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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heineken; Heinel-Vestris; Heinicke; Heinlein; Heinleth; Heinrich

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Heineken - Heinrich.

vor ihrem Tode, der am 18. Nov. 1872 in der Irrenanstalt zu Illenau erfolgte. - Ihre Schwester Klara (verehelichte Stöckel), ebenfalls als tüchtige Sängerin bekannt, starb 23. Febr. 1857 im Irrenhaus zu Wien. Eine zweite Schwester, Kathinka, widmete sich gleichfalls der Opernbühne, debütierte 1840 in Paris, ward 1842 beim Theater in Brüssel angestellt, sang 1850 wieder in Paris, dann in Hamburg, Berlin, Wien und Pest und ließ sich schließlich zu Freiburg i. Br. nieder, wo sie 20. Dez. 1858 starb.

Heineken, Karl Heinrich von, Kunstschriftsteller, geb. 1706 zu Lübeck, ward Privatsekretär und Vertrauter des Grafen von Brühl, als solcher in den Adelstand erhoben, Geheimrat und Administrator der Brühlschen Privatgüter und nach Brühls Tod (1763) als der Teilnahme an den Unterschlagungen, deren derselbe angeklagt war, verdächtig verhaftet, bald aber wieder freigelassen. Er starb 23. Jan. 1791 auf seinem Gut Altdöbern in der Niederlausitz. H. ließ auf seine Kosten das Prachtwerk "Recueil d'estampes d'après les plus célèbres tableaux de la galerie royale de Dresde" (Dresd. 1755-57, 2 Bde.) ausführen und schrieb: "Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen" (Leipz. 1768-71, 2 Bde.; Fortsetzung, 1. Bd., Dresd. u. Leipz. 1786); "Idee générale d'une collection complète d'estampes" (Wien u. Leipz. 1770); "Dictionnaire des artistes dont nous avons des estampes" (Leipz. 1778-90, 4 Bde., bis D reichend).

Heinel-Vestris, s. Vestris.

Heinicke, Samuel, Begründer der sogen. deutschen oder Artikulationsmethode im Taubstummenunterricht und der ersten Taubstummenanstalt in Deutschland, geb. 10. April 1727 zu Nautschütz bei Weißenfels, war erst Landmann, trat 1750 in die kurfürstliche Leibgarde zu Dresden, wo er sich durch Privatfleiß einige wissenschaftliche Kenntnisse erwarb, ward im Siebenjährigen Krieg bei Pirna gefangen und nach Dresden gebracht, entkam aber und ließ sich 1757 in Jena als Student inskribieren. Im folgenden Jahr ging er nach Hamburg, wo er durch Privatunterricht seinen Unterhalt erwarb, und ward auf Klopstocks Empfehlung 1760 Sekretär und Hauslehrer beim Grafen Schimmelmann, 1768 Kantor in Eppendorf. Schon als Soldat hatte er einen Taubstummen nach Ammans (s. d.) "Surdus loquens" mit Glück unterrichtet. Der gleiche Erfolg bei einem jungen Mann in Eppendorf erwarb ihm solchen Ruf, daß ihm seit 1772 Taubstumme aus allen Gegenden anvertraut wurden und der Kurfürst von Sachsen ihn 1778 in sein Vaterland zurückrief. H. gründete in Leipzig eine Taubstummenanstalt, der er bis zu seinem Tod, 30. April 1790, vorstand. 1881 wurde ihm daselbst ein Denkmal errichtet. Seine Hauptschriften sind: "Beobachtung über Stumme und die menschliche Sprache" (Hamb. 1778); "Über die Denkart der Taubstummen" (Leipz. 1783); "Wichtige Entdeckungen und Beiträge zur Seelenlehre und zur menschlichen Sprache" (das. 1786). Vgl. Stötzner, S. H. (Leipz. 1874); Walther, Geschichte des Taubstummenbildungswesens (Bielef. 1882); Eck, S. H. als Kämpfer für die Entwickelung der Volksschule (Wien 1884).

Heinlein, Heinrich, Maler, geb. 3. Dez. 1803 zu Weilburg in Nassau, widmete sich zuerst in Mannheim dem Baufach, das ihm aber bei seiner Neigung für die Malerei wenig Befriedigung gewährte. Nachdem er sich bereits in historischen, vorzugsweise aber landschaftlichen Kompositionen versucht hatte, siedelte er 1822 nach München über, um an der Akademie Architektur und daneben Landschaftsmalerei zu studieren. 1825 besuchte er die Schweiz, Tirol, Oberitalien und Wien. Im J. 1830 ließ er sich in München nieder, wo er fortan die Landschaftsmalerei im romantischen Sinn kultivierte. Er entnahm seine Motive vorzugsweise den deutschen Alpen, wobei er den Schwerpunkt auf Großartigkeit des Charakters legte. Seine Hauptbilder, welche meist in die 60er Jahre fallen, sind: das Klösterl am Walchensee, der Hintere Gosausee, das Windauthal, Engadin, der Königssee, der Zeller See in Tirol, Forellenbach im Ötzthal. Sein Kolorit litt unter der Neigung zu bräunlichen Tönen. Er starb 8. Dez. 1885 in München.

Heinleth, Adolf von, bayr. Kriegsminister, geb. 1823 zu München, wurde im Kadettenkorps erzogen, trat 1842 als Junker in das bayrische Leibregiment und machte den Krieg gegen Preußen 1866 als Major und Generalstabsoffizier der 4. Division mit 1870 Oberstleutnant, ward er Chef des Generalstabs des 1. Armeekorps, mit dem er an den Kämpfen bei Wörth, Sedan und Orléans hervorragenden Anteil nahm; besonders bei der Einnahme von Orléans 11. Okt. zeichnete er sich aus, indem er das 1. Regiment persönlich zum Sturm führte. Nach dem Krieg zum Obersten, dann zum General befördert, ward er 1878 Chef des Generalstabs der Armee, 1882 Generalleutnant u. Kommandeur der 4. Division und im April 1885 nach Maillingers Rücktritt Kriegsminister.

Heinrich (altd. Heimrîch, "Fürst des Hauses"; lat. Heinricus oder Henricus, franz. Henri, engl. Henry oder Harry), Name zahlreicher Fürsten.

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Übersicht nach den Ländern:

Deutsche Kaiser u. Könige 1-9.

Bayern 10-14.

Braunschweig-Wolfenb. 15, 16.

Champagne 17.

England 18-25.

Flandern 26.

Frankreich 27-31.

Haïti 32.

Hessen 33.

Kärnten 34.

Kastilien 35-38.

Meißen 39.

Niederlande 40.

Portugal 41.

Preußen 42, 43.

Reuß 44-46.

Sardinien 47.

Schlesien-Polen 48.

Thüringen 49.

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[Deutsche Kaiser und Könige.] 1) H. I., der Sachse, Sohn Ottos des Erlauchten, Herzogs von Sachsen, geboren um 876, der erste deutsche König aus dem sächsischen Haus. H. hatte schon bei Lebzeiten seines Vaters glücklich gegen die angrenzenden slawischen Völkerschaften und gegen die Ungarn gestritten; dann, nach Ottos Tod (912) zum Herzog erhoben, war er mit König Konrad I., der ihm einen Teil seines Erbes, namentlich Thüringen, zu entziehen trachtete, in einen harten Kampf geraten, der zuletzt zu seinem Vorteil ausschlug und seinem Gegner so große Achtung einflößte, daß derselbe auf dem Sterbebett den ehemaligen Gegner als den der Krone Würdigsten zu seinem Nachfolger empfahl. Demzufolge wurde H. 14. April 919 von den Franken und Sachsen in Fritzlar zum König der Deutschen erwählt. Daß die Fürsten, die ihm die Reichsinsignien brachten, H. beim Vogelfang getroffen, ist spätere Sage und der erst im 12. Jahrh. vorkommende Beiname der Finkler oder der Vogler unberechtigt und unpassend. Die ihm vom Erzbischof von Mainz angebotene Salbung durch Priesterhand lehnte H. ab. Des neuen Königs erste Sorge war die Wiederherstellung der innern Einheit des Reichs. Er zog zuerst gegen den Herzog Burchard von Schwaben aus und bewog denselben (920) durch Zugeständnisse ohne Schwertstreich zur Huldigung. Den mächtigen Herzog Arnulf von Bayern, der selbst nach der Königskrone getrachtet, gewann er 921 durch Überredung und Einräumung