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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hermes; Hermes Trismegistos; Hermesfeuer; Hermesianax; Hermeskeil

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Hermes (Personenname) - Hermes Trismegistos.

nen Statue im Kapitol zu Rom und in einer zierlichen Bronzestatuette des Britischen Museums. In römischen Bildwerken sind ihm häufig Hahn und Widder beigegeben (Fig. 3). Vgl. Wehrmann, Das Wesen und Wirken des H. (Magdeb. 1849 u. 1852); Kuhn in der "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 6, S. 125 ff.; H. D. Müller, Mythologie der griechischen Stämme, Bd. 2 (Götting. 1869); Mehlis, Die Grundidee des H. vom Standpunkt der vergleichenden Mythologie (Erlang. 1875); Roscher, H., der Windgott (Leipz. 1878).

^[Abb.: Fig. 3. Mercurius (Relief einer Silbervase in Neuwied).]

Hermes, 1) Johann Timotheus, Schriftsteller, geb. 31. Mai 1738 zu Petznick bei Stargard, studierte in Königsberg Theologie, bekleidete mehrere geistliche Ämter und starb als Superintendent und Professor der Theologie zu Breslau 24. Juli 1821. H. war seiner Zeit ein gefeierter Romanschriftsteller; seine Anregungen empfing er von den englischen Romandichtern (Richarden) und von Wieland. Unter seinen Schriften erregten die "Geschichte der Miß Fanny Wilkes" (Leipz. 1766, 2 Bde.; 3. Aufl. 1781), "Sophiens Reise von Memel nach Sachsen" (das. 1770-75, 5 Bde.; 3. Aufl. 1778, 6 Bde.) und "Für Töchter edler Herkunft" (das. 1787, 3 Bde.), namentlich aber der zweitgenannte Roman, ein gewisses Aufsehen.

2) Georg, der Begründer einer philosophisch-dogmatischen Schule in der katholischen Kirche, geb. 22. April 1775 zu Dreyerwalde, ward 1807 Professor der Dogmatik in Münster und 1819 an der Universität zu Bonn, wo er 26. Mai 1831 starb. In seinen Schriften: "Untersuchungen über die innere Wahrheit des Christentums" (Münst. 1805), "Philosophische Einleitung in die christkatholische Theologie" (das. 1819; 2. Aufl. 1831-34, 2 Bde.), "Christkatholische Dogmatik" (hrsg. von Achterfeldt, das. 1834-36, 3 Bde.) versuchte H., an dem die kritische Philosophie nicht spurlos vorübergegangen war, eine Erkenntnistheorie aufzubauen, welche so angelegt war, daß sie mit einer gewissen Notwendigkeit auf den katholischen Glauben führte (Hermesianismus), und zog allmählich eine große Anzahl von Schülern (Hermesianer) heran, die bald die philosophischen und theologischen katholischen Lehrstühle in Westfalen und Rheinpreußen einnahmen. Solange der Erzbischof Spiegel von Köln lebte, blieb der Hermesianismus unangefochten; nach dessen Tod 1835 jedoch verdammte ein päpstliches Breve vom 26. Sept. denselben als ketzerisch; der neue Erzbischof, Droste zu Vischering (s. d.), schritt sofort gegen die Hermesianer ein. Umsonst suchten sich dieselben sogar in Rom zu rechtfertigen; die Verfolgungen dauerten fort, und die Professoren J. W. Braun (s. d. 1) und Achterfeldt (s. d.) zu Bonn wurden auf Betrieb des erzbischöflichen Koadjutors Geissel 1844 ihres Lehramtes enthoben. Die Professoren des Trierer Seminars sowie Baltzer in Breslau, der sich bereits unter den Einfluß der Lehre von Günther (s. d. 2) begeben hatte, unterwarfen sich, womit aber die Schikanen keineswegs aufhörten. Die meisten spätern Konflikte zwischen Staat und katholischer Kirche in Preußen (bis 1848) haben in näherm oder entfernterm Zusammenhang mit dem Hermesianismus gestanden. Das Hauptorgan der Hermesianer, zu denen außer den Genannten noch Esser, Elvenich, Droste-Hülshoff, Rosenbaum, Hilgers u. a. gehörten, war die "Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie" (Bonn 1832-52). Vgl. Esser, Denkschrift auf G. H. (Köln 1832); Elvenich, Acta Hermesiana (Götting. 1836); "Acta romana", hrsg. von Braun und Elvenich (Hannov. 1838); Niedner, Philosophiae Hermesii explicatio (Leipz. 1839); Stupp, Die letzten Hermesianer (Wiesbad. 1844-45, 5 Hefte).

3) Julius August Ottomar, Präsident des preußischen evang. Oberkirchenrats, geb. 12. Jan. 1826 zu Berlin, studierte daselbst seit 1842 Rechts- und Staatswissenschaften, war dann im praktischen Justizdienst zu Boitzenburg und Berlin thätig, wurde hier 1857 Hilfsarbeiter beim evangelischen Oberkirchenrat und 1878, als Nachfolger Herrmanns, Präsident desselben, nachdem er 1858 zum Oberkonsistorialrat ernannt worden war.

Hermesfeuer, s. Elmsfeuer.

Hermesianax, griech. Elegiker um 300 v. Chr., aus Kolophon, Freund und Schüler des Philetas, schrieb nach dem Vorbild des Antimachos erotische Elegien (3 Bücher) unter der Aufschrift: "Leontion", dem Namen seiner Geliebten, wovon noch 98 in sehr schlechtem Zustand überlieferte Verse erhalten sind. Ausgabe von Bergk (Marb. 1844 und in "Anthologia lyrica", 2. Aufl., Leipz. 1868); Übersetzung von Weber ("Elegische Dichter der Hellenen", Frankf. 1826).

Hermeskeil, Flecken im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Trier, am Hochwald, 544 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei und (1885) 1593 Einw.

Hermes Trismegistos, griech. Bezeichnung für den Mondgott der alten Ägypter, Tehut oder Thoth, eine der interessantesten Gestalten der ägyptischen Götterwelt, dargestellt als Ibis oder mit dem Ibiskopf. Die Bedeutung desselben geht aus den reichhaltigen Angaben hervor, welche die Monumente und aufgefundenen Papyrusrollen bieten. Als Mondgott ist Thoth zugleich der Gott der Zeit und der Zeitabschnitte, da diese sich nach dem Mondlauf richten, sodann der "Messer", der Gott des Maßes. Er repräsentiert überhaupt die gleichmäßige Ordnung der Welt, er ist der ihr innewohnende Geist der Ordnung und der Gesetzmäßigkeit. So wird er der Vertreter des Geistes überhaupt und insbesondere der Schutzgott aller irdischen Gesetze. Zugleich ist er der Gott der Intelligenz, der Anordner der gottesdienstlichen Gebräuche, der Lehrer der Künste und Wissenschaften, der Erfinder von Sprache und Schrift, der Schutzherr der Bibliotheken. Alle Schrift der Ägypter wird auf Tehut zurückgeführt, und ihre kanonischen Werke über die