Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heizung

341

Heizung (Luftheizung).

h Heizofen, f der kalte Kanal, a Heizkanal, A und B zu beheizende Räume, v Ventilationskanal, b Abströmungsöffnung am Fußboden, b1^[b_{1}] unter der Decke, c Zirkulationskanal. Häufig sieht man sich auch genötigt, die Luft, welche man durch die kalten Kanäle ansaugt, zu reinigen. Dies geschieht meist durch feine Siebe, welche die Staubteilchen zurückhalten, oder dadurch, daß man die Luft durch einen Sprühregen oder durch Wasserbecken treibt. Sehr gut bewährte sich die Einrichtung, die Luft durch einen Ventilator in Röhren zu treiben, die in einen Dampfkessel münden, am Ende verschlossen, auf ihrer ganzen Länge aber, soweit sie im Kessel und hier unter Wasser liegen, fein durchlöchert sind. Die Luft tritt hierbei in feinen Bläschen durch das Wasser, wird vollständig gereinigt und zugleich mit Feuchtigkeit gesättigt. Den Feuchtigkeitsgrad kann man dabei beliebig regulieren, indem man den Dampfkessel schwächer oder stärker heizt. Bei andern Reinigungseinrichtungen muß die Luft durch besondere Vorkehrungen feucht gemacht werden, damit sie nach der Erwärmung und bei lebhafter Strömung nicht den Eindruck zu großer Trockenheit macht. Man leitet sie über Gefäße mit Wasser oder durch befeuchtete Gewebe, die man in der Heizkammer oder vor der Ausströmungsöffnung anbringt. Im letztern Fall kann der Zimmerbewohner den Feuchtigkeitsgehalt der Luft beliebig regulieren. Fischer hat für diesen Zweck vorgeschlagen, die Luft vor dem Eintritt in das Zimmer mit Wasser zu sättigen und zwar bei einer Temperatur, deren Sättigungspunkt dem Wassergehalt entspricht, den die Luft bei Zimmertemperatur haben soll. Rietschel stellt ein Hygrometer auf und ruft mit Hilfe einer elektrischen Vorrichtung je nach Bedarf eine Befeuchtung der Luft mit Wasser in fein verteiltem Zustand oder mit Dampf hervor.

Fig. 8 zeigt eine von Rietschel u. Henneberg ausgeführte Luftheizungsanlage in einem Berliner Schulhaus. Man erkennt leicht im untern Teil die eigentliche Heizanlage, im obern ein darüberliegendes Klassenzimmer. a sind die mit Rippen versehenen Heizrohre, welche mit Rücksicht auf die Ausdehnung durch die Wärme auf Rollen ruhen. Der Feuerraum und der Anfangsteil der Heizrohre sind mit Schamottesteinen ausgemauert, so daß sie nicht erglühen können; c ist der Rauchkanal, d der durch eine Drosselklappe n regulierbare kalte Kanal, e, f, g sind die mit Regulierklappen versehenen Anfänge der Warmluftkanäle. Die Regulierung geschieht vom Heizer durch über Rollen geführte Ketten. h ist die Ausströmungsöffnung im Erdgeschoß, welche vom Zimmer aus nochmals durch die mit Stellquadrant versehene Drosselklappe i reguliert werden kann. m ist ein Wasserverdunstungsgefäß. Über demselben ist ein mit der Wasserleitung in Verbindung stehendes Rohr angebracht, aus welchem Wasserstrahlen gegen die darüber befindlichen Kalotten geschleudert werden; das Wasser verwandelt sich hierbei in einen ganz feinen Sprühregen. Das überflüssige Wasser tropft nach m ab und wird eventuell durch ein Ableitungsrohr abgeführt. p ist die Abdeckplatte zur Reinigung des Fuchses. Im Schulzimmer befindet sich an den nach dem Ventilationskanal k führenden Öffnungen ein Doppelschieber ll, welcher ein gleichzeitiges Schließen beider Ventilationsöffnungen nicht gestattet, sondern stets die eine öffnet, wenn die andre geschlossen wird. Durch die obere Öffnung wird die zu heiße, durch die untere die verdorbene Luft des Zimmers abgeführt.

Die Luftheizung ist in der Anlage die billigste Zentralheizung. Die Kosten ihres Betriebes hängen wesentlich davon ab, ob die erforderte Wärme in den zu beheizenden Raum unter großem oder geringem Luftwechsel geliefert wird. Der Betrieb wird teurer oder geradezu verschwenderisch, wenn durch Luftheizung Räume beheizt werden, welche des künstlichen Luftwechsels nicht bedürfen. Die Luftheizung eignet sich nicht für ausgedehnte Gebäude, weil bei diesen mehrere Feuerstellen angelegt werden müssen; ihre Einrichtung ist nur in Häusern möglich, welche schon beim Bau mit den erforderlichen Kanälen versehen sind. Die Luftheizung erwärmt die zu beheizenden Räume schnell, hält aber die Wärme, wenigstens bei eisernem Heizapparat, nicht lange nach; sie empfiehlt sich für die periodische Beheizung von Sälen und andern großen Räumen wie Kirchen. Das Prinzip der Luftheizung ist mehrfach in einer durchaus befriedigenden und gesundheitsmäßigen Weise zur Ausführung gebracht worden, und wenn vielfach Klagen

^[Abb.: Fig. 8. Luftheizungsanlage von Rietschel u. Henneberg.]