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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Henkelkreuz; Henken; Henkenstein; Henker; Henle; Henley

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Henkelkreuz - Henley.

präsident des Konsistoriums und Kurator des Carolinums zu Braunschweig. Er starb 2. Mai 1809 in Braunschweig. Am bekanntesten wurde er durch seine verdienstliche "Allgemeine Geschichte der christlichen Kirche" (neue Aufl., Braunschw. 1795-1806, Bd. 1-6), fortgesetzt von Vater (Bd. 9, 1818-20). Außerdem gab er eine Reihe von Zeitschriften heraus: "Magazin für die Religionsphilosophie, Exegese und Kirchengeschichte" (Helmstädt 1793-1804, 12 Bde.); "Archiv für die neueste Kirchengeschichte" (Weim. 1794-99) etc. Vgl. Wolff und Bollmann, Denkwürdigkeiten aus Henkes Leben (Helmst. 1816).

2) Hermann Wilhelm Eduard, namhafter Kriminalist, geb. 28. Sept. 1783 zu Braunschweig, habilitierte sich 1806 in Erlangen und 1808 in Landshut, ward 1813 Assessor des Stadtgerichts zu Nürnberg, 1814 Professor der Akademie zu Bern, kehrte aber 1832 in sein Vaterland zurück und wurde Mitglied des Oberappellationsgerichts zu Wolfenbüttel; 1833 Geheimer Justizrat und ordentlicher Professor der Rechte an der Universität Halle. 1857 emeritiert, starb er 14. März 1869 in Braunschweig. Sein Hauptwerk ist das "Handbuch des Kriminalrechts und der Kriminalpolitik" (Berl. 1823-38, 4 Bde.).

3) Adolf Christian Heinrich, Mediziner, geb. 12. April 1775 zu Braunschweig, studierte seit 1795 Medizin in Helmstädt und Göttingen, ließ sich 1802 als Arzt in Braunschweig nieder, wurde 1805 Professor in Erlangen, begann daselbst 1809 seine Vorlesungen über Staatsarzneikunde, wurde 1816 Professor der Physiologie, Pathologie und Staatsarzneikunde, 1818 Professor der Therapie und Direktor der klinischen Anstalten und starb 8. Aug. 1843. Er schrieb: "Handbuch der allgemeinen und speziellen Pathologie" (Berl. 1806-1808, 3 Bde.); "Handbuch zur Erkenntnis und Heilung der Kinderkrankheiten" (Frankf. [809, 4. Aufl. 1837); "Lehrbuch der gerichtlichen Medizin" (Berl. 1812; 13. Aufl. von Bergmann, 1859); "Abhandlungen aus dem Gebiet der gerichtlichen Medizin" (2. Aufl., Leipz. 1822-34, 5 Bde.); auch gab er seit 1821 die "Zeitschrift für die Staatsarzneikunde" heraus und schrieb anonym: "Darstellung der Feldzüge der Verbündeten gegen Napoleon 1813 bis 1815" (Erlang. 1814-16, 4 Bde.).

4) Ernst Ludwig Theodor, namhafter Kirchenhistoriker, Sohn von H. 1), geb. 22. Febr. 1804 zu Helmstädt, habilitierte sich 1827 in Jena, wurde 1828 Professor am Carolinum zu Braunschweig, 1833 außerordentlicher Professor in Jena, 1836 Konsistorialrat zu Wolfenbüttel, 1839 Professor der Theologie in Marburg, 1849 zugleich Ephorus des theologischen Seminars. Er starb 1. Dez. 1872. Sein Hauptwerk auf dem Gebiet der Kirchengeschichte ist: "Georg Calixtus und seine Zeit" (Halle 1853-60, 2 Bde.). Außerdem schrieb er: "Papst Pius VII." (Marb. 1860); "Konrad von Marburg" (das. 1861); "Die Eröffnung der Universität Marburg" (das. 1862); "Kaspar Peucer und Nik. Krell" (das. 1865); "Jakob Friedrich Fries, aus seinem handschriftlichen Nachlaß dargestellt" (Leipz. 1867); "Zur neuern Kirchengeschichte" (Marb. 1867). Aus seinem Nachlaß erschienen: "Neuere Kirchengeschichte" (Halle 1875-80, 3 Bde.); "Ergebnisse und Gleichnisse" (Leipz. 1874) und "Vorlesungen über Liturgik und Homiletik" (Halle 1876). Vgl. Mangold, E. L. Th. H. (Marb. 1879).

Henkelkreuz (Halbkrückenkreuz), s. Kreuz.

Henken, s. Hängen.

Henkenstein, s. Gräber, prähistorische, S. 584.

Henker, s. v. w. Scharfrichter (s. d.); Henkersmahlzeit, das Essen, welches dem zum Tod Verurteilten vor der Hinrichtung so, wie er es wünschte, verabreicht wurde und wohl auch noch verabreicht wird; daher scherzweise jedes Abschiedsmahl.

Henle, Friedrich Gustav Jakob, Mediziner, geb. 9. Juli 1809 zu Fürth in Franken, studierte 1827-1832 zu Bonn und Heidelberg, wurde dann unter Rudolphi Gehilfe am anatomischen Museum zu Berlin und 1834 unter Joh. Müller Prosektor an der Anatomie daselbst. Als Mitglied der Burschenschaft verurteilt, doch begnadigt, konnte sich H. erst 1837 als Privatdozent zu Berlin habilitieren, wo er über mikroskopische Anatomie und allgemeine Pathologie las, bekleidete dann 1840-44 in Zürich eine Professur der Anatomie und später auch der Physiologie und ging 1844 nach Heidelberg als zweiter Professor der Anatomie. Hier las er, nachdem ihm 1849 auch die Direktion der anatomischen Anstalt zugefallen war, acht Jahre lang über Anatomie, Physiologie, Pathologie und Anthropologie mit außerordentlichem Erfolg. Er publizierte in dieser Zeit auch sein berühmtes "Handbuch der rationellen Pathologie" (Braunschw. 1846-52; Bd. 1, 3. Aufl. 1855; Bd. 2, 2. Aufl. 1855), durch welches die sogen. rationalistische Schule geschaffen wurde, in welcher die von Friedr. Hoffmann zu Anfang des 18. Jahrh. ausgegangene Idee, daß alle Krankheitszustände von den Nerven ihren Ausgang nähmen (Neuropathologie), wieder ihre Vertretung fand und das Bestreben sich hervorthat, sämtliche pathologische Beobachtungen an der Hand bekannter physiologischer Thatsachen zu erklären und auf Grund der letztern Heilung der Krankheiten zu ermöglichen. Die Neuropathologie war aber einseitig, die physiologisch-rationalistische Richtung verfrüht und führte zum Konstruieren. H. folgte 1852 dem Ruf als Professor der Anatomie und Direktor der anatomischen Anstalt nach Göttingen, wo er 13. Mai 1885 starb. Sein Hauptwerk ist sein "Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen" (2. Aufl., Braunschw. 1876-79, 3 Bde.), welches sich von allen andern anatomischen Werken durch strenge Durchführung einer rationellen anatomischen Terminologie unterscheidet. H. schrieb außerdem: "Über Schleim- und Eiterbildung" (Braunschw. 1838); "Vergleichend-anatomische Beschreibung des Kehlkopfes" (Leipz. 1839), eine Arbeit über die allmähliche Entwickelung der Funktionen des Kehlkopfes von den niedrigsten Tieren bis zum Menschen; "Pathologische Untersuchungen" (das. 1840); "Handbuch der allgemeinen Anatomie" (das. 1841, als 6. Teil der neuen Ausgabe von Sömmerrings "Anatomie"); "Zoologische Beschreibung der Haifische und Rochen" (mit J. Müller, Berl. 1841); "Anthropologische Vorträge" (Braunschw. 1876-80, 2 Hefte); "Anatomischer Handatlas zum Gebrauch im Seziersaal" (das. 1874-77); "Grundriß der Anatomie des Menschen" (mit Atlas, 2. Aufl., das. 1883). Auch lieferte H. Jahresberichte über Pathologie und Anatomie für Müllers "Archiv" (1838-42), über allgemeine Anatomie für Canstatts "Jahresbericht" (1844-48) und über spezielle und allgemeine Anatomie von 1849 bis 1855. Letztere setzte er in der von ihm 1841 mit Pfeufer begründeten "Zeitschrift für rationelle Medizin" fort.

Henley (spr. hénnli), Joseph Warner, engl. Staatsmann, geb. 1793, studierte zu Oxford, war Friedensrichter und Deputy Lieutenant (Verwaltungskommissar der Miliz) für Oxfordshire und vertrat diesen Bezirk seit 1841 im Unterhaus. Er schloß sich der konservativen Partei an und wurde 1852 Präsident des Handelsamtes in Lord Derbys erstem Ministerium, mit dem er indes noch in demselben Jahr zurücktrat.