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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hermoder; Hermogenes; Hermokopidenprozeß; Hermokrates; Hermon; Hermopolis; Hermos; Hermosillo; Hermsdorf; Hermunduren

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Hermoder - Hermunduren.

(illyricum?), nach andern von der ägyptischen Iris tuberosa. Sie sind plankonvex, breit-eiförmig, von der Größe einer Kastanie, mit wenig hervorgezogener Spitze, außen blaßbräunlich, innen weiß, schmecken süßlich, schleimig, zuletzt etwas scharf und wurden früher in der Medizin angewandt.

Hermoder (Hermôdhr, der "Heermutige"), in der nord. Mythologie der Bote der Götter, Sohn Odins und der Frigg, trägt Panzer und Helm und reitet auch auf seines Vaters Roß Sleipnir schnell wie der Wind. Seine bekannteste Sendung war an Hel wegen der Herausgabe der Leiche Balders. Neun Tage währte der Ritt durch tiefe, dunkle Thäler; er verweilte eine Nacht in der Unterwelt, um dann mit dem bekannten Bescheid nach Asgard zurückzukehren (s. Balder) und Odin den Ring Draupnir als Geschenk Balders zu überbringen.

Hermogenes, 1) Architekt des griechischen Altertums, Erbauer des Artemistempels zu Magnesia und des Tempels des Dionysos zu Teos, über welche er auch Schriften hinterließ.

2) Namhafter griech. Rhetor, aus Tarsos in Kilikien, um 160 n. Chr., trat bereits im 15. Lebensjahr unter Mark Aurel mit vielem Beifall auf und verfaßte ein treffliches Werk über die Redekunst in fünf Büchern, das ein außerordentliches Ansehen genoß und lange das vornehmste Lehrbuch der Rhetorik blieb, daher es auch vielfach erklärt und exzerpiert wurde (mit den alten Kommentaren und Scholien hrsg. im 1. Band der "Rhetores graeci" von Walz, Stuttg. 1832, und ohne jene in der Sammlung von Spengel, Bd. 2, Leipz. 1854). Das fünfte Buch, welches rhetorische Vorübungen (Progymnasmata) enthält, ist von Aphthonios (s. d.) umgearbeitet und von Priscianus ins Lateinische übersetzt worden. Merkwürdig ist, daß H. schon im 24. Jahr seine Geisteskräfte verlor und gleichwohl erst im Greisenalter starb.

Hermokopidenprozeß, der Prozeß, welcher aus Anlaß des Hermenfrevels (in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 415 v. Chr. wurden in Athen die Marmorhermen von unbekannter Hand fast alle zerschlagen) das athenische Volk lange Zeit in Aufregung versetzte und von den oligarchischen Klubs, die den Frevel wahrscheinlich auch veranlaßt hatten, benutzt wurde, um in Abwesenheit der großen sizilischen Expedition durch falsche Angebereien Alkibiades und andre angesehene Bürger ins Verderben zu stürzen und die demokratische Verfassung zu erschüttern. Vgl. Götz, Der H. (Nürnb. 1875).

Hermokrates, Sohn des Hermon, ein edler sizil. Patriot aus Syrakus, bewog, um die Einmischung der Athener abzuwehren, die dorischen und chalkidisch-ionischen Pflanzstädte auf dem Friedenskongreß zu Gela (424 v. Chr.), ihrem Streit ein Ende zu machen. Als die Athener infolge neuer Zwistigkeiten in Sizilien 415 die große Heerfahrt gegen die Insel unternahmen, riet er erst vergeblich zu rechtzeitigen Rüstungen, ward aber, als die Feinde sich Syrakus näherten, zum Feldherrn erwählt, leitete die Verteidigung der Stadt und stürzte 413 die Athener durch seine Hinterlist völlig ins Verderben. Mit einer Flotte von 22 Schiffen zog er 412 den Spartanern nach dem Ägeischen Meer zu Hilfe und kämpfte daselbst mit Auszeichnung, wurde aber in seiner Abwesenheit von der inzwischen zur Herrschaft gelangten Demokratie unter Diokles verbannt und bei einem Versuch, mit bewaffneter Hand seine Rückkehr nach Syrakus zu erzwingen, im Straßenkampf 408 erschlagen. Um seine noch immer zahlreiche Partei an sich zu fesseln, heiratete der ältere Dionysios die Tochter des H.

Hermon, der seit dem Altertum gebräuchliche Name für den südlichsten Teil des Antilibanon in Syrien, östlich von den Quellen des Jordan, den er hauptsächlich nährt, unter 33½° nördl. Br. Dieses heute Dschebel el Scheich genannte, etwa 25 km lange Gebirge steigt im Kasr-Antar bis 2860 m an, besteht meist aus Kalk und dazwischen vulkanischen Gesteinen und trug auf seinem aussichtsreichen Gipfel einst einen Tempel. Heute wie in alter Zeit liefert er den Umwohnern den Luxusartikel des Schnees und Eises, die im Sommer aber nur in tiefen Schluchten sich halten. Nicht zu verwechseln damit ist der sogen. Kleine H. (Dschebel el Dahy), ein 553 m hoher Berggipfel in Palästina, südwestlich vom Tabor und dem See Genezareth.

Hermopolis, Stadt, s. Aschmunein.

Hermos, Fluß in Kleinasien, der in Lydien in den nach ihm benannten Hermäischen Meerbusen (jetzt Busen von Smyrna) mündet; der heutige Sarabat oder Gediz-Tschai, einer der wenigen für flache Boote schiffbaren Flüsse Kleinasiens.

Hermosillo (spr. -silljo, früher Petic), Hauptstadt des mexikan. Staats Sonora, am Rio Sonora, von künstlich bewässerten Gärten umgeben, in denen Orangen, Zitronen und Limonen wachsen, und mit Anbau von Weizen, Mais, Baumwolle und Wein in der nächsten Umgegend, hat reinliche Straßen, meist einstöckige, aus Adobe (Luftziegeln) gebaute Häuser, ein Kapitol, eine Münze, ein Rathaus, ein Theater und einen Klub, mit (1880) 8000 Einw. Die Frauen der Stadt sind berühmt wegen ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit. Die Stadt hat eine Dampfmühle, Schuhfabriken, Wagenbau, Möbelschreinerei und Branntweinbrennereien, und als Mittelpunkt eines reichen Bergbaureviers und Ackerbaudistrikts erfreut sie sich eines regen Handels, der vorzüglich durch deutsche Hände geht, und den die Eisenbahn nach Guaymas fördert.

Hermsdorf, 1) (Nieder-H.) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Waldenburg, hat bedeutenden Steinkohlenbergbau, Bereitung von Koks, Teer, Ammoniak, Gas und (1885) 6553 meist evang. Einwohner. - 2) H. unterm Kynast, Dorf im Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Hirschberg, am Fuß des Riesengebirges (Burgruine Kynast), 345 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine Maschinenfabrik, Glasschleiferei, Glasgravierung, Glasmalerei, Zündholz-, Holzstoff- und Möbelfabrikation, Holzdrechslerei, Ziegeleien und (1885) 1951 meist evang. Einwohner. - 3) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Goldberg-Haynau, hat eine gehaltreiche erdige Eisenquelle mit Bad, ein Moorbad, eine Kaltwasserheilanstalt, Korbwarenfabrikation und (1885) 700 evang. Einwohner.

Hermunduren, ein german. Volksstamm, zu den Sueven gehörig, der kurz vor Christi Geburt von Domitius Ahenobarbus in Süddeutschland zwischen Main und Donau angesiedelt wurde (s. Karte "Germanien" etc.). Sie waren treue Verbündete der Römer und standen als die einzigen von allen Germanen mit denselben in friedlichem Handelsverkehr (Tacitus, Germ., 41). 20 n. Chr. vertrieben sie unter Anführung eines gewissen Vibilius den Gotonen Catualda, welcher sich der Herrschaft über die Markomannen in Böhmen bemächtigt hatte, und 50 mit den Lygiern vereint den Suevenkönig Vannius, welcher mit Erlaubnis der Römer zwischen den Flüssen Marus (March) und Cusus (Waag) ein Reich gestiftet hatte. 58 stritten sie glücklich mit den Katten um den Besitz der Salzquellen in der Nähe des Grenzflusses, der Werra. 152 ^[Diese Zahl am Seitenende ist richtig!]