Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hekatombäon; Hekatombe; Hekatoncheiren; Hekatonnesi; Hekdesch; Hekim; Hekla; Hektar; Héktik; Hekto; Hektograph

345

Hekatombäon - Hektograph.

auch mit einem Körper, drei Köpfen und drei Händepaaren. Die gewöhnliche Auffassung teilt sich zweifach: in der ältern Zeit sind die Figuren mit langen, auf dem Boden ruhenden Fackeln, Früchten, Schale und Hund ausgestattet; die jüngere Gruppe hat als Attribute kurze Fackeln, Schwert, Dolch, Strick, Schlüssel und Schlange. Eine hübsche Bronzestatuette dieser Art enthält das kapitolinische Museum in Rom (s. Abbildung). An ihren Lieblingsplätzen, den Dreiwegen, sowie auch vor und in den Häusern stellte man ihr Säulen (Hekatesäulen) oder Pfeiler auf, damit sie das Haus und den Wanderer vor Unglück beschütze. Diese sind meist mit drei Köpfen besetzt und zeigen in Relief am untern Rande drei tanzende Frauen (Chariten). Am meisten sind Denkmäler aus Athen bekannt; hier stand auch die Gruppe des Alkamenes. Geopfert wurden der H. junge Hunde, Honig und insbesondere schwarze Lämmer. Vgl. Schömann, De Hecate Hesiodea (Greifsw. 1851); E. Petersen, Die dreigestaltige H. (in den "Archäologisch-epigraphischen Mitteilungen aus Österreich", Bd. 4 u. 5, Wien 1880-82).

^[Abb.: Dreigestaltige Hekate (Rom, Kapitol).]

Hekatombäon (griech.), s. Hekatombe.

Hekatombe, bei den Griechen ursprünglich ein Opfer von 100 Rindern, aber schon frühzeitig allgemeine Bezeichnung für jedes reichere, aus Tieren bestehende Opfer, das sich in Bezug auf die Zahl und Art derselben nach den Vermögensumständen der Opfernden richtete sowie nach der Gottheit, welcher man es weihte, und nach dem Ort oder Fest, an welchem es dargebracht wurde. Schon Homer nennt ein Opfer von zwölf Stieren, Lämmern, Schafen und Ziegen, Pindar sogar von Eseln eine H. Größere Rinderopfer waren namentlich im Kulte des Zeus und der Hera üblich und dienten bei großen Festen zugleich als Fleischspenden an das Volk. Der Monat, in welchem man die Hekatomben vorzugsweise darbrachte, war der erste Monat des attischen Jahrs (vom 16. Juli bis 13. Aug.) und hieß Hekatombäon. Dem Kaiser Julian, welcher sich durch Tieropfer auszeichnete, genügte die einfache H. nicht mehr, sondern er zählte zu einem "kaiserlichen Opfer" 100 Löwen, 100 Adler etc. und nannte dies eine H. Gewöhnlich errichtete man im Freien Altäre von Rasen und schlachtete auf jedem ein Tier. Vgl. Opfer.

Hekatoncheiren (lat. Centimanen, "Hunderthändige"), in der griech. Mythologie drei Riesen mit 100 Armen und 50 Köpfen, Söhne des Uranos und der Gäa, mit Namen Ägäon oder Briareus, Kottos und Gyes (Gyges). Wegen ihrer feindseligen Gesinnung wurden sie von ihrem Vater im tiefsten Innern der Erde gefangen gehalten, dann auf Rat der Gäa von den olympischen Göttern zum Beistand gegen die Titanen aus ihrem Kerker ans Licht gezogen und nach dem Sieg zu Wächtern der in den Tartaros geschleuderten Titanen gemacht. Sie sind vermutlich Repräsentanten der gewaltigen Macht des Wassers. Vgl. Ägäon.

Hekatonnesi, s. Muskonisi.

Hekdesch (richtiger Hakdesch, neuhebr.), das Geweihte, vulgäre Bezeichnung für ein israelitisches Armen- und Krankenhaus.

Hekim (arab.), Arzt; H. Baschi, Oberarzt, der erste der im Serail angestellten Ärzte.

Hekla, der bekannteste, wenn auch nicht bedeutendste Vulkan auf der Insel Island, im SW. derselben gelegen, 110 km östlich von Reykjawik, bildet einen langgestreckten, aus Tuffen und Laven gebildeten Rücken von 1555 m Höhe, meist mit einer Wolkenkappe bedeckt und seit 1845 mit fünf Kratern. Der Berg selbst wie seine Umgebung im Umfang von 11 km sind ohne alle Vegetation. Man zählt seit der Entdeckung Islands (874 n. Chr.) 28, darunter 18 unmittelbare, Ausbrüche des H.; die Zwischenzeiten haben 6, aber auch 79 Jahre gewährt. Besonders verheerend waren die Eruptionen von 1157, 1300, 1597, 1636 und 1766; in dem letztgenannten Jahr bedeckte die ausgeworfene Asche in 225 km Abstand den Boden auf Kniehöhe. Der vorletzte Ausbruch dauerte vom September 1845 bis April 1846, der letzte fand im März 1878 statt. Die schwarze augitische Asche, die dabei der Vulkan auswirft, ist für den Pflanzenwuchs der Umgebung von verderblicher Wirkung.

Hektar, Feldmaß, = 100 Ar.

Héktik (griech.), s. v. w. Auszehrung; habitus hecticus, schwindsüchtiges Aussehen (s. Lungenschwindsucht); hektische Röte, die rosige Färbung der Wangen, welche bei schwindsüchtigen Personen oft einen auffallenden Kontrast zu der allgemeinen Blässe der Haut bildet; hektisches Fieber, das Fieber, welches die Schwindsucht begleitet und mit Nachtschweißen und starker Ermattung verbunden ist.

Hekto (griech.), hundert, oft in Zusammensetzungen, besonders im metrischen Maß, vorkommend, so Hektogramm, 100 g; Hektoliter, 100 Lit.; Hektometer, 100 m; Hektar, 100 Ar.

Hektograph (griech.), Apparat zur Vervielfältigung von Schriftstücken ohne Anwendung einer Presse, besteht im wesentlichen aus einer elastischen Platte (Buchdruckwalzenmasse), auf welche die mit einer sehr ausgiebigen Anilintinte angefertigte Schrift übertragen wird. Legt man dann ein Blatt Papier auf die Platte und übt einen mäßigen Druck aus, so wird eine hinreichende Menge Farbstoff an das Papier abgegeben, um eine sehr deutliche Kopie zu liefern. Es bleibt aber so viel Farbstoff auf der Platte übrig, um nacheinander und ohne weitere Manipulationen eine große Anzahl von Kopien (100, daher der Name H.) anfertigen zu können. Die Masse zu der Platte wird nach der Patentschrift (1879, Kwaisser u. Husak) aus 1 Teil Gelatine, 4 Teilen Glycerin von 30° B. und 2 Teilen Wasser bei mäßiger Wärme zusammengeschmolzen. Wartha schmelzt 100 g feinste Gelatine mit 400-500 ccm frisch gefälltem und noch feuchtem schwefelsauren Baryt im Wasserbad, setzt unter Umrühren 100 g Dextrin und, je nach der Konzentration, 1000-1200 g Glycerin hinzu, läßt unter zeitweiligem Umrühren abkühlen und gießt die noch gut fließende Masse in einen flachen Blechkasten, in welchem