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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Héricourt; Hering

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Héricourt - Hering.

Héricourt (spr. erikuhr), Stadt im franz. Departement Obersaône, Arrondissement Lure, an der Lisaine und der Eisenbahn Belfort-Dijon, mit Resten eines Schlosses, alter Kirche, (1881) 3523 Einw., Baumwollindustrie und Gerberei. H. ist bekannt geworden durch den Sieg der Schweizer über das burgundische Heer 14. Nov. 1474 und durch die Kämpfe Werders gegen Bourbaki 15.-17. Jan. 1871 (s. Belfort, Schlacht bei), in denen es einen wichtigen Punkt der deutschen Schlachtlinie bildete.

Hering (Clupea Cuv.), Gattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Heringe (Clupeoidei), Fische mit stark zusammengedrücktem Leib, mit Kielschuppen bekleidetem Bauch, großen, dünnen, leicht abfallenden Schuppen, nacktem Kopf, nicht vorspringendem Oberkiefer, weiter bis zur Kehle reichender Kiemenspalte, rudimentärer, hinfälliger oder fehlender Bezahnung, den Bauchflossen gegenüberstehender Rückenflosse und gabeliger Schwanzflosse. Der gemeine H. (C. harengus L., s. Tafel "Fische I"), über 18-36 cm lang, mit kleinen, schmalen Brust- und Bauchflossen, mittelständiger Rückenflosse, weit nach hinten gerückter, schmaler Afterflosse und tiefgegabelter Schwanzflosse, auf der Oberseite meergrün oder grünblau, auf der Unterseite und am Bauch silberfarben, mit dunkler Rücken- und Schwanzflosse und hellfarbigen Brust-, Bauch- und Afterflossen. Er findet sich im nördlichen Atlantischen Ozean, im Nördlichen Eismeer und an der Nordostküste von Asien, in der Nord- und Ostsee, ist bei Island, Finnmarken, Grönland selten und geht südlich über die französische Nordküste nicht hinaus. In den andern europäischen Meeren wird er durch andre Arten ersetzt, und auch der an der nordamerikanischen Ostküste südlich bis Carolina in ungeheuern Scharen (besonders in der Chesapeakebai) auftretende H. ist artlich verschieden von unserm H. Von letzterm unterscheidet man mehrere wissenschaftlich schwer definierbare, dem geübten Blick des Fischers aber leicht erkennbare Rassen, die auch in den Lebensgewohnheiten voneinander abweichen. Alle Rassen lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen: Hochsee- oder pelagische Stämme, zu welchen die größten und für den Fischfang wichtigsten Heringsscharen an den norwegischen und britischen Küsten gehören, und Küsten- oder litorale Stämme. Letztere sind kleiner, in der Nordsee weit weniger zahlreich als die Hochseestämme, in der Ostsee aber bei weitem vorherrschend. In der östlichen Ostsee kommen außerdem noch die kleinen Strömlinge vor. Der größte und fetteste ist der der Shetlandinseln und der norwegischen Küste, etwas kleiner ist der der holländischen und englischen Küste, am kleinsten der Ostseehering. Der H. lebt nahe der Oberfläche des Meers, selten tiefer als 20 m, und nährt sich als Raubfisch hauptsächlich von sehr kleinen Krustentieren (Kopepoden). Er hält sich in größern oder kleinern Stämmen zusammen, und jeder derselben bewohnt ständig einen verhältnismäßig eng begrenzten Bezirk. Zur Laichzeit kommen alle Heringe, bestimmten Straßen folgend, an die Küsten, wo die Küstenstämme auch außerhalb der Laichzeit verweilen. Die Laichzeit ist bei den einzelnen Rassen verschieden, mit Ausnahme des Juni und Dezembers fängt man in allen übrigen Monaten Stücke mit strotzenden Hoden und Eierstöcken. Die Hauptlaichzeit währt vom Januar bis März oder April und eine zweite vom Juli bis November; in der westlichen Ostsee fällt sie in die Monate April, Mai und September, Oktober. Es erscheinen dann zahllose Scharen in Zügen von meilenweiter Länge und Breite (Bänke), in denen die Fische so gedrängt schwimmen, daß Boote, welche dazwischenkommen, in Gefahr geraten. Unter diesen Umständen wird leicht der größte Teil der frei ins Meer austretenden Eier durch den sich gleichförmig im Wasser verteilenden Samen befruchtet. Das Erscheinen der Heringe an bestimmten Orten ist sehr unsicher; auch besitzt man keine untrüglichen Anzeichen, welche auf dasselbe vorbereiten. Die Fischchen schlüpfen bei 3-5° in 40 Tagen, bei 10° in 11 und bei höherer Temperatur in 6-8 Tagen aus; sie sind 5-8 mm lang, verwandeln sich bei 2,5-2,8 cm Länge aus der durchsichtigen, länger gestreckten Larvenform in die definitive Form und sind nach dieser Umwandlung Ende Juli 4,5-5,5 cm lang. Der einjährische Fisch ist an der Ostküste Schleswigs 13-14, der kleinste laichreife 16-17,5 cm lang und dann wohl zwei Jahre alt. Der sich etwas anders entwickelnden Herbstgeneration ist es zuzuschreiben, daß zu jeder Jahreszeit Fische verschiedener Größe und Ausbildung gefangen werden. Die jungen Fische steigen etwa im Lauf des ersten Jahrs in die tiefern Wasserschichten hinab. Mit den Heringszügen erscheinen auch Wale und zahlreiche Raubfische, welche sich in dieser Zeit ebenso wie die Meervögel fast ausschließlich von Heringen ernähren; viel größere Mengen der letztern werden aber gefangen, und zum Teil verfährt man dabei so rücksichtslos, daß gewisse Meeresteile bereits völlig ausgefischt sind. Die Heringsfischerei ist stets eine Art Glücksspiel, denn Jahre nacheinander erscheinen die Heringe an einem bestimmten Ort zu Milliarden, um dann plötzlich auszubleiben. Man fängt sie teils in kleinen, offenen Booten in der Nähe der Küsten, teils in größern, seetüchtigen Fahrzeugen, welche auf offener See eine geschätztere Ware erzielen. Zum Fang werden große Netze ausgestellt, welche auf einmal 800,000-1,600,000 Heringe liefern. Durch besondere Netze (Wate) sperrt man aber auch ganze Fjorde und Buchten ab, in welche die Heringe eingedrungen sind, und erbeutet dann oft mehrere Tausend Tonnen, jede einzelne zu 24,000 Stück gerechnet.

Man unterscheidet Matjes- (Jungfern-) Heringe, die noch nicht geschlechtsreif sind, geschlechtsreife Vollheringe und die geringwertigen Hohlheringe (Ihlen, Schotten), welche gelaicht haben. Der frische (grüne) H. ist sehr schmackhaft und wird an den Küsten in großer Menge verzehrt. London verbraucht davon jährlich 900,000 Fässer à 700 Stück, und in den letzten Jahren sind auch bei uns größere Mengen ins Binnenland gebracht worden. Der bei weitem größte Teil der Heringe wird aber eingesalzen und bildet dann einen der wichtigsten Handelsartikel. Als solcher trat der Salzhering schon im frühen Mittelalter auf und bildete eine Hauptware des Hansabundes. Am eifrigsten betrieben aber die Holländer den Heringsfang, welcher sich besonders seit dem Anfang des 15. Jahrh. hob, nachdem Wilhelm Bökel (Beukelsz) eine neue Art des Einsalzens erfunden hatte. Zu Anfang des 17. Jahrh. setzten die Holländer für 90 Mill. Mk. Ware ab; alljährlich 24. Juni lief die Heringsflotte, 12,000 besegelte Schiffe stark, vom Texel aus nach Norden, um an den englischen und schottischen Küsten, den Shetlands etc. zu fischen. An den holländischen Küsten gefangene Heringe haben nie eine große Rolle gespielt. Seitdem auch in England und Schottland der Eifer für den Heringsfang erwacht ist, hat die holländische Heringsfischerei sehr an Bedeutung verloren, und der Ertrag ist auf 4,5 Mill. Mk. gesunken; aber holländische Heringe sind immer noch wegen