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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heilige Kriege - Heiligen Geists-Orden.

Kind umgeben. Die ausgezeichnetsten Darstellungen dieser Art sind von Leonardo da Vinci, Raffael, Giulio Romano, Andrea del Sarto und Murillo. Ersterer läßt den Joseph meist weg, gibt aber dafür die heil. Anna und den kleinen Johannes mit seinem Lamm oder auch Engelsfiguren bei, wie er auch die Gestalten von einer dunkel gehaltenen landschaftlichen Umgebung sich abheben läßt, wie z. B. in der Vierge aux rochers. Raffael hat die mannigfaltigsten Darstellungen dieser Art geschaffen; auf der Grenze des bloßen Madonnenbildes stehen seine Belle jardinière und seine Madonna del Cardellino, wo außer Maria nur die beiden Kinder Christus und Johannes dargestellt sind; dann folgt die h. F. in der Münchener Pinakothek, welche, in symmetrischer Gruppe die beiden Kinder von ihren halb sitzenden, halb knieenden Müttern gehalten und den auf einen Stab gestützten Joseph darstellend, als Haupttypus dieses Genres gelten kann. Das Höchste in diesem Darstellungskreis erreicht Raffael in der großen Madonna Franz' I. (im Louvre) in völlig freier, geistreicher Auffassung. Bezeichnend ist es für die mittelalterliche Auffassung der Maria, daß Joseph immer als betagter, oft fast grämlicher Mann neben der hohen jugendlichen Schönheit der Gottesmutter erscheint.

Heilige Kriege, in der Geschichte des alten Griechenland die nach Amphiktyonenrecht zum Schutz des Apollonheiligtums zu Delphi und seiner Besitzungen gegen räuberische Nachbarn geführten Kriege (vgl. Amphiktyonen). Den ersten Heiligen Krieg führten Athen und der Tyrann Kleisthenes von Sikyon 600-590 v. Chr. gegen Krissa, welches Pilgerscharen belästigt hatte; er endete mit Zerstörung dieser Stadt, und zur Feier des Siegs wurden die Pythischen Spiele erneuert. Der zweite wurde 448 von den Spartanern gegen Phokis unternommen; dieser Heilige Krieg wird aber oft nicht mitgezählt. Der dritte (zweite) dauerte von 355 bis 346 und wurde von den Thebanern veranlaßt, um unter dem Vorwand des Schutzes Delphis und unter der Autorität der Amphiktyonen die Phoker, die einer Grenzverletzung beschuldigt wurden, zu unterjochen. Diese raubten aus dem Tempelschatz 10,000 Talente, verteidigten sich mit hartnäckiger Tapferkeit und wurden erst überwunden, als sich Philipp von Makedonien mit den Thessaliern und Thebanern verbündete. Den vierten oder dritten (339-338) führte König Philipp im Auftrag der Amphiktyonen gegen das der Verletzung von Tempelgebiet angeklagte Amphissa, das 338 zerstört wurde.

Heiligelinde, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Rastenburg, mit 330 Einw., berühmt durch das nahe dabei im Wald gelegene gleichnamige Kloster, den Hauptwallfahrtsort der Provinz, mit einer prächtig ausgestatteten Kirche.

Heilige Nacht, s. v. w. Weihnachten (s. d.); in der Malerei allgemeine Bezeichnung für die Darstellung der Geburt Christi im Stall zu Bethlehem, insbesondere für ein in der Dresdener Galerie befindliches Gemälde von Correggio.

Heiligenbeil, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, an der Jarft und der Linie Dirschau-Seepothen der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine landwirtschaftliche Schule, Pflug- und Maschinenfabrikation und (1885) 3554 meist evang. Einwohner.

Heiligenberg, Hauptort der dem Fürsten von Fürstenberg gehörigen Grafschaft H., 204 qkm (3,7 QM.), und besuchter Luftkurort im bad. Kreis Konstanz, 723 m hoch, auf dem Rande der nach S. steil abfallenden Linzgauer Berge gelegen, hat (1885) 733 kath. Einwohner, ein schönes Schloß des Fürsten von Fürstenberg mit reichgeschmückter Kapelle und schöner Fernsicht auf die Berge des Hegaues, den Schwarzwald, Bodensee und die Alpen.

Heiligenbilder, im katholischen Kultus Bilder, Statuen und Gruppen von Heiligen sowie alle feierlich geweihten Bilder, welche durch die empfangene Weihe Gegenstand der Verehrung werden.

Heiligenblut, Dorf im österreich. Herzogtum Kärnten, Bezirkshauptmannschaft Spital, eins der höchst gelegenen Alpendörfer (1404 m), an der Möll, am Fuß des Großglockners, hat eine schöne gotische Kirche (aus dem 15. Jahrh.) und 173 (als Gemeinde 1018) Einw. Unfern mehrere imposante Wasserfälle (Möllfall, Gößnitzfall, Leiterfall, Jungfernsprung u. a.). H. wird als Ausgangspunkt für den Besuch des Pasterzengletschers und für die Besteigung des Großglockners viel besucht. Nördlich führen Übergänge ins Fuscher Thal (Fuscher Thörl und Hochthor 2572 m) und ins Rauristhal (Heiligenbluter Tauern 2616 m). Der Name H. rührt von einem Fläschchen mit dem Blut Christi her, welches der heil. Briccius in der Nähe in einer Höhle (jetzt Bricciuskapelle) verwahrt haben soll.

Heiligendamm, Seebad, s. Doberan.

Heiligen Geists-Insel, s. v. w. Espiritu Santo-Insel.

Heiligen Geists-Orden, 1) (Orden der Hospitalbrüder des Heiligen Geistes von Montpellier und Santa Maria di Sassia in Rom) von Guido von Montpellier für Hospitalritter unter St. Augustins Regel gestiftet, 1198 von Papst Innocenz III. bestätigt, der Guido 1204 zur Übernahme des Hospitals Sanctä Mariä in Saxia nach Rom berief. Sie wurden 1700 in reguläre Chorherren verwandelt. -

2) (Orden vom Heiligen Geist) vormals der erste Orden Frankreichs und einer der angesehensten Europas, wurde im Dezember 1578 von Heinrich III. zum Dank für die Wohlthaten gestiftet, die ihm an drei Pfingsttagen geworden, indem er an Pfingsten 1551 zur Welt kam, 1573 König von Polen, 1574 König von Frankreich wurde. Der Orden bestand aus 100 Rittern ("Kommandeuren"). Die Aufzunehmenden mußten 36 Jahre alt, katholisch und in vier Generationen adlig sein. Das Ordenszeichen war ein goldenes, weiß emailliertes Kreuz mit acht Knöpfen und Lilien in den vier Winkeln. Auf dem Avers des grün emaillierten Mittelschildes war eine silberne Taube, auf dem Revers der heil. Michael. Die Devise ist: "Duce et auspice". Der Orden wurde an breitem himmelblauen Bande (daher le cordon bleu) getragen, außerdem ein Stern, ähnlich dem Avers des Kreuzes, auf der Brust; die Geistlichen trugen ihn um den Hals. Der Orden blühte bis zur französischen Revolution; der Nationalkonvent hob ihn auf, und auch Napoleon I. stellte ihn nicht wieder her. Erst Ludwig XVIII. gab ihm 1814 seinen frühern Glanz wieder. Seit der Revolution von 1830 ward er nicht mehr verliehen. -

3) (Hospitaliter- und Hospitaliterinnenbrüderschaften zum Heiligen Geist in Frankreich) 1254 gestiftete Orden, wurden als weltliche Vereine dem Orden des Heiligen Geistes von Montpellier beigesellt. Die wegen ihrer weißen Tracht vom Volk gewöhnlich weiße Schwestern genannten Hospitaliterinnen wirken noch gegenwärtig in großer Anzahl für Erziehung der Mädchen, Kranken- und Armenpflege etc. -

4) (Missionspriesterverein zum Heiligen Geist) für Seminare, Missionsdienst und Spitalpflege, wurde 1700 von Abbé Desplaces und Vincent le Barbier in Frank-^[folgende Seite]