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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heliasten; Helichrysum; Heliconia; Hélie; Helike; Helikoide; Helikon; Helikoniden; Heliochromie

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Heliasten - Heliochromie.

sich sehr gut, und selbst erfroren sind sie noch tauglich. Der Ertrag kommt im allgemeinen dem der Kartoffeln ziemlich nahe, und wenn der Futterwert auch um 20 Proz. geringer ist, so wird dieser Ausfall wieder durch den Stengelertrag gedeckt, welcher zwischen 60 und 120 Ztr. pro Hektar schwankt. Die Topinambur würde ohne Zweifel häufiger kultiviert werden, wenn sie besser in die Fruchtfolge paßte und nicht, wenn man sie gebaut hat, erst wieder durch zwei Nachfrüchte aus dem Boden entfernt werden müßte. Die Knollen enthalten 14,7 Proz. Zucker, 3,1 Proz. Proteinstoffe, 1,9 Proz. Inulin, 1,1 Proz. Pektinstoffe, 0,2 Proz. Fett, 1,5 Proz. Cellulose, 1,3 Proz. Mineralstoffe und 76 Proz. Wasser. Auch zur Spiritusbereitung ist die Topinambur benutzt worden. Man kann annehmen, daß die Knollen einen um die Hälfte größern Gehalt an Trockensubstanz und Zucker geben als die Runkelrüben, und daß sie 50 Proz. Futter hinterlassen. H. annuus L. (Sonnenblume, Sonnenrose), bis 2 m hoch, mit meist einfachem Stengel, gestielten, herzförmigen, gesägten, rauhen Blättern, großen, nickenden Blütenköpfen, gelben Rand- und braunen Scheibenblüten und schwarzen, grauen oder weißen Früchten, eine einjährige Pflanze aus Peru, wird namentlich in Rußland und Ungarn als Ölpflanze, in Holland, im südlichen Frankreich, im Pandschab, in Südrußland, bei Washington, auf Martinique, hier und da auch bei uns auf sumpfigem Terrain zur Verbesserung des Klimas, namentlich zur Bekämpfung des Wechselfiebers, gebaut. Sie verlangt einen etwas bindigen und kräftigen Boden und entwickelt sich besonders aus frisch importierten Samen sehr kräftig. Die jungen Knospen der Pflanze dienen als Gemüse, die Stengel als Brennmaterial und zur Gewinnung von Pottasche (sie saugt das Land stark aus); die Blätter geben ein gutes Viehfutter, die Blüten liefern den Bienen reichlich Honig; die Früchte (über 2000 in einem Blütenkopf) bilden ein gutes Mastfutter für Geflügel, werden aber besonders zur Gewinnung von Öl benutzt. Sie müssen enthülst werden, und die Kerne geben dann 40 Proz. Öl, wovon in Rußland 1866 an 100,000 Ztr. gewonnen wurden. Nach Langethal erhält man von 1 Hektar ca. 3 Ztr. Öl, außerdem 80-200 Ztr. Stengel und Blätter. Auch die Ölkuchen bilden treffliches Viehfutter. Die Samen können wie Mandeln benutzt werden. Die Sonnenblume wurde gegen Ende des 16. Jahrh. in Europa bekannt und erregte schnell großes Aufsehen, besonders auch durch ihren ausgezeichneten Heliotropismus (s. Pflanzenbewegungen). Mit Bezug auf diesen erschien sie vielfach als Wappen- oder Siegelblume, als Zeichen lehnspflichtiger Ritterschaft, treuer Anhänglichkeit etc.

Heliasten, s. Heliäa.

Helichrysum Gärtn. (Strohblume, Sonnengold, Immerschön), Gattung aus der Familie der Kompositen, meist grau- oder weißwollig oder filzig behaarte Kräuter, Halbsträucher oder Sträucher mit trockenhäutigen Hüllkelchblättern, zu den sogen. Immortellen gehörend. Etwa 260 über die ganze Erde zerstreute Arten, die meisten in Südafrika und Australien, in Deutschland nur: H. arenarium Dec. (Sandimmortelle, gelbes Immerschön, Fuhrmannsröschen), durchaus weißwollig, krautartig, 15-30 cm hoch, perennierend, mit sitzenden, lineal-lanzettlichen, ganzrandigen Blättern und gelben Blütenköpfchen in dichten Doldenrispen, wächst ausdauernd auf sandigen, sonnigen Hügeln und Rainen durch ganz Europa. Die Blüten (gelbe Katzenpfötchen, Goldblumen, Sandruhrkraut oder Strohblümchen) riechen süßlich, schwach gewürzhaft und schmecken gelind zusammenziehend, etwas bitterlich; sie wurden früher medizinisch benutzt. Mehrere andre Arten, wie H. petiolatum Dec., ein Halbstrauch aus Südafrika, namentlich aber H. bracteatum Willd. aus Neuholland, werden als Zierpflanzen kultiviert. Letztere ein- oder zweijährige Art wird 1 m hoch und hat endständige, goldgelbe Blütenköpfchen, die getrocknet und vielfach gefärbt als Immortellen von Malmaison in den Handel kommen.

Heliconia L. (Helikonie, Tafelbanane), Gattung aus der Familie der Musaceen, krautartige Pflanzen im heißen Amerika, den Bananen ähnlich gebaut, werden wegen ihres schönen Wuchses bei uns in Warmhäusern kultiviert. H. metallica Linden trägt 60-90 cm lange, auf der Oberseite lebhaft grüne, seidenglänzende, auf der Unterseite metallartig, rötlich gefärbte Blätter mit perlmutterglänzendem, weißem Mittelnerv.

Hélie (spr. elih), Faustin, franz. Rechtsgelehrter, geb. 31. Mai 1799 zu Nantes, ward 1823 Advokat daselbst und begab sich später behufs weiterer Studien nach Paris, wo er 1827 im Justizministerium angestellt und 1837 zum leitenden Chef des Kriminalamtes ernannt ward. Seit 1848 Professor am Collège de France, ward er das Jahr darauf Rat am Kassationshof und 1855 Mitglied der Akademie. Er starb 22. Okt. 1884 in Passy. Sein Hauptwerk im Verein mit Ad. Chauveau ist die "Théorie du code pénal" (Par. 1834-43, 6 Bde.; 5. Aufl. 1872-73), die als grundlegend gilt, und welcher der "Traité de l'instruction criminelle" (das. 1845-60, 9 Bde.; 2. Aufl. 1863-68, 8 Bde.) folgte, der in Belgien von Nypels und Hanssens bearbeitet ward. Vgl. Boisseau, Éloge de F. H. (Poitiers 1886). - Sein Sohn Faustin Adolphe, geb. 1829 zu Paris, Richter am Seinetribunal, machte sich durch das Werk "Les constitutions de la France" (Par. 1880) bekannt.

Helike, alte Hauptstadt der Ionier in Achaia, an der Mündung des Selinus, mit einem berühmten Tempel des Poseidon, wurde 373 v. Chr. mit der benachbarten Stadt Bura durch ein Erdbeben zerstört und vom Meer verschlungen.

Helikoide (griech.), Schneckenlinie.

Helikon, bei den alten Griechen ein viereckiges Saiteninstrument mit neun Saiten, welches jedoch, wie das Monochord, nur der Tonbestimmung diente und nicht der praktischen Musikübung; bei der heutigen Militärmusik ein Blechblasinstrument von größten Dimensionen (in Kontra-F oder Kontra-Es) und weiter Mensur (Ganzinstrument), kreisrund gewunden, über die Schulter zu tragen.

Helikon (jetzt Zagora, auch Paläo-Vuni), Gebirge im westlichen Böotien, zwischen dem See Kopais und dem Meerbusen von Korinth (1749 m), dessen östlicher Teil namentlich an Quellen, waldigen Schluchten und lieblichen Thälern reich war, von den alten Dichtern als Sitz der Musen gefeiert. An seinem Nordabfall lag der einst den Musen geweihte Hain, eine kleine, im Altertum mit Statuen und Gebäuden geschmückte Hochebene. Unweit davon die Quelle Aganippe (s. d.); zwei Stunden mühsamen Steigens führen von dort zum östlichen Gipfel, wo einst ein Altar des Zeus stand (jetzt eine Kapelle des heil. Elias), und wo die Hippokrene (s. d.) sprudelte.

Helikoniden, eine der vielen Bezeichnungen der Musen, nach ihrem Sitz, dem Berg Helikon (s. d.).

Heliochromie (Photochromatie, griech.), Photographie mit natürlichen Farben, s. Photographie.