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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hermanrich; Hermanubis; Hermäon; Hermaphroditismus; Hermaphroditos

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Hermanrich - Hermaphroditos.

Postdirektion, der sächsischen Nations-Universität, des Vereins für siebenbürgische Landeskunde, des Siebenbürgischen Karpathenvereins und hat viele Lokalvereine (naturhistorische, landwirtschaftliche, Musikverein mit Musikschule etc.), eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, 3 Geldinstitute und 4 Zeitungen. Beliebte Spaziergänge und Ausflugsorte sind: die Stadtpromenade mit prächtiger Aussicht auf das Hochgebirge (Negoi und Szurul), die Erlenpromenade, der Jungewald mit 7-8 Jahrhunderte alten Eichen, der Alte Berg mit Villen und Weingärten, das freundliche Dorf Hammersdorf, das Bad Vizakea (Salzburg), Heltau, Michelsberg und der Roteturmpaß. Von H. führt die 36 km lange, zum Teil in Felsen gehauene Karolinenstraße an der Aluta durch den Rotenturmpaß nach Rumänien.

H. gehört zu jenen deutschen Ansiedelungen, die der ungarische König Geysa II. (1141-61) ins Land gerufen, hieß ursprünglich Villa Hermanni, war von Anfang an ein Mittelpunkt deutschen Rechtslebens in Siebenbürgen und wurde schon 1224 Vorort jener deutschen Kolonistengruppen, welche der ungarische König Andreas II. zu Einem Gau vereinigte. 1438 und 1442 wurde H. von den Türken und 1526 im Krieg um die ungarische Krone zwischen Ferdinand von Österreich und Johann Zápolya von den Anhängern des letztern belagert, 1610 vom siebenbürgischen Fürsten Gabriel Báthori durch List eingenommen und geplündert. Vgl. Seivert, Die Stadt H. (Hermannst. 1856); Teutsch, Geschichte der siebenbürger Sachsen (Leipz. 1874); "H. und Umgebung" (Hermannst. 1884).

Hermanrich (Ermanarich), König der Goten, einer der berühmtesten Helden aus dem Geschlecht der Amaler, der Begründer der ostgotischen Macht zu Anfang des 4. Jahrh., unterwarf viele germanische und slawische Stämme seiner Herrschaft, die vom Don bis zur Theiß, von der Donau bis zur Ostsee reichte. Selbst die Westgoten anerkannten Hermanrichs Oberherrschaft. Als sich der Hunnenkönig Balamir gegen ihn, der gerade an einer Wunde siech daniederlag, rüstete, stürzte sich der fast 100jährige Held, am Sieg verzweifelnd und die Gefahr, seinen Ruhm zu überleben, fürchtend, in sein Schwert (636). Hermanrichs Sohn Withimer wurde von den Hunnen besiegt und erschlagen, und ein Teil der Goten unterwarf sich nun denselben. In der Heldensage heißt H. Ermrich (s. d.).

Hermanubis, s. Anubis.

Hermäon (griech.), ein unverhoffter guter Fund (als Geschenk des Hermes).

Hermaphroditismus (griech., Zwitterbildung), das Vorkommen männlicher u. weiblicher Geschlechtsorgane bei einem und demselben Individuum. Sehr verbreitet ist der H. bei den Pflanzen und bei den niedern Tieren, indessen ist er in der Regel nur ein morphologischer, d. h. es findet keine Selbstbefruchtung statt, vielmehr werden gewöhnlich die Eier eines zwitterigen Individuums (Hermaphroditen) von dem Samen des andern und umgekehrt befruchtet (sogen. Wechselkreuzung), oder es dient bei der geschlechtlichen Vereinigung der eine Hermaphrodit nur als Männchen, der andre nur als Weibchen, oder endlich, es entwickeln sich die beiderlei Geschlechtsorgane nacheinander zur Reife, so daß der Hermaphrodit zu einer Periode seines Lebens physiologisch nur ein Männchen, zu einer andern nur ein Weibchen sein kann. In der Jugend haben überhaupt viele, selbst höhere, Tiere die Anlagen zum H. in sich, während sie sich später unter Rückbildung eines Teils der anfänglich zwitterigen Geschlechtsorgane streng getrenntgeschlechtig zeigen. Dies ist z. B. bei Fröschen und Kröten der Fall. Zeitlebens Hermaphroditen sind unter den Wirbeltieren in normaler Weise nur einige Fische (z. B. Arten von Serranus, nicht aber, wie vielfach geglaubt wird, der Aal). - Die menschlichen sogen. Zwitter sind entweder männlichen oder weiblichen Geschlechts, nie beides zusammen, also nie echte Zwitter; bei den männlichen Zwittern nähert sich die Bildung der Geschlechtsteile wie die des ganzen Körpers mehr oder weniger dem weiblichen Habitus, während umgekehrt weibliche Zwitter nach der Bildung ihrer Geschlechtsteile und ihrem ganzen körperlichen Habitus für Männer gehalten werden können. Entscheidend ist allein die Natur der Keimdrüsen. Ein Zwitter mit (verborgenen) Hoden, d. h. mit einer Keimdrüse, welche Samenfäden produziert, ist eben als Mann zu betrachten, mag sonst sein Körper und seine Geschlechtsteile sich verhalten, wie sie wollen. Ein Zwitter mit einer Keimdrüse, in welcher Eier gebildet werden, ist dagegen weiblichen Geschlechts, wenn er auch, äußerlich betrachtet, mehr wie ein Mann aussehen mag. Die meisten menschlichen sogen. Zwitter sind männlichen Geschlechts. Der männliche H. ist eine Hemmungsmißbildung, bei welcher die Entwickelung der äußern männlichen Genitalien auf einer Stufe stehen bleibt, welche für einen 9-10 Wochen alten Embryo normal ist. Der Penis ist nur 2-3 cm lang und sieht aus wie ein großer weiblicher Kitzler; an Stelle der Harnröhre trägt der Penis eine nach hinten offene, mit Schleimhaut ausgekleidete Furche, welche an der Wurzel des Penis in die Mündung des Canalis urogenitales ausläuft. Der Hodensack ist in zwei seitliche Hälften gespalten, welche wie große Schamlippen aussehen. Diesen Zustand nennt man am besten Hypospadie, ein damit behaftetes Individuum Hypospadiäus. Als Komplikationen desselben kommt ein Zurückbleiben der Hoden in der Bauchhöhle (Kryptorchie) vor. Von einer Zwitterbildung sollte man erst dann sprechen, wenn die Hemmung auch die Müllerschen Gänge trifft, so daß diese, anstatt sich zurückzubilden, wie beim Weib, eine Scheide und Gebärmutter formieren. Der weibliche H. unterscheidet sich von dem letztbeschriebenen männlichen Hypospadiäus mit Scheide und Uterus nur dadurch, daß er statt der Hoden Eierstöcke besitzt. Da die Keimdrüsen bei beiden Formen oft rudimentär sind, ja in mehreren neuern Fällen durch Geschwulstbildungen total entartet gefunden wurden, so kann die Feststellung des eigentlichen Geschlechts oft äußerst schwierig sein und genaueste Sachkenntnis und mikroskopische Untersuchung erfordern. Die Jurisprudenz erkennt keine Unentschiedenheit des Geschlechts an. Nur aus Mißverständnis zählt man zu den Zwitterbildungen Fälle von großen, milchabsondernden Brüsten und kleinem Penis beim männlichen, kleinen Brustdrüsen und abnorm großem Kitzler beim weiblichen Geschlecht. Mit diesen unregelmäßigen Bildungen ist häufig eine Veränderung im Habitus und in den Neigungen vorhanden, indem Männer kaum einen Bart, eine weibliche Stimme, Neigung zu weiblichen Geschäften und keine Zuneigung zu Weibern haben (weibische Männer), die Weiber hingegen einen Bart bekommen, eine tiefere, männliche Stimme haben und sich mehr zu den Beschäftigungen der Männer hinneigen (Mannweiber, viragines).

Hermaphroditos, in der griech. Mythologie der Sohn des Hermes und der Aphrodite, der die Schönheit beider geerbt hatte. Auf dem Ida erzogen, kam er im 15. Jahr nach Karien, wo ihn die Nymphe der Quelle Salmakis, in der er sich badete, vergeblich um