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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heinsius; Heinze

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Heinsius - Heinze.

Heinsius, 1) Daniel (in den frühern Schriften auch Heynsius, eigentlich Heins oder Heyns), holländ. Philolog und Dichter, geb. 9. Juni 1580 zu Gent, trieb seit 1595 in Franeker, sodann in Leiden juristische, besonders aber, unter dem Einfluß Jos. Scaligers, humanistische Studien, erhielt 1602 in Leiden die Erlaubnis, über alte Dichter zu lesen, wurde 1605 daselbst Professor der griechischen Sprache und Politik, 1607 Kustos der Universitätsbibliothek, 1609 Sekretär des akademischen Senats, 1613 auch Professor der Geschichte, nahm als eifriger Gomarist an der Synode zu Dordrecht (1618-19) teil und starb 25. Febr. 1655. Gustav Adolf ernannte ihn 1618 zum Reichshistoriographen, später noch zum königlichen Rat; auch die Republik Venedig und Papst Urban VIII. zeichneten ihn aus. Als Gelehrter hat er sich bleibende Verdienste erworben um die griechischen Autoren Hesiod, Aristoteles, Theophrast, das Neue Testament ("Exercitationum sacrarum libri XX", Leid. 1639) u. a.; weniger bedeutend sind seine Ausgaben zahlreicher römischer Schriftsteller. Von seinen Gedichten sind die lateinischen hervorragend, dagegen die griechischen ohne höhern Wert; am vollständigsten sind sie gesammelt von seinem Sohn Nikolaas in "Poemata auctiora" (Leid. 1640). Seine "Nederduytsche poemata" gab Scriverius heraus (Amsterd. 1616). Die gleichfalls oft aufgelegten "Orationes" sind schwülstig.

2) Nikolaas, Staatsmann und bedeutender Philolog, Sohn des vorigen, geb. 20. Juli 1620 zu Leiden, daselbst gebildet, durchforschte nach kleinern Reisen die Bibliotheken von Paris und Italien 1645 bis 1648, trat 1650 in die Dienste der Königin Christine von Schweden, bereiste in deren Auftrag 1651 bis 1653 von neuem Italien, wurde 1654 niederländischer Resident zu Stockholm, 1656 Stadtschreiber in Amsterdam, 1661 wieder Gesandter zu Stockholm, ging 1669 in außerordentlicher Mission nach Moskau, privatisierte seit 1671 in seiner Heimat, zuletzt in dem Städtchen Vianen und starb 7. Okt. 1681 im Haag. Im Besitz eines handschriftlichen Materials wie wenige, unterstützt durch umfassende Gelehrsamkeit, reiche Phantasie, geläuterten Geschmack, poetisches Talent, ist er nicht ohne Grund der Sospitator poetarum latinorum genannt worden. Auf seinen Ausgaben des Claudian (Leid. 1650), Ovid (das. 1652), Vergil (Amsterd. 1664), Prudentius (das. 1667), Valerius Flaccus (das. 1680) beruht die Vulgata dieser Dichter. Mannigfache Beiträge zu andern Dichtern und auch zu Prosaikern finden sich zerstreut, besonders in den "Adversariorum libri IV" (hrsg. vom jüngern Burman, Harling. 1742, mit Lebensbeschreibung). Seine lateinischen Gedichte erschienen gesammelt Amsterdam 1666. Vgl. ten Brink, Dr. Nicolaas H. jun. (Rotterd. 1885).

3) Anthony, niederländ. Staatsmann, geb. 22. Dez. 1641 aus einer alten Patrizierfamilie zu Delft, studierte die Rechte in Leiden und ward 1679 Pensionär seiner Vaterstadt. 1682 in einer diplomatischen Mission nach Frankreich geschickt, wurde er am dortigen Hof so rücksichtslos behandelt, daß er Frankreich leidenschaftlich zu hassen begann, von der aristokratischen zur statthalterlichen Partei überging und ein eifriger Anhänger und später Freund des Prinzen Wilhelm III. von Oranien wurde. 1687 übernahm er eine Gesandtschaft nach England und 1688 nach Kaspar Fagels Tode das schwierige Amt eines Ratspensionärs von Holland. Er leitete in dieser Stellung die Republik ganz im Sinn Wilhelms, dessen politische Pläne er mit allem seinem Einfluß unterstützte. Seit dessen Tod 1702 stand er im Mittelpunkt der europäischen Politik und besorgte die Unmasse der auf ihm lastenden Geschäfte mit geräuschloser, aber unermüdlicher Thätigkeit, großer Sachkenntnis und Umsicht, in kühler Bescheidenheit unbeirrt durch Schmeicheleien und Umwerbungen. Im spanischen Erbfolgekrieg spielte er eine der ersten Rollen und bildete mit Prinz Eugen und Marlborough das sogen. Triumvirat; das von ihm für die Niederlande erreichte Resultat desselben, der Barrieretraktat, hat denselben jedoch nicht zum Heil gereicht; H. hatte sich von seinem Haß gegen Frankreich verblenden lassen. Er starb 3. Aug. 1720. Seine wichtige politische Korrespondenz wurde von H. J. ^[Hendrik Jacob] van der Heim herausgegeben ("Het archief van den raadpensionaris A. H.", Haag 1867-80, 3 Bde.).

4) Otto Friedrich Theodor, Sprachforscher, geb. 6. Sept. 1770 zu Tschernow in der Neumark, wirkte seit 1795 als Lehrer an verschiedenen Gymnasien in Berlin, zuletzt als Professor und Rektor am Grauen Kloster und starb 19. Mai 1849 daselbst. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Deutsche Sprachlehre" (Berl. 1798, 3 Bde.; 5. Aufl., Leipz. 1835); "Kleine deutsche Sprachlehre" (das. 1804, 13. Aufl. 1834); "Teut, oder theoretisch-praktisches Lehrbuch der deutschen Sprachwissenschaft" (das. 1807-12, 5 Bde.; die einzelnen Teile oft aufgelegt); "Der Bardenhain" (Berl. 1808, 4 Bde.; 3. Aufl. 1820): "Volkstümliches Wörterbuch der deutschen Sprache" (Hannov. 1818-22, 4 Bde.).

Heinze, 1) Rudolf, Kriminalist, geb. 10. April 1825 zu Saalfeld a. S., studierte 1844-47 in Leipzig Jurisprudenz, trat dann in den meiningischen Justizdienst, wurde 1856 als Stellvertreter des Oberstaatsanwalts für das Königreich Sachsen nach Dresden berufen und 1860 als erster Staatsanwalt an das dortige Bezirksgericht versetzt. 1865 zum ordentlichen Professor des Kriminalrechts in Leipzig ernannt, wurde er von der Universität dreimal zu deren Vertreter in der Ersten Kammer des sächsischen Landtags gewählt, wo er jedoch bald in Opposition zur Regierung geriet. Ostern 1873 folgte er einem Ruf an die Universität Heidelberg. Seine schriftstellerischen Arbeiten behandeln vorzüglich die Reform des deutschen Strafrechts und Strafverfahrens, wie: "Parallelen zwischen der englischen Jury und dem französisch-deutschen Geschwornengericht" (Erlang. 1864); "Ein deutsches Geschwornengericht" (Leipz. 1865); "Das Recht der Untersuchungshaft" (das. 1865); "Staatsrechtliche und strafrechtliche Erörterungen zu dem Entwurf eines Strafgesetzbuchs für den Norddeutschen Bund" (das. 1870); "Das Verhältnis des Reichsstrafrechts zu dem Landesstrafrecht" (das. 1871); "Strafprozessuale Erörterungen" (Stuttg. 1875); "Die Straflosigkeit parlamentarischer Rechtsverletzungen" (das. 1879). Politischen Inhalts ist seine neueste Schrift: "Hungarica" (Freib. i. Br. 1882), gegen welche die anonyme Gegenschrift "Dr. Heinzes Anklageschrift, 'Hungarica' im Lichte der Wahrheit" (Preßb. 1882) gerichtet ist. Auch bearbeitete er einzelne Partien in v. Holtzendorffs "Handbuch des Strafrechts".

2) Max, Geschichtschreiber der Philosophie, Bruder des vorigen, geb. 13. Dez. 1835 zu Prießnitz in Sachsen-Meiningen, studierte Theologie und Philologie auf verschiedenen Universitäten und wandte sich schließlich in Berlin unter Trendelenburgs Leitung dem Studium der Philosophie zu. Nach mehrjähriger Lehrthätigkeit in Schulpforta und als Erzieher der oldenburgischen Prinzen habilitierte er sich 1872 als