das. 1868, 2. Aufl. 1877) und die "Geschichte des Zeitalters der Reformation, 1517-1648" (das. 1868, 2. Aufl. 1880). Vgl. Wattenbach, Ludwig H., ein Vortrag (Heidelb. 1867).

Haußmann (franz., spr. ößmann), Georges Eugène, Baron, Präfekt von Paris, geb. 27. März 1809 zu Paris, Sohn eines kaiserlichen Militärintendanten, war anfangs Zögling des Konservatoriums, wandte sich aber später der Advokatur zu. Unter Ludwig Philipp in der öffentlichen Verwaltung angestellt, fungierte er bis 1848 an verschiedenen Orten als Unterpräfekt. Die Februarrevolution beraubte ihn seiner öffentlichen Stellung; indes ward er von dem Präsidenten Napoleon 1850 wieder angestellt und erhielt die Präfektur des Departements Var, dann der Yonne und endlich der Gironde. Da er sich als zuverlässiger und geschickter Beamter bewährte, wurde er im Juni 1853 zum Seinepräfekten ernannt und zeichnete sich sowohl durch den Glanz und Luxus, wo es der Repräsentation von Paris galt, als durch die Energie, mit der er die Verschönerung der Hauptstadt durchführte, aus. Seine Bemühungen um Erweiterung der Straßen, um Anlegung von Boulevards durch und um die Stadt und von prächtigen Parken, um zweckmäßige Verteilung der Kasernen, um den Bau von Kloaken etc. bewirkte, daß Paris nicht bloß eine schöne, sondern auch eine gesunde Stadt wurde. H. verschafften die Bauten die Gunst Napoleons, der ihn zum Baron und Senator erhob; der Stadt Paris aber kosteten sie ungeheure Geldsummen (884 Mill. Frank), und Haußmanns Finanzwirtschaft, welche die Stadt mit einer großen Schuldenlast belud, erfuhr heftige Angriffe, so daß er Anfang 1870, als Ollivier Minister wurde, von seinem Posten abberufen wurde. Er ist jetzt Direktor des Crédit mobilier und war bis 1881 Mitglied der Deputiertenkammer, in welcher er zur bonapartistischen Partei gehörte. Vgl. Lan, Parallèle entre le marquis de Pombal et le baron de H. (Par. 1869).

Haussonville (spr. oßongwil), Joseph Othenin Bernard de Cléron, Graf von, franz. Politiker und Geschichtschreiber, Sohn des 1846 verstorbenen Pairs gleiches Namens, geb. 27. Mai 1809 zu Paris, trat