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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haut-Brion; Haut-de-chausse; Haut-dessus; Hautabschürfung; Hautain; Hautalge; Hautatmung; Hautbois; Hautboisten; Hautdrüsen

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Hautabschürfung - Hautdrüsen.

zu Grunde gehen, weil sie erfrieren; ihre Körpertemperatur sinkt nach dem Überfirnissen so bedeutend, daß ein weiteres Leben nicht mehr möglich ist. Der Tod ist die Folge einer bedeutend vermehrten Wärmeabgabe, welche auf eine starke Gefäßerweiterung in der überfirnißten H. zurückzuführen ist. Die Tiere gehen nicht zu Grunde, wenn man sie nach dem Überfirnissen in Watte einpackt und so die Wärmeabgabe beschränkt.

Die überaus wichtige Funktion der H. ist in zahlreichen Artikeln eingehend gewürdigt; über die H. als Sinnesorgane s. Tastsinn, Raumsinn, Ortssinn, Temperatursinn; über ihre Bedeutung als Wärmeregulator s. Tierische Wärme, als Respirationsorgan s. Atmung. Über die Funktion der Talgdrüsen s. Hauttalg, über die der Schweißdrüsen s. Schweiß.

[Hautpflege.] Die Hautpflege hat gegenüber der gesunden H. die Aufgabe, dieselbe rein zu erhalten. Tägliche Waschungen des Gesamtkörpers, durch welche die festen Bestandteile des eingetrockneten Schweißes, der Hauttalg und die abgestoßenen Oberhautzellen entfernt werden, sind für das Wohlbefinden und die Gesundheit von größtem Belang. Die Seife dient dabei zur Auflösung des fettigen Schmutzes auf der H., welcher dem Wasser allein trotzen würde. Daß die Reinlichkeit in direktem Verhältnis zur durchschnittlichen Gesundheit einer Bevölkerungsgruppe steht, ist statistisch erwiesen. Auch werden vielfache Hautkrankheiten, wie Weichselzopf, Erbgrind, Favus, Flechten etc., immer mehr aus den Kulturstaaten verdrängt. Daher sollte Sorge getragen werden für Einrichtung allgemein zugänglicher, d. h. billiger, Badeanstalten, deren sich namentlich auch die Arbeiter durchgängig zu bedienen hätten. In öffentlichen Anstalten, namentlich in Kasernen, Erziehungs- und Korrektionsanstalten u. dgl., sollten die Badeeinrichtungen am wenigsten vermißt werden. Der Wechsel der Leibwäsche ersetzt bis zu einem gewissen Grade das tägliche Bad des Gesamtkörpers. Die Leibwäsche saugt die Hautabsonderung in sich ein und hält Staub und Schmutz von der H. ab, namentlich auch dadurch, daß sie die H. trocken erhält. Wir schicken, wie Pettenkofer sagt, von Zeit zu Zeit unsre Leibwäsche an unsrer Statt in das Bad. Für diejenigen, welche eine zarte, durch Schmutz und Staub leicht entzündbare H. haben, wie die jüngern Kinder, sind tägliche Vollbäder kaum zu entbehren.

Die Ausdünstung der H., namentlich des Schweißes, muß durch die Leibwäsche und die Kleider nicht behindert werden, auch das Schuhwerk darf den Fuß nicht hermetisch abschließen, sondern muß eine gewisse Ventilation ermöglichen und nicht durch Lack, Gummi oder ähnliche Überzüge undurchlässig gemacht werden. Dieses an sich durchaus richtige Prinzip ist in neuerer Zeit Gegenstand lebhaftester Reklame geworden, seit Professor Jäger (Stuttgart) auf diesen Erfahrungen ein System höchst gewagter Hypothesen aufgebaut hat, nach denen fortdauernd gute und böse Dünste der H. entströmen und ebenso gute und böse Dünste von außen an den Körper herankommen. Auf einem Weg, dessen Logik von andern schwer zu kontrollieren ist, welche mit weniger feinen Geruchsnerven ausgestattet sind, kommt Jäger zu dem Schluß, daß nur wollenen Stoffen die Fähigkeit innewohnt, die schädlichen Dünste von der H. ausströmen zu lassen, während sie die guten zurückhält, und anderseits von außen her die wohlthätigen Gase aufzunehmen und die schlechten fern zu halten. Darauf basiert eine blühende Industrie von wollenen Unter- und Oberkleidern, Hemdkragen, Stiefeln, Kopfbedeckungen etc., welche von den Anhängern der Jägerschen Lehre erhalten wird und der leinenen Wäsche einen begeisterten Kampf bereitet. Daß das Tragen wollener Unterkleider namentlich für Personen, welche schroffen Temperaturwechseln ausgesetzt sind, sehr empfehlenswert ist, kann ohne Zweifel anerkannt werden; von den Hypothesen aber und von der Konsequenz gewissenhafter Verehrer des Wollregimes, welche z. B. nur Perlmutterknöpfe an den wollenen Hemdkragen dulden wollen, darf man wohl behaupten, daß sie der Phantasie der Erfinder mehr Ehre machen als der Kritik ihrer Nachahmer.

Hautabschürfung (Exkoriation, Schrunde) besteht darin, daß die Haut ihrer schützenden hornähnlichen Oberhaut beraubt und die Lederhaut somit freigelegt wird. Sie heilt einfach dadurch, daß der Verlust durch die nachwachsenden Oberhautzellen wieder ausgeglichen wird. Die H. entsteht teils durch anhaltendes Reiben der Haut, teils durch chemische und physikalische Reize, welche eine mit Blasenbildung und Abhebung der Oberhaut einhergehende Hautentzündung hervorrufen (z. B. Verbrühung, Blasenpflaster), sowie im Gefolge mannigfacher Hautkrankheiten.

Hautain (franz., spr. otäng), stolz, hochmütig.

Hautalge, s. Halymenia.

Hautatmung, s. Atmung, S. 17.

Hautbois (franz., spr. oboa), s. Oboe.

Hautboisten, s. Hoboisten.

Haut-Brion, s. Bordeauxweine.

Haut-de-chausse (Haut-de-chausses, franz., spr. o-d'-schoß), kurze, bis auf die Kniee gehende Hose.

Haut-dessus (franz., spr. o-d'ßü), hoher Sopran.

Hautdrüsen, diejenigen Drüsen, welche dem Gebiet der äußern Haut (s. d.) angehören. In ihrer einfachsten Form wird jede von einer einzelnen Zelle gebildet, welche sich von den übrigen Hautzellen durch ihren Inhalt, meist auch durch ihre Form unterscheidet und ihre Absonderung durch eine Öffnung nach außen entleert. So finden sie sich als sogen. Schleimzellen und Becherzellen bei Wirbeltieren und Wirbellosen häufig vor, vereinigen sich auch wohl zu Gruppen mit dicht nebeneinander gelegenen Mündungen. Ferner treten viele Zellen zu einer einzigen Drüse in der Art zusammen, daß sie in die tiefern Körperschichten hineinwachsen und so einen mehr oder weniger langen Schlauch bilden; dann sind gewöhnlich nur die in der Tiefe gelegenen bei der Absonderung thätig, während die obern lediglich den Ausführungsgang begrenzen. Endlich kann sich die Drüse auch in verschiedener Weise verzweigen (zusammengesetzte schlauch- oder traubenförmige Drüse, s. auch Drüse). Nach der Beschaffenheit der Abänderung unterscheidet man folgende Arten H.: 1) Schleimdrüsen; 2) Fettdrüsen, welche Fett in irgend einer Form ausscheiden; hierher gehören die Wachsdrüsen der Insekten (Bienen, gewisse Cikaden etc.), die Öldrüsen der Vögel (Bürzeldrüse), die Talgdrüsen (s. unten) der Wirbeltiere, die Milchdrüsen (s. d.) der Säugetiere; 3) Schweißdrüsen (s. unten); 4) Giftdrüsen (z. B. bei Spinnen, Skorpionen); 5) Spinndrüsen (bei Spinnen, Schmetterlingsraupen etc.). Als H. im weitern Sinn bezeichnet man diejenigen Drüsen, welche der Haut schlechtweg angehören, also auch die Speicheldrüsen, welche sich auf der Schleimhaut des Mundes, die Labdrüsen, welche in gleicher Weise sich im Magen öffnen, die Malpighischen Gefäße (Nieren) der Insekten etc. Auch die Nieren der Wirbeltiere sind höchst wahrscheinlich einmal H. gewesen, stehen aber nicht mehr mit der Haut im Zusammenhang. Was speziell die H. der Wirbeltiere betrifft,