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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hausstelze; Haussteuer; Hausstock; Haussuchung; Haustein; Haustier-Garten; Haustiere

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Hausstelze - Haustier-Garten.

früh in die diplomatische Laufbahn und war Gesandtschaftssekretär in Brüssel, Turin und Neapel. 1842 in die Kammer gewählt, schloß er sich der Majorität an und zeichnete sich bei verschiedenen Gelegenheiten als Redner aus. Nach der Februarrevolution zog er sich in das Privatleben zurück und trat erst bei den Wahlen von 1869 wieder auf als Kandidat der Oppotion ^[richtig: Opposition] gegen das Kaisertum; doch wurde er nicht gewählt. Dagegen nahm ihn in demselben Jahr die Akademie als Nachfolger Viennets unter ihre Mitglieder auf. Nach dem deutschen Krieg widmete er sich mit großem Eifer der Ansiedelung ausgewanderter Elsässer und Lothringer in Algerien und gehörte zu den Führern der Revanchepartei in Frankreich. Seit 1878 lebenslängliches Mitglied des Senats, in dem er sich dem rechten Zentrum anschloß, starb er 28. Mai 1884. Außer vielen Artikeln historischen Inhalts in der "Revue des Deux Mondes" schrieb er folgende, auf tüchtigen Quellenstudien beruhende, geschmackvoll geschriebene Geschichtswerke: "Histoire de la politique extérieure du gouvernement français de 1830 à 1848" (Par. 1850, 2 Bde.); "Histoire de la réunion de la Lorraine à la France" (1854-59, 4 Bde.; 2. Aufl. 1860); "L'Église romaine et le premier Empire" (1868-70, 5 Bde.; 3. Aufl. 1870-71) und "Souvenirs et mélanges" (1878). Nach seinem Tod erschien "Ma jeunesse 1814-50. Souvenirs" (4. Aufl. 1886). - Seine Gattin Louise, Prinzessin von Broglie, Tochter des Herzogs Victor, geb. 1818, gest. 21. April 1882, machte sich durch mehrere Romane (darunter "Robert Emmet", "La jeunesse de lord Byron" und "Les dernières années de lord Byron") bekannt. Sein Sohn, Graf Gabriel d'H., geb. 21. Sept. 1843, war 1871-75 Mitglied der Nationalversammlung und gehörte zur Gruppe Lavergne des rechten Zentrums. Er schrieb: "C. A. Sainte-Beuve, sa vie et ses oeuvres ^[œuvres]" (1875); "Les établissements pénitentiaires en France et aux colonies" (1875, von der Akademie gekrönt); "L'enfance à Paris" (1879); "Études biographiques et littéraires" (1879) und "Études sociales: misère et remèdes" (1886).

Hausstelze, s. v. w. Bachstelze.

Haussteuer, s. Gebäudesteuer.

Hausstock, das Haupt einer Gruppe der Glarner Alpen, 3152 m hoch, scheidet die beiden Quellthäler der Linth und des Sernf (Kanton Glarus). Von seinen Firnflächen steigen mehrere Gletscher zu Thal, die größern nach der Graubündner Seite. Einer seiner vortretenden Trabanten ist der Kärpfstock (2797 m). Am Fuß beider liegt der durch den Bergsturz berühmte Ort Elm (s. d.).

Haussuchung (Perscrutatio domestica), die Durchsuchung einer Wohnung und andrer Räume eines Hauses durch die zuständige Behörde, um eines flüchtigen Verbrechers habhaft zu werden, oder um Beweismittel zur Überführung eines Beschuldigten zu erlangen. Die Anerkennung und der Schutz, welche der Staat dem Hausfrieden seiner Bürger zu teil werden läßt, mußten im modernen Strafprozeßrecht zu möglichster Beschränkung der H. und zu gesetzlicher Feststellung der Voraussetzungen, unter denen sie überhaupt statthaft ist, führen. In der Regel ist nur der Richter zur Anordnung der Vornahme einer H. befugt, nur bei Gefahr im Verzug auch die Staatsanwaltschaft und die Polizeibehörde. Die deutsche Strafprozeßordnung (§ 102-111) behandelt die H. als eine Unterart der Durchsuchung (s. d.).

Haustein, in der Technik übliche Bezeichnung für jeden gebrochenen Stein, welcher für Bauzwecke bearbeitet werden kann, also hauptsächlich Sand-, Kalkstein, Tuff und Granit.

Haustiere, diejenigen zahmen Tiere, welche der Mensch zu seinem Nutzen in seinen Wohnungen hält und erzieht. Ihre Zahl ist außerordentlich klein. Sie waren offenbar ursprünglich in wildem Zustand vorhanden und haben durch jahrhundertelange Einwirkung des Menschen ihre Nutzbarkeit in heutiger Vollkommenheit erlangt. In der Regel versteht man unter Haustieren hauptsächlich Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund, Katze und Federvieh. Manche H. sind nicht mit ihrer ganzen Existenz an den Haushalt des Menschen gebunden, wie z. B. der Elefant, welcher nicht gezüchtet werden kann, sondern jung eingefangen und gezähmt werden muß, während die H. im engern Sinn mit ihrer ganzen Existenz an den menschlichen Haushalt gebunden sind. Dahin rechnet man außer den genannten noch Büffel, Zebu und Yak, Kamel, Lama, Renntier, Maultier, Esel, Frettchen, Kaninchen, Meerschwein, Haushuhn, Puter, Pfau, Perlhuhn, vier Arten Fasanen, Taube und Turteltaube, Gans und Ente je in zwei Arten, Kanarienvogel (auch manche fremdländische Ziervögel), Biene in drei Arten, Kochenille und Seidenwurm mit Ailanthus- und Ricinusspinner. Die Möglichkeit, wild lebende Tiere zu Haustieren zu machen, beruht auf einer leichten und umfangreichen Variation ihrer physiologischen Eigenschaften, welche indes in hinreichendem Grad nur bei wenigen zoologischen Spezies vorkommt. Die wichtigsten H. sind schon in der vorhistorischen Zeit gezähmt worden; ihre Beziehungen zum Gedeihen der Menschheit waren seit jeher so innig, daß sie bei den alten Kulturvölkern unter den Schutz besonderer Gottheiten gestellt waren. Das älteste Haustier ist der Hund; die Wiederkäuer, Schweine und Pferde wurden erst später dienstbar gemacht. Nach Amerika und Australien sind die wichtigsten H. erst von Europa gebracht worden. Die Bedeutung der einzelnen H. für die Menschheit unterliegt großen Verschiedenheiten. In China gilt das Schwein, in Kleinasien das Schaf, bei den kriegerischen und nomadisierenden Stämmen der Mohammedaner und im asiatischen Rußland das Pferd als das wertvollste Haustier, während in Europa alle Arten in zweckmäßiger Verteilung gehalten werden. Vgl. Warburg, Die H. und ihre Behandlung (2. Aufl., Hamb. 1873); Wilckens, Grundzüge der Naturgeschichte der H. (Dresd. 1880).

Haustier-Garten, Hilfsmittel für den Unterricht in der Tierzuchtlehre, welches Jul. Kühn 1866 am landwirtschaftlichen Institut der Universität Halle geschaffen hat. Der H. soll nach der tierzüchterischen Seite ganz dasselbe darstellen, was der ökonomisch-botanische Garten für die Lehre vom speziellen Pflanzenbau ist. Wie hier die mannigfachsten Varietäten der Kulturpflanzen zur Anschauung gebracht und in ihrer Ausdauer und Nutzbarkeit geprüft werden, so soll der H. Repräsentanten möglichst zahlreicher Rassen der Haustiere in sich vereinigen, um dem Unterricht in der Rassenkunde und der speziellen Tierzuchtlehre das erforderliche Demonstrationsmaterial darzubieten, zugleich aber auch der tierzüchterischen Forschung den weitesten Spielraum zu gewähren. Der H. zu Halle vereinigt auf einem Flächenraum von nahezu 1 Hektar gegen 600 Tiere, welche die mannigfaltigsten und wichtigsten Rassen des Rindes, Schafes, Pferdes, Esels und andrer Haustiere in sorgfältig ausgewählten Originalexemplaren vertreten; der H. begünstigt die Erweiterung des Blickes für Rassengestaltung, die Schärfung des Beobachtungstalents und die Aneig-^[folgende Seite]