Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hegel

280

Hegel (Georg Wilhelm Friedrich).

bewußten, zum "Geist" und zwar, da sie absolute Vernunft ist, zum "absoluten Geist" zu erheben, ist die Aufgabe des Weltprozesses; die Entäußerung derselben von ihrem ursprünglichen Dasein als logische Idee ("Gott vor Erschaffung der Welt") zu ihrem "Anderssein" als Natur und die schließliche Selbsterfassung ihrer selbst als des einzigen wahren Wirklichen, was und wie es an sich selbst ist, sind die Stadien des Weltprozesses.

Die drei sich daraus ergebenden Teile des Systems sind: 1) die Logik, welche die Vernunft oder "Idee" in ihrem "An-sich-sein", 2) die Naturphilosophie, welche dieselbe in ihrem "Anderssein", und 3) die Geistesphilosophie, welche sie in ihrem "An-und-für-sich-sein" umfaßt. Erstere macht das eigentlich Neue der Philosophie Hegels aus; Fichte hatte die Vernunft nur als Wesen der Geschichte, der bewußt thätigen, Schelling als jenes der Natur, der unbewußt thätigen Vernunft, dargestellt; H. unternahm es, den Inhalt der unthätigen (ruhenden) Vernunft vor ihrer Entäußerung zur Natur und Selbsterfassung als Geist darzustellen. Da die Vernunft ihm zugleich als einziges Seiendes gilt, so nimmt die Inhaltsangabe derselben zugleich die Form einer solchen des letztern an und fällt seine Logik mit dem, was sonst Metaphysik oder Ontologie genannt worden, zusammen. Statt aber, wie Aristoteles, die allgemeinsten Arten des Seins oder (was hier, da Vernunft [Denken] und Sein eins sind, dasselbe bedeutet) die höchsten Gattungsbegriffe (Kategorien, s. d.) "empirisch" aufzuraffen oder, wie Kant, dieselben aus der Tafel der Urteilsformen zu deduzieren, sollen dieselben (und damit der Inhalt des Denkens wie des mit ihm identischen Seins) durch dieselbe Methode notwendiger Fortbewegung gewonnen werden, welche den Fortschritt der Idee vom An-sich-sein zum Anders- und An-und-für-sich-sein bedingt. Diese, die dialektische Methode besteht darin, daß jedes Gesetzte in sein Gegenteil "umschlägt" und beide, Gesetztes und Entgegengesetztes, sich zu einem Dritten als "höherer Einheit" vereinigen. Diese Methode, nach welcher nicht nur die logische Idee selbst in ihr Gegenteil, die Natur, umschlägt und sich mit dieser zum Geist als "höherer Einheit" zusammenfaßt, sondern auch jeder Teil des Inhalts der Vernunft (jedes "Moment der logischen Idee") sein Gegenteil aus sich erzeugt und sich mit diesem zu einem "Höhern" vereinigt, macht jenes von Kant angestrebte "Inventar der reinen Vernunft", d. h. die Explizierung des in der logischen Idee implizite enthaltenen Vernunftgehalts, möglich, welcher, da die Natur nur das Anderssein der Idee ist, zugleich der Vernunftgehalt der Natur und, da der Geist die höhere Einheit beider repräsentiert, zugleich in diesem enthalten ist. Kants grandioses Vorhaben, den Inhalt der Vernunft auszuschöpfen, ist durch die Hegelsche Logik buchstäblich auszuführen versucht worden. Da durch den Wegfall des Dinges an sich jede nicht idealistische Erkenntnisquelle beseitigt, das Denken (wovon Kant freilich ebensowenig wie vom Idealismus etwas wissen wollte) das einzige Sein ist, so bleibt, wenn dasselbe gelingt, eigentlich nichts zu thun übrig; das an sich mögliche Wissen (die Totalität des Wißbaren) ist erreicht (nicht, wie der für das menschliche Erkennen Grenzen steckende Kritizismus meinte, subjektiv, sondern objektiv). In diesem Sinn darf Hegels Logik sich allerdings rühmen, die höchste denkbare Aufgabe sich gestellt zu haben. Um sie zu lösen, stellte H. den denkbar unbestimmtesten Begriff, das "Sein", welches sonst nichts und daher identisch mit "Nichts" ist, an den Anfang, um es in dieses sein Gegenteil "umschlagen" und beide als identisch sich in der "höhern Einheit" des "Werdens" aufheben zu lassen. In diesem sind Sein und Nichts "aufgehoben" in dem charakteristischen Doppelsinn, durch dasselbe beseitigt und in demselben aufbewahrt zu sein; das unbestimmteste Sein ist als Schlußresultat des abgelaufenen Prozesses ein bestimmteres geworden als "Dasein" (Hier- oder Jetzt- oder Dies-sein), welches als dieses ebensosehr die positive Bejahung eines (allerdings noch ganz unbestimmten) Inhalts wie die Verneinung eines andern (seinerseits ebenso unbestimmten), also zugleich etwas an sich (Endliches) wie begrenzt durch ein andres (Ganzes) ist, welche Antithesen zu einer neuen Synthesis und zwar, da Endliches immer wieder von Endlichem begrenzt wird, zur endlosen Endlichkeit, d. h. zur (wahren) Unendlichkeit (im Gegensatz zur sogen. "schlechten", durch das Endliche begrenzten, also nicht unendlichen Unendlichkeit), führen. Dieselbe, die "Wahrheit des Daseins" und des in das letztere "aufgelösten" Seins, stellt als unaufhörliches Sichverendlichen das beständige Sichverwandeln, d. h. als Resultat des zweiten abermals das des ersten Prozesses, das Werden, dar, nur mit dem Unterschied, daß es ein bestimmtes, ein Sich-in-sich-selbst-bestimmen (Qualieren) ist, dessen Resultat (wie oben aus dem ersten Werden das Dasein, so aus dem zweiten das Für-sich-sein, die unendliche Beziehung auf sich selbst ist, durch welche das Für-sich-seiende als Eins (als alles andre von sich ausschließende Einfachheit), das ursprünglich ganz unbestimmte Sein näher bestimmt als Qualität erscheint. Im weitern Verlauf des dialektischen Prozesses reihen sich an die Qualität Quantität und Maßprozeß, womit der erste logische Cyklus, die Sphäre des Seins, vollendet und dessen Resultat, das Wesen, gesetzt ist. Die Lehre von diesem bildet den zweiten, jene vom Begriff, unter welchem von H. etwas ganz andres als die gewöhnlich mit diesem Wort bezeichnete abstrakte und inhaltslose Gedankenform verstanden wird, den dritten Teil der Logik. Unter Begriff versteht H. die Einheit der drei Momente der Allgemeinheit (des Genus), des Besondern (der Art) und des Einzelnen (des definierten Gegenstandes selbst); derselbe im engern Sinn (rein seiner Form nach betrachtet) gibt die formale (richtiger subjektive) Logik, welche zeigt, wie der Begriff sich zum Urteil dirimiert und im Schluß wieder zur Totalität seiner Momente zusammengeht. Durch das "notwendige" Umschlagen des bloß Subjektiven in das bloß Objektive entsteht die "Lehre vom Objekt", in welcher der Inhalt der sogen. objektiven Logik, der Sein- und Wesenlehre, unter einem "höhern" Gesichtspunkt wiederkehrt, und welche in "Mechanismus, Chemismus und Teleologie" verläuft. Synthese dieser beiden, d. h. als Identität der Subjektivität und Objektivität, ist der Begriff nunmehr als Idee, d. h. als höchste Wahrheit, in der alle andern niedern Standpunkte der Logik aufgehoben sind, die aber, wie jede andre Synthesis, da sie die Stelle der ersten derselben, des Werdens, einnimmt, nichts weniger als Ruhe, Neutralisierung der beiden Seiten (der Subjektivität und Objektivität, Unendlichkeit und Endlichkeit, des Denkens und Seins), sondern vielmehr wesentlich Unruhe, Prozeß ist. Dieselbe ist, dem allgemeinen Schema des Objektiven, Subjektiven und Subjektiv-Objektiven als Identität beider Momente entsprechend, zuerst als bloße Realität, Leben, sodann als deren Gegenteil, Idealität (Tod, d. h. Aufhebung und Umsetzung der Realität in Idealität), Erkennen (und zwar als theoretischer Prozeß,