Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heliäa

352

Helgoland - Heliäa.

liegt die Düne, eine auf Felsgrund gelagerte, sanft hügelige, im Sonnenglanz blendend weiß erscheinende Sandinsel von 550 m Länge, deren fester und feiner Sandgrund den herrlichsten Badestrand darbietet, zu dem man auf kleinen Fahrzeugen übersetzt, und wo man an der Nord- oder Ostseite je nach der Windrichtung stärkern oder schwächern Wellenschlag benutzen kann. Das 1826 gegründete Seebad nimmt entschieden den ersten Rang unter allen deutschen Nordseebädern ein; es ist das einzige, dessen insulare Lage eine stets reine Seeluft bedingt. Seitdem die Badeanstalt vor längerer Zeit in die Hände der Munizipalität gelangt ist, haben zeitgemäße Verbesserungen stattgefunden, unter denen das mit einem Dampfbad verbundene große, glasgedeckte Schwimmbassin und die erwähnte Aufzugverbindung mit dem Oberland besonders zu nennen sind. Im J. 1887 soll die Badeanstalt auf 80 Jahre verpachtet werden; es soll dann an Stelle des jetzigen Konversationshauses ein Hotel gebaut und ein Konversationshaus an Stelle des jetzigen Strandpavillons errichtet werden. Die Badezeit beginnt Anfang Juni und dauert bis Ende Oktober. Im J. 1886 zählte man 8500 Badegäste und 4000 Touristen. Die Brandung des Meers hat an der ehemals viel größern Insel arg gearbeitet. Die Düne wurde 31. Dez. 1720 von der Insel losgetrennt. An der Westseite Helgolands zeigt sich zur Ebbezeit ein 100 m breiter Felsgrund, und die Uferwände bieten hier das großartigste Bild von hohen Felsthoren, riesigen Felskegeln und großen, tiefen Grotten dar. Auf den Felsvorsprüngen brüten viele Hundert Paare von Seevögeln in gedrängten, langen Reihen. Aus der lebhaften Farbenzusammenstellung, welche das Landschaftsbild der Insel darbietet, entstand die grün-rot-weiße Flagge der Helgoländer. Die Reede (Nord- und Südhafen genannt) liegt zwischen H. und der Düne und wird von vier Batterien verteidigt.

Die Zahl der Einwohner betrug 1860: 2172, 1881 nur 2001. Sie bewohnen eine kleine Stadt, teilweise im Oberland, teilweise im Unterland gelegen, mit Kirche und Schule, und nähren sich von Fischerei nebst Austern- und Hummernfang, Schiffahrt, Lotsendienst sowie von dem starken Fremdenverkehr während der Badesaison. Sie besitzen 45 kleine Segelboote (zusammen von 454 Ton. Gehalt). Kartoffeln und Fische sind Hauptnahrung. Die Helgoländer sind vorwiegend friesischen Stammes und sprechen einen friesischen Dialekt (vgl. Ölrichs, Wörterschatz, Leipz. 1882), während die deutsche Sprache Kirchen- und Schulsprache ist. Ihre Biederkeit wird allgemein gerühmt, Verbrechen sind unter ihnen fast unerhört; dennoch ist ihnen durch den Verkehr mit vielen Fremden eine gewisse berechnende Schlauheit eigen geworden. Seit 1868 residiert ein englischer Gouverneur auf der Insel. Die Revenue belief sich 1884 auf 8336 Pfd. Sterl., die Kolonialschuld auf 3547 Pfd. Sterl. Mit Hamburg, Kuxhaven und Geestemünde besteht regelmäßige Dampfschiffahrt, mit der deutschen Küste submarine Telegraphenverbindung. Auf verschiedenen Feldern der Naturwissenschaften bietet H. die interessantesten Erscheinungen dar, z. B. seine geologische Formation (vgl. Wiebel, Die Insel H., Hamb. 1848). Dann ist die Zahl der H. während der Zugperioden besuchenden Vögel aller Länder der ganzen nördlichen Hemisphäre geradezu beispiellos (einen Beweis dafür liefert die Gätkesche Sammlung auf der Insel). Unter den Lepidopteren ist eine höchst interessante Art, Spilosana Zatime, fast ausschließlich helgoländisch zu nennen, und unter der Flora sind einheimisch die hochnordische Cochlearia danica sowie die südliche Lobularia maritima; die Zahl und Mannigfaltigkeit der submarinen Flora ist begreiflicherweise sehr groß. - H. ist das alle Fositesland (s. Forseti) und war, wie die Sage meldet, eine umfangreiche, stark bevölkerte Insel. Seit dem 14. Jahrh. gehörte sie den Herzögen von Schleswig-Holstein-Gottorp, bis sie in dem Kampf der königlichen Linie gegen die herzogliche 1714 von den Dänen belagert und erobert ward. 1807 bemächtigten sich ihrer die Engländer und wurden im Frieden von 1814 in ihrem Besitz bestätigt. Zur Zeit der Kontinentalsperre (1812) war H. ein Hauptplatz für den Schmuggelhandel. Am 9. Mai 1864 fiel in der Nähe ein Seegefecht zwischen den Österreichern und Dänen vor. Vgl. von der Decken, Untersuchungen über die Insel H. (Hannov. 1826); Lappenberg, Über den ehemaligen Umfang und die alte Geschichte Helgolands (Hamb. 1831); Ötker, H. (Berl. 1855); Hallier, H. (Hamb. 1869); Derselbe, Verfassung und Recht auf H. (Stuttg. 1878); Lütken, Die Nordsee-Eskadre und das Seegefecht bei H. am 9. Mai 1864 (Wien 1886).

^[Abb.: Kärtchen von Helgoland.]

Heliäa (griech.), ursprünglich die als Volksgericht konstituierte Volksversammlung zu Athen, dann (seit Solon) ein aus der Bürgerschaft gewählter Ausschuß, der die Gerichtsbarkeit in höchster Instanz sowie die oberste Kontrolle über die Beamten ausübte. Kleisthenes ordnete ihre Zusammensetzung so, daß für jedes Jahr aus den zehn Phylen 5000 über 30 Jahre alte Bürger (Heliasten) als Geschworne und dazu noch 1000 Ersatzgeschworne ausgelost wurden. Die 5000 zerfielen in zehn Abteilungen, deren Mitglieder aus allen Stämmen gemischt waren, und jede Abteilung bildete einen Gerichtshof; doch hing es von der Bedeutung der einzelnen Rechtssachen ab, ob die ganzen Abteilungen saßen oder nur Teile derselben oder auch mehrere Abteilungen vereinigt wurden. Das Verfahren war öffentlich. Die Richter verpflichteten sich durch einen besondern Eid, unparteiische und unbestechliche Hüter der Gesetze sein zu wollen. Die Kompetenz und Geschäftslast der H. erweiterten sich immer mehr, namentlich seit dem Sturz des Areopags (460 v. Chr.), und seitdem man den Bürgern gestattete, sich in allen Sachen sofort an die H. zu wenden, und auch die Bundesgenossen zwang, in Athen ihr Recht zu nehmen. Perikles führte den Richtersold (Heliastikon), 1 Obolos für den Tag, ein, den Kleon auf eine halbe Drachme erhöhte. Vgl. Fränkel, Die attischen Geschwornengerichte (Berl. 1877).