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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Havelberg; Havelland; Havelock

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Havelberg - Havelock.

luch). Bei Spandau verstärkt sie sich links durch die Spree, bei Potsdam links durch die Nuthe, unterhalb Brandenburg (gleichfalls links) durch die Plane, während aus dem Plauer See der Plauesche (in der Fortsetzung Ihle-) Kanal zur Elbe führt. Die größten Zuflüsse der H. auf der rechten Seite sind der Rhin und die Dosse. Eine bedeutende Abkürzung hat die Schiffahrt auf der H. durch die Anlage des Sakrow-Paretzer Kanals (17 km lang), der die große Krümmung des Flusses bei Potsdam abschneidet, erfahren. Längs der Ufer der H. gibt es von Oranienburg abwärts zahlreiche Ziegeleien, die teils den Thon der Niederung (Rathenower Mauersteine), teils den der angrenzenden Hügel verarbeiten. Das Gebiet der H. ist 26,319 qkm (478 QM.) groß und umfaßt mit Ausnahme der Quellregion der Spree nur Tiefland. S. Karte "Brandenburg".

Havelberg, alte Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westpriegnitz, an der Havel, 9 km vom Bahnhof Glöwen (Linie Berlin-Buchholz der Preußischen Staatsbahn), hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, 2 evang. Kirchen (darunter die schöne Domkirche, eine dreischiffige, gotische Pfeilerbasilika mit reichem Chorbau), ein Realprogymnasium, Zuckerraffinerie, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Schiffbau, Schiffahrt und (1885) mit der Garnison (1 Infanteriebataillon Nr. 24) 6936 meist evang. Einwohner. - H. wird bereits 946 als Stadt genannt; später eine wichtige Festung, wurde es im Dreißigjährigen Krieg 1627 von den Kaiserlichen, 1631 und 1636 von den Schweden erobert und litt 1870 durch eine große Feuersbrunst. Hier fand im November 1716 eine Zusammenkunft zwischen Zar Peter und König Friedrich Wilhelm I. von Preußen statt, um über gemeinsame Maßregeln gegen Schweden zu beraten. - Der Sprengel des ehemals reichsunmittelbaren Bistums H., im obersächsischen Kreis des Deutschen Reichs, umfaßte die Priegnitz und einen Teil der Ukermark und gehörte zum Erzbistum Magdeburg. Der Bischof war Reichsfürst und besaß ein Gebiet am rechten Elbufer; seine Residenz war meist in Wittstock. Das Bistum wurde 946 von König Otto I. gegründet und bestand bis zur Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg. 1548 nach dem Tode des letzten Bischofs, Busso II., kam das Ländchen unter brandenburgische Verwaltung und wurde 1598 eingezogen. Das protestantische Domkapitel bestand noch bis 1819.

Havelland, alte Landschaft im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, besteht im wesentlichen aus der Stadt Potsdam und den jetzigen Kreisen West- und Osthavelland, jener mit der Kreisstadt Rathenow, dieser mit der Kreisstadt Nauen, ist 2530 qkm (45,8 QM.) groß und bildet eine Insel, indem es im O., S. und W. von der Havel begrenzt wird, während im N. der Rhin mit dem Ruppiner Kanal den Abschluß bildet. Mit Ausnahme einer kurzen Strecke vom Rhin ist diese Wassergrenze auch schiffbar. Die Oberfläche des Landes zeigt eine mannigfaltige Abwechselung von meist sandigen Hügelflächen (bis 125 m hoch) und sehr niedrig gelegenen Wiesengründen (30-35 m Meereshöhe); fruchtbares Ackerland gibt es in der Mitte (Nauen). Einige Hügel unweit der Havel gewähren weite Umsichten (Ruinen- und Pfingstberg bei Potsdam, Marienberg bei Brandenburg). Etwa in der Mitte wird das H. von O. nach W. in einer Breite von 8-12 km von einem tiefen Bruchland, dem Havelländischen Luch, durchzogen, das, ehedem fast ungangbar, 1718-24 unter Friedrich Wilhelm I. entwässert wurde. Die Kanäle und Gräben, unter denen der 75 km lange (15 km schiffbare) Große Hauptkanal und der 26 km lange Kleine Haupt- oder Friesacker Kanal, die zu diesem Zweck angelegt wurden, haben eine Länge von 532 km. Gegenwärtig enthält das Luch vorzugsweise Wiesen-, dann Ackerland; auch der Torfstich ist von Wichtigkeit, der jedoch in noch viel größerm Maß im Rhinluch, mit dem das Havelländische Luch zwischen Friesack und Fehrbellin in Verbindung steht, betrieben wird (s. Rhin). - Die Geschichte des Havellandes ist mit der Urgeschichte des brandenburg-preußischen Staats aufs engste verwachsen. Die dort wohnenden Heveller (s. d.) wurden erst im 12. Jahrh. von Albrecht dem Bären unterworfen. Beim Beginn der Herrschaft der Hohenzollern (1411) war das H. vermöge seiner sehr geschützten Grenzen (s. Havel) ein großes Bollwerk für den widerstrebenden Adel, der erst nach dem Fall von Friesack (1414) sich beugte. Vgl. Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 3 (2. Aufl., Berl. 1880).

Havelock (engl.), Art Mantel oder Überwurf, nach dem englischen General dieses Namens benannt.

Havelock (spr. häww'lock), Sir Henry, brit. General, geb. 5. April 1795 zu Bishopswearmouth in Durhamshire, widmete sich anfangs dem Studium der Rechte, trat aber schon 1815 als Unterleutnant in die Jägerbrigade. 1823 ging er mit einem Infanterieregiment nach Indien, nahm 1824 am Birmanenkrieg in der Armee Sir Archibald Campbells als Vizeassistent des Generaladjutanten sowie an den Friedensverhandlungen mit dem Hofe von Ava teil und beschrieb jenen Krieg in seiner "History of the Ava campaigns" (Lond. 1827). 1838 ward er zum Hauptmann ernannt, machte mit seiner Kompanie den ersten Feldzug gegen die Afghanen mit und nahm an der Erstürmung von Ghasni und der Eroberung Kabuls (1839) teil. Er berichtete über diesen Krieg in dem "Memoir of the Afghan campaign" (Lond. 1841). Bei dem Angriff auf Mohammed Akbar (April 1842) befehligte er die siegreiche rechte Kolonne und wurde dafür zum Brevetmajor ernannt. Bald nachher ward er dem General Pollock als persischer Dolmetsch beigegeben. Im Frühjahr 1843 wurde er wirklicher Major, nahm unter General Gough an dem Zug nach Gwalior teil und focht bei Maharadschpur mit. 1844 zum Oberstleutnant befördert, zeichnete er sich in den Feldzügen gegen die Sikh aus und wurde hierauf zweiter Generaladjutant der königlichen Truppen in Bombay. 1849 kehrte er aus Gesundheitsrücksichten nach Europa zurück, war aber schon 1851 wieder in Bombay, wo er zum Obersten, dann zum Generalquartiermeister, hierauf zum ersten Generaladjutanten der britischen Truppen in Indien ernannt ward. 1856 in dem persischen Krieg befehligte er die 2. Division und beteiligte sich an der Expedition nach Mohammerah. Nach dem Ausbruch des indischen Aufstandes übernahm er als Brigadegeneral in Allahabad das Kommando der beweglichen Kolonne, mit welcher er den kühnen Zug von Amballah nach Khanpur und Lakhnau ausführte und in drei rasch aufeinander folgenden Gefechten Nana Sahib, den Mörder der Besatzung von Khanpur, schlug. Er wurde dafür zum Generalmajor und Kommandeur des Bathordens ernannt, starb aber schon 25. Nov. 1857 in Alum Bagh bei Lakhnau an der Ruhr, einen Tag früher, als seine Erhebung zum Baronet veröffentlicht ward. Sein Titel ging auf seinen Sohn, den Obersten Sir Henry Marshman H., geb. 6. Aug. 1830, über. Vgl. Brock, Biographical sketch of Sir Henry H. (12. Aufl., Lond. 1882); Marshman, Memoirs of Sir H. (4. Aufl., das.