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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heilmittel; Heilmittellehre; Heilquellen; Heilsarmee; Heilsberg; Heilsbronn; Heilsmittel; Heilsordnung; Heilsspiegel

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Heilmittel - Heilsspiegel.

demie der Wissenschaften einbrachte; "Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs" (das. 1850); "Die Kriegskunst der Preußen unter König Friedrich dem Großen" (das. 1852-53, 2 Bde.); "Leben des Generals Grafen B. E. v. Deroy" (Augsb. 1855); "Feldzug von 1813. Anteil der Bayern seit dem Rieder Vertrag" (Münch. 1857); "Kriegsgeschichte von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben von 1506 bis 1651" (das. 1868, 2 Bde.); "Anteil des 2. bayrischen Armeekorps am Feldzug von 1870/71 gegen Frankreich" (das. 1872) und die Biographie "Feldmarschall Fürst Wrede" (Leipz. 1881). Außerdem ist er Verfasser zahlreicher kriegsgeschichtlicher Aufsätze in der "Allgemeinen Militär-Zeitung", dem "Militär-Wochenblatt" und in den "Jahrbüchern der Armee u. Marine".

Heilmittel, im weitern Sinn alle diätetischen, arzneilichen und operativen Verordnungen, welche zur Beseitigung körperlicher Gebrechen angewandt werden, wie Arzneimittel, Bäder, Heilgymnastik, Elektrotherapie, chirurgische Operationen, klimatische Kurorte etc.

Heilmittellehre, s. Pharmakologie.

Heilquellen, s. Mineralwässer.

Heilsarmee (engl. Salvation army, "Armee der Seligmacher"), eine aus den wesleyanischen Methodisten hervorgegangene Sekte in England, welche von William Booth (geb. 1829) 1865 gegründet und 1878 militärisch organisiert wurde; Booth selbst ernannte sich zum General, umgab sich mit einem Generalstab von 44 Offizieren und stellte an die Spitze der 231 Korps oder Stationen 337 Offiziere männlichen und weiblichen Geschlechts; die Zöglinge heißen Kadetten. Die Sekte zählt etwa 12,000 Seelen, bekämpft die bestehenden Kirchen als unfähig, das geistige und leibliche Wohl besonders der Armen zu fördern, und sucht ihr Ziel; möglichst viele Seelen zu erwecken und zu erlösen, durch öffentliche Gottesdienste mit Gesang und Predigt sowohl in Theatern und andern öffentlichen Lokalen als namentlich auf der Straße zu erreichen. Die Mitglieder verschmähen alle geistigen Getränke, leben einfach, meiden weltliche Bücher und Vergnügungen, suchen die Leidenschaften, namentlich den Zorn, durch stete Meditation zu unterdrücken und widmen sich namentlich der Pflege der Armen. Ihr öffentliches Auftreten ist aber herausfordernd und nicht frei von Roheit, so daß ihre Erfolge gering sind. Auch auf dem Kontinent, besonders in der Schweiz, versuchte die H. ihre Thätigkeit zu entfalten, erregte jedoch vielfach Ärgernis, so daß die Behörden mit Verboten einschritten. Vgl. Schramm, Das Heer der Seligmacher (Berl. 1883); Kolde, Die H. (Erlang. 1885); Pestalozzi, Was ist die H.? (Halle 1886).

Heilsberg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, 65 m ü. M., am Einfluß der Simser in die Alle, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, ein Schloß (jetzt Waisenhaus), mehrere Hospitäler, große Handels- und Schneidemühlen, Lohgerberei, Ackerbau und (1885) 5705 meist kath. Einwohner. - Die Burg H. wurde 1240 angelegt und 1306 Sitz des Bischofs von Ermeland, worauf der Ort 1308 Stadtrechte erhielt. Bekannt ist H. durch das siegreiche Gefecht der Russen und eines Teils der Preußen unter Bennigsen gegen die französischen Korps Soult und Murat 10. Juni 1807.

Heilsbronn (Kloster-H.), Marktflecken und Bezirkshauptort im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, 412 m ü. M., an der Schwabach und der Linie Krailsheim-Nürnberg-Furth i. Wald der Bayrischen Staatsbahn, mit Amtsgericht, Mineralquelle und (1885) 1247 meist evang. Einwohnern, war ehedem berühmt durch das hier 1132 vom Bischof Otto von Bamberg gestiftete, 1555 aufgehobene, reichdotierte Cistercienser-Mönchskloster, worin beinahe alle Glieder des burggräflich nürnbergischen und markgräflichen Hauses bis auf Albrecht Achilles (gest. 1486) nebst andern ausgezeichneten Personen begraben liegen, zum Teil mit Grabdenkmälern von großem Kunstwert. Von 1581 bis 1736 bestand in H. eine Fürstenschule. Die schöne Klosterkirche, eine 1150 geweihte Säulenbasilika, gegenwärtig restauriert, besitzt unter zahlreichen Denkmalen altdeutscher Kunst einen trefflichen Schnitzaltar mit Malereien (um 1500, wahrscheinlich von Wohlgemuth) und einen prächtigen Christuskopf von Veit Stoß. Vgl. Rehm, Ein Gang durch und um die Münsterkirche zu Kloster-H. (Ansb. 1875); Graf Stillfried, Kloster-H., ein Beitrag zu den hohenzollernschen Forschungen (Berl. 1877); Muck, Geschichte von Kloster-H. (Nördling. 1879-80, 3 Bde.). - Nach dem Kloster benannt ist der Mönch von H., ein didaktischer Dichter des 14. Jahrh., Verfasser eines Gedichts von den "Sieben Graden" (hrsg. von Merzdorf, Berl. 1870), worunter siebenerlei Gebete zu verstehen sind, welche die Seele gen Himmel leiten; schwerlich auch des Gedichts "Tochter Syon" und eines gereimten "Lebens des heil. Alexius" (beide mit abgedruckt bei Merzdorf). Vgl. Wagner, Über den Mönch von H. (Straßb. 1876).

Heilsmittel, s. v. w. Gnadenmittel (s. d.).

Heilsordnung (lat. Ordo oder Oeconomia salutis), das einheitliche Ganze gottverordneter Bedingungen des gemeinsamen und individuellen Heilserwerbs und Heilslebens. Dahin gehören also schon die Lehren von dem göttlichen Heilsratschluß und der Erwählung, insonderheit aber versteht die Kirchenlehre unter H. den Verlauf des subjektiven Heilsprozesses im Individuum. Die einfache Lehre der Heiligen Schrift, wonach der Mensch durch die Predigt des Evangeliums zu Buße und Glauben und dadurch zur Beseligung gelangen soll, gab nämlich schon den Scholastikern, noch mehr aber den protestantischen Theologen Anlaß zur Unterscheidung und Namhaftmachung der Stufen, welche der Mensch zurückzulegen hat, um in den Zustand der Kindschaft Gottes einzutreten und darin fortzuschreiten. Schon seit Calovius und Quenstedt unterschied die lutherische Dogmatik die verschiedenen Momente der subjektiven Heilsaneignung, und veranlaßt durch das Auftreten der Pietisten, ist die Vorstellung von einem bestimmten Weg zur Seligkeit ausgebildet worden. Die Grade oder Stufen desselben sind verschieden bestimmt; ihrer fünf aber sind herkömmlich geworden: die Berufung (vocatio), Erleuchtung (illuminatio), Bekehrung (conversio, bestehend aus Buße [poenitentia] und Glaube [fides]), Heiligung (sanctificatio) und mystische Vereinigung mit Gott (unio cum Deo mystica). Das ganze Lehrkapitel ist übrigens schwankend gehalten und leidet besonders an Vermischung der ethischen und der religiösen Momente. Die liberale Theologie der Neuzeit pflegt, besonders veranlaßt durch Alexander Schweizer, unter H. das religiöse Verhältnis der Liebesgemeinschaft mit Gott gegenüber der Naturordnung und der sittlichen Weltordnung zu verstehen, welche sich dazu wie Vorstufen verhalten.

Heilsspiegel (lat. Speculum humanae salvationis), mittelalterliches, im 14. Jahrh. entstandenes und im 15. Jahrh. durch Druck und Holzschnitt auch den Laien zugänglich gemachtes Andachtsbuch, in welchem das Erlösungswerk Christi auf 58 Blättern mit je zwei