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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herauch

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Herat - Herauch.

Asa foetida, Safran, Pistazien, Harz und Manna zur Ausfuhr kommen. Die Bewohner sind im Grundstock Perser, wurden aber im Lauf der Jahrhunderte mit türkischem Blut so stark vermischt, daß sie weniger schön sind als die Perser und Afghanen. Nomaden sind nur im SO. zahlreich. Vgl. Malleson, H., the granary and garden of Central Asia (Lond. 1880).

Die Stadt H., Hauptstadt der Provinz, heißt ihrer fruchtbaren Umgebung wegen bei den Persern "Perle der Welt" und liegt im schönen Thal des Heri Rud, mit dem sie durch Wasserleitungen verbunden ist, und bildet ein längliches Viereck, das früher von einer in 15 m hohen Lehmmauer mit sechs Thortürmen aus Ziegeln und mit einem Wassergraben umgeben war, in neuester Zeit aber mit Hilfe englischer Offiziere zu einem stark befestigten Waffenplatz umgeschaffen wurde. Die Hauptstraße geht vom Nordost- zum Südthor, hier konzentriert sich Handel und Verkehr, hier liegen die Bazare und Karawanseraien; im übrigen bildet H. ein Labyrinth von engen und schmutzigen Gassen mit schmalen Häusern und von allerlei Unrat angefüllt. Im NW. liegt die aus Ziegeln aufgeführte Citadelle Chakhar Bagh. Die große Moschee ist in Verfall. Mit Wasser wird die Stadt durch eine Leitung aus dem Heri Rud versorgt. In der Umgegend erinnern zahlreiche Ruinen an den ehemaligen Glanz der Stadt. Die Zahl der Einwohner (Perser, Afghanen, Tadschik, Belutschen, Tataren, Hindu, Juden) wurde 1878 vom Obersten Swodekow auf 50,000 geschätzt, deren bedeutendste Industrieerzeugnisse Schwerter, Teppiche, dann Röcke und Mützen aus Lammfell sind. Strategisch bildet H. den Schlüssel zu Afghanistan und Indien von W. her; über H. nahmen alle persischen Eroberer den Weg nach Indien, der ganze Karawanenhandel folgt noch jetzt einzig dieser Straße. Daher die wiederholten Anstrengungen der Perser, H. in ihre Gewalt zu bringen, und die Bemühungen der Russen wie Engländer, ja von seiten der letztern sogar 1856 ein Krieg gegen das von Rußland abhängige Persien, um Afghanistan den Besitz von H. zu erhalten.

H., in den altpersischen Schriften Haräva, bei den alten Geographen Aria genannt, wurde bei der Eroberung Persiens durch die Kalifen im 7. Jahrh. mit ganz Chorasan dem Kalifat unterworfen. 1036 von den Seldschukken erobert, nahmen in der Mitte des 12. Jahrh. die Sultane von Ghor ihren Hauptsitz in H., und die Stadt erreichte unter ihnen eine hohe Blüte. Ende des 12. Jahrh. fiel H. in die Hände der Schahs von Chorazm und 1220 in die Dschengis-Chans, welcher die Stadt zerstören ließ. Wieder aufgebaut, wurde sie 1291 nochmals von den Mongolen zerstört. 1381 mußte sie sich mit Chorasan Timur unterwerfen; dessen Nachfolger ließen aber die frühern Fürsten gegen Zahlung eines Tributs fortbestehen. 1507 wurde die Stadt von den Uzbeken erobert, kam 1510 durch Ismael Sophi an Persien und blieb bei diesem, bis sie 1715 von den Afghanen erobert, an Persien 1735 wieder verloren, aber 18 Jahre später zurückerhalten wurde. Zu einer selbständigen staatlichen Existenz gelangte H. 1823 mit Kamran, der den Titel Sultan annahm, den Persern gegen die Russen zu Hilfe eilte, aber am Kampf im Kaukasus und an der Niederlage der Perser wegen Friedensschlusses nicht mehr teilnahm. Während des englisch-afghanischen Kriegs (1838-42) nahmen die Perser das alte Projekt wieder auf, H. an sich zu bringen; der Versuch scheiterte aber an der Kriegstüchtigkeit der Herati und an dem diplomatischen Schutz, den sie bei den Engländern fanden. Eine zahlreiche englische Gesandtschaft unter Major Todt, deren Mitglieder bis nach Chiwa vordrangen, befestigte den englischen Einfluß. Zu neuer Einmischung Persiens kam es 1852, als Jar Mohammed Chan starb, der sich 1842 durch Ermordung des Fürsten vom Minister zum Herrscher emporgeschwungen hatte. Seinem Sohn machte der energische Dost Mohammed, Emir von Afghanistan, den Thron streitig und zog mit starker Heeresmacht gegen H.; die Stadt war dem Fall nahe, als die Vorstellungen des englischen Gesandten die Aufhebung der Belagerung bewirkten. Persien verpflichtete sich dabei England gegenüber, gegen die Länder von Afghanistan keinen Angriff zu machen, ohne zuvor Englands Vermittelung angerufen zu haben. 1856 erneuerte Persien den Krieg gegen H.; eine Expedition der Engländer in den Persischen Meerbusen hatte jedoch die Zurückziehung der Truppen zur Folge, und der Vertrag wurde im Frieden von Paris (4. März 1857) bestätigt. Die Perser hatten vor ihrem Abzug Ahmed Chan, genannt Dschan, den Schwiegersohn Dost Mohammeds, als Sultan eingesetzt; dieser bezog von Persien Waffen und Kanonen, ließ Münzen im Namen des Schahs schlagen, und Persien hätte ohne den Übermut des Fürsten von H. vielleicht seinen Zweck erreicht. Zu Anfang 1861 begannen Zwistigkeiten zwischen H. und Afghanistan, weil ersteres die Fürsten von Ghor, das es sich 1845 unterworfen hatte, zu Räubereien in Farrah anreizte; im Juni 1862 zog der Sultan von H. seinen Parteigängern, als sich der afghanische Gouverneur zu ihrer Züchtigung anschickte, mit 8000 Mann und 3 Kanonen zu Hilfe und schlug jenen bei Kilatgak, 10 km von Farrah, aufs Haupt. Nun sammelte Dost Mohammed, der Emir von Afghanistan, bei Girischk am Hilmend seine Truppen, führte sie in unaufhaltsamem Zug vor H., nahm es ein und gab es der Plünderung preis. Seitdem verblieb H. bei Afghanistan. Weiteres s. Afghanistan, Geschichte.

Herauch (Heerrauch, Hehrrauch, Haarrauch ["Haaren" heißen in einigen Gegenden Anhöhen in der Nähe von Mooren], auch Höhenrauch, Heiderauch, Land-, Moor-, Sonnenrauch), ein trockner Nebel (s. Nebel), eine Trübung der Atmosphäre, die während des Herauchs in der Regel sehr trocken ist und von einem rauchähnlichen, bläulichgrauen Dunste durchzogen wird, welcher die entfernten Gegenstände nebelförmig verschleiert. Bei größerer Stärke des Rauches erscheint die Sonne strahlenlos, als eine gelblichrote, oft als eine rötliche oder bräunlichrote Scheibe. Der Rauch erregt die Geruchsorgane durch seinen brenzlig-bituminösen, etwas stechenden Geruch und macht überhaupt einen unangenehmen Eindruck auf den menschlichen Körper. Derartige Erscheinungen sind vielfach beobachtet, von besonderer Stärke und Ausdehnung im Jahr 1783, wo sich diese Trübung zuerst vereinzelt, aber vom 18. Juni an in dem größten Teil Europas, ja bis nach Asien und Afrika hin zeigte. Am häufigsten treten diese Nebel im nordwestlichen Deutschland und in Holland auf und zwar in den Monaten Mai, Juni und Juli; sie erstrecken sich aber auch auf die anstoßenden Länder, und in allen Erdteilen ist das Phänomen temporär mehr oder minder entwickelt beobachtet worden. Ebenso wie der H. des Jahrs 1783 aus den großartigen vulkanischen Ausbrüchen erklärt wird, die in diesem Jahr in Kalabrien und Island stattfanden, erscheint der im nordwestlichen Deutschland alljährlich auftretende H. als Folge des Moorbrennens. Wird auf den Mooren stark gebrannt, so