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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heilige Schrift - Heilmann.

nichtet wurde (s. Griechenland, S. 709). Auch die von Napoleon I. auf seinem Rückzug aus Rußland (1812) zum Schutz seiner Person gebildete Leibwache von 500 Kavallerieoffizieren unter Führung von Grouchy und Sébastiani führte den Namen H. S. (Escadron sacré).

Heilige Schrift, s. Bibel.

Heiliges Feuer (Feuer des Altars oder ewiges Feuer), bei den Hebräern ein auf dem Brandopferaltar beständig unterhaltenes Feuer, mit welchem man alle Opfer anzündete, im Gegensatz zum fremden, gemeinen Feuer, welches das Heiligtum entweihte. Es soll von dem bei Weihung der Stiftshütte und des Tempels vom Herrn ausgegangenen Feuer (3. Mos. 9,24) genommen worden sein und mußte täglich unterhalten werden. Im zweiten Tempel stellte es Nehemia angeblich durch einen Überrest des im ersten Tempel gewesenen wieder her (2. Makk. 1,18). Ähnliche heilige Feuer finden sich auch in heidnischen Kulten, z. B. bei dem Dienste der Vesta.

Heiliges Feuer, Krankheit, s. Antoniusfeuer.

Heiliges Grab, der Ort in Jerusalem, wo Jesus während seines Todes lag. Das Neue Testament erzählt, daß dieses Grab in einen Felsen gehauen sei und außerhalb der Stadt in einem Garten gelegen habe; daß aber der Ort, welcher jetzt dafür angesehen wird, auch wirklich jener Stätte entspricht, ist bis jetzt nicht nachgewiesen. Erst Helena, die Mutter Konstantins d. Gr., ließ, nachdem sie angeblich das Kreuz Christi gefunden hatte, 326 die erste Kirche zum Heiligen Grab erbauen (s. Jerusalem). Von jener Zeit an datieren die Wallfahrten dahin, deren Erschwerung durch die Mohammedaner die Kreuzzüge veranlaßte. Von frommen Wallfahrern wurden im Abendland an geweihten Orten Nachbildungen des angeblichen Heiligen Grabes in Jerusalem errichtet; eine der bekanntesten und umfangreichsten hat sich in Görlitz erhalten (halbes Zehneck mit viereckigem Vorbau).

Heiliges Herz Jesu (Sacré-coeur ^[Sacré-cœur]), ein Kultusgegenstand in der katholischen Kirche, dogmatisch allerdings nicht unbestritten, namentlich von der Synode von Pistoja 1786 verworfen. Aber bereits hatte sich das katholische Volk, besonders an manchen Orten Frankreichs, wo Marie Alacoque (s. d.) dafür geschwärmt hatte, dieser Andacht ergeben. Jetzt nahmen sich die Jesuiten derselben an, und selbst die Päpste rechtfertigten sie aus dem Dogma von der Menschheit Christi. Ein Herz Jesu-Fest (s. d.), ward 1765 gestattet und wird bis auf den heutigen Tag vielfach gefeiert. Nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war, suchte er seine Fortexistenz unter anderm auch unter dem Namen einer Gesellschaft des heiligen Herzens Jesu (s. d.) zu fristen, welcher ein weiblicher Orden zur Seite trat (s. Paccanaristen). Neuerdings endlich wurde das heilige Herz Jesu ein Aushängeschild für die politische Agitation in Frankreich, welches Land in einer jener Marie Alacoque an dem Wallfahrtsort Paray le Monial errichteten Kapelle dem heiligen Herzen Jesu 2. Mai 1873 geweiht worden ist; 1875 weihte dann Pius IX. die ganze Welt dem heiligsten Herzen Jesu. Vgl. Reusch, Die deutschen Bischöfe und der Aberglaube (Bonn 1879).

Heiliges Land, s. v. w. Palästina.

Heiliges Öl, s. v. w. Chrisma.

Heiliges römisches Reich deutscher Nation, offizielle Bezeichnung des Deutschen Reichs 962-1806. Nachdem schon Karl d. Gr. durch seine Kaiserkrönung 25. Dez. 800 das 476 zerstörte weströmische Kaiserreich wieder erneuert hatte, mit dem Unterschied jedoch, daß nicht mehr die Römer, sondern die Franken das herrschende Volk waren, wiederholte dies Otto I. von Deutschland nach dem Zusammenbruch des karolingischen Kaisertums, indem er sich 2. Febr. 962 von Papst Johann XI. in Rom zum römischen Kaiser krönen ließ. Der Name des römischen Reichs blieb, weil die Idee eines christlichen (heiligen) Weltreichs das Mittelalter beherrschte und man durch die Erneuerung des römischen Reichs dies Ziel zu verwirklichen hoffte; daß aber nun die Deutschen die Herrscher, ihr König der zum römischen Kaisertum Berechtigte war, drückte der Zusatz "deutscher Nation" aus. Vgl. Deutschland, Geschichte, S. 850.

Heilige Woche, s. v. w. Karwoche.

Heiligkeit, der Zustand, in welchem man "heilig" (s. d.) ist. Die Dogmatik bezeichnet damit diejenige Eigenschaft Gottes (sanctitas Dei, justitia Pei ^[richtig: Dei] interna), kraft deren er als Urquelle und Urbild des Guten alles irgendwie Unreine verabscheuen muß. Aus dieser Vorstellung leitet dann schon die biblische Ethik (3. Mos. 11, 44; 19, 2. 20; 1. Petr. 1,16) den obersten Grundsatz und das ideale Ziel der christlichen Lebensführung ab. "Se. H." ist ein Prädikat des Papstes, der Allerheiligster Vater in Christo, Sanctissime Pater in der Anrede, Sanctitas Vestra im Kontext genannt wird.

Heiligkreuz, Badeort, s. Hall 1).

Heiligsprechung, s. Heilige, S. 294.

Heiligtumsbuch (Heiltumsbuch), im 15. und 16. Jahrh. handschriftliche, später gedruckte und mit Abbildungen (Holzschnitten) versehene Inventarien von wunderthätigen Reliquien, kostbaren Gefäßen, Monstranzen, Kruzifixen etc., die in Kirchen aufbewahrt wurden. Solche Heiligtumsbücher existierten von den Kirchen in Bamberg, Halle, Prag, Nürnberg, Wittenberg, Würzburg u. a. Das Wittenberger H. von 1509 ist mit Illustrationen von L. Cranach versehen (Faksimilenachbildung von G. Hirth, Leipz. 1885).

Heiligtumsstuhl, ein an den äußern Mauern von mittelalterlichen Kirchen angebrachter Balkon, von welchem herab dem Volk an gewissen Gedenk- und hohen Festtagen die Reliquien und heiligen Geräte zur Verehrung gezeigt wurden.

Heiligung, s. Heilsordnung.

Heiling, Hans, nach einer böhmischen Sage ein Erd- oder Berggeist, der sich mit einer Sterblichen vermählte, aber aus Eifersucht sie und ihre Umgebung in Felsen (Hans Heilings-Felsen, zwischen Elnbogen und Karlsbad) verwandelte. Marschner bearbeitete die Sage zu einer Oper.

Heilkraut, s. Heracleum.

Heilkunde (Heilwissenschaft), s. Medizin.

Heilmann, Johann, Kriegshistoriker, geb. 5. Febr. 1825 zu München als Sohn eines Offiziers, erhielt seine Jugenderziehung im Kadettenkorps zu München, trat dann in die Infanterie, wurde 1859 Hauptmann im Generalstab, machte die Feldzüge von 1866 und von 1870/71 als Major und Oberstleutnant im Generalstab mit, trat 1872 als Bataillonskommandeur in das 1. Infanterieregiment, wurde 1873 zum Obersten und Kommandeur des 4. Infanterieregiments in Metz und in demselben Jahr zum Brigadekommandeur, hierauf zum Generalmajor befördert. Seit 1883 ist er Generalleutnant z. D. Er schrieb: "Die Schlacht bei Leuthen am 5. Dez. 1757" (Berl. 1849); "Die Feldzüge der Bayern in den Jahren 1643, 1644 und 1645 unter Feldmarschall v. Mercy" (Meißen 1851), welches Werk ihm die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der bayrischen Aka-^[folgende Seite]