Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hering; Heringe; Heringen; Heringsbüse; Heringsdorf

420

Hering - Heringsdorf.

guter Zubereitung besonders beliebt, obwohl man gegenwärtig alle ausgesuchte, gute und fette Ware als holländische zu bezeichnen pflegt. Die Holländer fahren in großen, seetüchtigen Büsen (Buisen) noch immer in der alten Richtung, salzen und verpacken die gefangenen und ausgeweideten Fische sofort und übergeben sie den schnell segelnden Transportschiffen (Heringsjägern), welche sie alsbald auf die Märkte bringen. Dies geschieht besonders mit den Matjesheringen, von denen die ersten und feinsten mit 5 Gulden pro Stück und dann noch tagelang mit 1 Gulden bezahlt werden, während die Vollheringe, nur vorläufig gesalzen, von den Buisen selbst heimgebracht und zu Hause marktfertig gemacht werden. In England wurde der Heringsfang bis 1830 von der Regierung subventioniert; noch gegenwärtig sind Regierungskommissare zur Prüfung und Stempelung der Ware angestellt, doch wird nur etwa die Hälfte der Ware gestempelt. Die Hauptfangzeit fällt in August, September und Oktober, und die Ware ist sehr verschieden je nach der Lokalität, von der sie stammt. Wick und Dunbar sind die Hauptheringshäfen Schottlands, an der englischen Küste ist Yarmouth der Zentralpunkt. In Norwegen ist die Küste zwischen Bergen und Stavanger besonders ertragreich; man fischt im August und von Mitte Januar bis Ende März, und eine Telegraphenleitung längs der Küste benachrichtigt die Fischer von allem, was sie interessieren kann. In Deutschland betreibt allein die Heringsfischereigesellschaft in Emden den Fang im großen; unbedeutend ist der Heringsfang in der Ostsee, wo die im Frühling laichenden Fische den Hauptertrag der Fischerei bilden; der schwedische H. ist wohlfeil und gut gesalzen; die kleine und ebenfalls gut gesalzene Ware an der deutschen Ostseeküste geht als Küsten- oder Strandhering. Die Tonne Heringe faßt 400-1200 Stück; man unterscheidet Seepack, unsortierte Ware in erster Verpackung, und Brandhering, an den Handelsplätzen sortierte, umgepackte Ware in amtlich gestempelten Fässern. Als Bückling (s. d.) kommt der H. leicht gesalzen und geräuchert in den Handel. Außerdem hat man nordische Gewürzheringe, d. h. Matjesheringe, mit Essig und starken Gewürzen haltbar gemacht, Der junge H. spielt als Whitebait eine große Rolle in England. Man hat ihn für eine eigne Art gehalten und Rogenia alba Val. genannt; er wird an einigen Stellen der englischen Küste, besonders in der Themsemündung, gefangen und ist am meisten geschätzt, wenn er 4-10 cm lang ist. Die englischen Minister gehen jährlich vor der Vertagung des Parlaments nach Greenwich, um dort ein Whitebait-dinner zu geben, und auch manche Londoner Körperschaften befolgen diese Sitte. Die Gesamtzahl der jährlich gefangenen Heringe kann man auf 10,000 Mill. schätzen. Vgl. Mitchell, The herring, its natural history and national importance (Lond. 1864); Heincke, Die Varietäten des Herings (Berl. 1878); Ljungman, Die Heringsfischerei (Stett. 1880).

Hering, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, am Fuß des Otzbergs, auf dem ein festes Bergschloß steht (früher Staatsgefängnis, jetzt unbewohnt), mit (1885) 463 meist evang. Einwohnern.

Hering, 1) Eduard von, Mediziner, geb. 20. März 1799 zu Stuttgart, studierte 1819-22 Tierheilkunde in Tübingen, Wien und München, ward 1822 Lehrer der Anatomie, Physiologie und Heilmittellehre an der Tierarzneischule in Stuttgart, übernahm 1828 auch die Klinik und führte sie bis 1858 fort, nachdem er eine ambulatorische Rindviehklinik damit verbunden hatte. 1824-31 lehrte er daneben in Hohenheim, und seit 1832 wurde er auch bei dem königlichen Medizinalkollegium beschäftigt, wo er namentlich das Gesetz über die Gewährsmängel bearbeitete. Seit 1835 lehrte H. spezielle Pathologie und Operationslehre, 1842 wurde er zum Medizinalrat, 1862 zum Obermedizinalrat ernannt, und von 1859 bis 1872 war er Obertierarzt und Referent im Kriegsministerium. 1869 trat er von der Direktion der Tierarzneischule und 1872 von allen übrigen Funktionen zurück. Er starb 28. März 1881 in Stuttgart. H. bestimmte in wiederholten zahlreichen Untersuchungen die Schnelligkeit des Blutumlaufs und die Druckkraft des Herzens und arbeitete über die Krätzmilben der Tiere. 1863 rief er die internationalen Versammlungen der Tierärzte ins Leben und präsidierte der ersten Versammlung in Hamburg. Er schrieb: "Physiologie für Tierärzte" (Stuttg. 1832); "Tierärztliche Arzneimittel" (das. 1846; 3. Aufl. von Weiß, 1870); "Spezielle Pathologie und Therapie für Tierärzte" (das. 1842, 3. Aufl. 1858); "Handbuch der tierärztlichen Operationslehre" (das. 1857; 4. Aufl. von Vogel, 1885); "Vorlesungen für Pferdeliebhaber" (das. 1834, mit Zeichnungen von Baumeister); "Biographisch-litterarisches Lexikon der Tierärzte" (mit Schrader, das. 1863); "Etymologisches Wörterbuch für Tierärzte" (das. 1871). Er redigierte von 1839 bis 1876 das "Repertorium der Tierheilkunde" und bearbeitete 1846-65 den tierärztlichen Teil des Canstattschen "Jahresberichts".

2) Ewald, Physiolog, geb. 1834 zu Altgersdorf in Sachsen, studierte Medizin, ließ sich 1860 als Arzt in Leipzig nieder, habilitierte sich 1862 als Privatdozent für Physiologie an der dortigen Universität, wurde 1865 Professor der Physiologie und medizinischen Physik an der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie in Wien und 1870 in Prag. Seine Arbeiten (z. B. in Hermanns "Handbuch der Physiologie") betreffen hauptsächlich die Psychophysik, auch lieferte er Untersuchungen über den Raumsinn des Auges, wobei er die nativistische Theorie im Gegensatz zur rein empiristischen von Helmholtz vertrat; er bekämpfte das Fechnersche psychophysische Grundgesetz und stellte eine neue Farbentheorie auf. Auch schrieb er: "Das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten Materie" (2. Aufl., Wien 1876).

Heringe (Clupeoidei), Familie der Knochenfische aus der Unterabteilung der mit Bauchflossen versehenen Physostomen (Physostomi abdominales, deren Schwimmblase einen Ausführungsgang besitzt; s. Fische, S. 296). Sie leben meist im Meer und nähren sich hauptsächlich von kleinen Krebsen (Kopepoden); zur Laichzeit kommen sie an die Küsten und werden dann gefangen. Die Schuppen sind groß und dünn und fallen sehr leicht ab; der Kopf ist nackt. Nach der Form des Mundes unterscheidet man mehrere Gruppen; von den zahlreichen Gattungen und Arten sind am wichtigsten: Hering (Clupea) mit Sardelle, Sprotte und Pilchard, Anschovis (Engraulis), Alse oder Maifisch (Alosa). Fossil sind H. aus den tertiären Schichten bekannt.

Heringen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Sangerhausen, an der Helme und der Linie Halle-Münden der Preußischen Staatsbahn, in der Goldenen Aue, hat ein Amtsgericht, ein altes, früher gräflich Hohnsteinsches, jetzt gräflich Stolberg-Stolbergsches Schloß, eine Zuckerfabrik und (1885) 2318 evang. Einwohner.

Heringsbüse, s. Büse.

Heringsdorf, Dorf und stark besuchtes Seebad in der preuß. Provinz Pommern, auf der Insel Usedom,