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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heronsbrunnen; Heroologie; Heroon; Heroonpolis; Herophilos; Heros

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Heronsbrunnen - Heros.

als den äußern, kann man entweder die Luft im Innern verdichten, durch Einblasen von Luft in das durch einen Hahn verschließbare Rohr, mit dem Mund oder mittels der Kompressionspumpe, oder die äußere Luft verdünnen, indem man den H. unter die Glocke der Luftpumpe bringt. Ein H. einfachster Form ist die Spritzflasche, durch deren luftdicht schließenden, doppelt durchbohrten Kork zwei Glasröhren gesteckt sind, deren eine fast bis auf den Boden der Flasche reichende oben umgebogen und in eine feine Spitze ausgezogen ist, während die andre dicht unter dem Kork mündet; bläst man in die letztere, so springt das Wasser in feinem Strahl aus jener Spitze. Die sogen. Siphonflasche für moussierende Getränke ist ein H., dessen fast bis auf den Boden des Gefäßes reichendes und oben seitlich umgebogenes Rohr durch einen Hahn verschließbar ist; öffnet man den Hahn, so wird die Flüssigkeit durch den Druck der aus ihr sich entwickelnden Kohlensäure mit Gewalt aus der Röhre herausgetrieben. Der Windkessel der Feuerspritze ist nichts andres als ein großer H., in welchen mittels zweier abwechselnd wirkender Druckpumpen Wasser hineingepreßt und dadurch die im Innern des Windkessels eingesperrte Luft zusammengedrückt wird; öffnet man dann den Hahn des Steigrohrs, so treibt die innere Luft vermöge ihres erhöhten Druckes das Wasser in ununterbrochenem kräftigen Strahl heraus. Heronsbrunnen nennt man einen H., in welchem die Luft durch den Druck einer Wassersäule zusammengepreßt wird. Vgl. Springbrunnen.

Heronsbrunnen, s. Heronsball.

Heroologie (griech.), die Wissenschaft von den Heroen, Heldenkunde (vgl. Heros).

Heroon (griech.), Heiligtum eines Heros, namentlich das Grabmal eines solchen.

Heroonpolis, im Altertum Stadt im nordöstlichen Ägypten, am Dareioskanal, beim heutigen Abu Kescheb, nach welcher als der nächsten Handelsstadt der Sinus Heroopolitanus (jetzt Golf von Suez) benannt war. Der stets rasch wieder versandende Kanal wurde durch Ramesu II. (1394-28) angelegt und durch Necho, Dareios I., Ptolemäos I., Ptolemäos II. und Trajan erneuert.

Herophilos, Anatom, Zeitgenosse des Erasistratos, aus Chalcedon gebürtig, bildete sich unter Praxagoras in der damals von Ptolemäos I. (320 v. Chr.) zu Alexandria in Ägypten gestifteten medizinischen Schule, war der Richtung des Zeitalters gemäß ein Dialektiker und soll die Anatomie bedeutend vervollkommt haben; er zergliederte menschliche Leichname und öffnete angeblich lebende Verbrecher. Er erkannte zuerst in den Nerven die Werkzeuge der Empfindung, beschrieb sehr genau den Bau des Gehirns, stellte zuerst eine Pulslehre auf und entdeckte die Milchgefäße in dem Gekröse. Zahlreiche Entdeckungen in der Detailanatomie werden noch heute nach ihm benannt. Von seinen Schriften sind bloß einige Fragmente auf uns gekommen, und wir kennen ihn allein nach dem, was Galen, Celsus u. a. von ihm berichten. Vgl. Marx, H. (Karlsr. 1838).

Heros (griech., "Held"), jemand, welcher das Ideal männlicher Kraft und ritterlicher Gesinnung darstellt, dann s. v. w. Halbgott und als solcher Gegenstand des Kultus und der religiösen Verehrung. Die allmähliche Entwickelung des Heroentums läßt sich vornehmlich bei den Griechen verfolgen. Zunächst werden wir dabei auf Homer und die epische Nationalsage hingewiesen, deren Heroen immer als die ursprünglichen und vorzugsweise so genannten angesehen wurden, daher auch das Zeitalter der epischen Sage, die mythische Vorzeit der Nation (als deren Grenze die 1104 v. Chr. gesetzte Einwanderung der Herakliden nach dem Peloponnes angenommen worden ist), das heroische genannt wird. In einem solchen Zeitalter ist der Adel ein spezifisch anderes Geschlecht als das Volk, was der Mythus dadurch ausdrückt, daß er die Heroen zu Söhnen der Götter erhebt. Größere Heroengeschlechter dieser Art waren die Promethiden oder Deukalioniden, die Inachiden, die Agenoriden, die Danaiden, die Pelopiden oder Tantaliden, die Kekropiden, während die Äakiden, Perseïden, Atriden, Herakliden sich als Teile unter je eins derselben einreihen. Am glänzendsten sind bekanntlich durch die Poesie diejenigen Heldenkreise ausgebildet, welche ihre Mittelpunkte in Troja und Theben haben. Charakteristisch ist es, daß schon in der Heldenzeit selbst ein Gradunterschied zwischen früher und später gemacht wird, so daß z. B. Nestor (bei Homer) keinen Anstand nimmt, die Helden seiner Jugend denen seines Greisenalters weit voranzustellen. Homer denkt sich seine Heroen an körperlicher Kraft den gewöhnlichen Menschen weit überlegen; sie sind dem Tod gleich den andern unterworfen, nur werden sie hin und wieder durch die besondere Huld der Götter von der Erde entrückt und dadurch vor dem Tod bewahrt. Von göttlicher Verehrung dieser Heroen finden sich erst bei den nachhomerischen Epikern Spuren, und zwar knüpft sich dieselbe hauptsächlich an die sichtbaren Stätten und Denkmäler der heroischen Vorzeit an, besonders an die Gräber der Helden, denn der Heroenkult ist aus der Verehrung der Verstorbenen hervorgegangen. Meist noch der Sage angehörig und bloße Gebilde der Phantasie ohne historische Grundlage sind ferner die Heroen, welche als Stifter und Ahnherren von Städten (z. B. Byzas, Gründer von Byzanz), von Phylen u. Demen (Gauen und Bezirken), von Innungen etc. genannt werden. Eine weitere Gruppe bilden historische Personen, die nach ihrem Tod oder selbst noch bei Lebzeiten zu göttlicher Ehre erhoben wurden. Zunächst beschränkte sich diese öffentliche Verehrung auf hochverdiente Männer, wie Harmodios und Aristogeiton, die Gefallenen bei Marathon etc.; dann erstreckte sie sich auch auf solche, die sich durch etwas. Außergewöhnliches, wenn auch nur durch Körperschönheit, Kraft und Gewandtheit, auszeichneten. In allen diesen Fällen gibt sich das Gefühl für das Dämonische als Grundlage des Heroenkultus zu erkennen, die religiöse Anerkennung nämlich jeder über das gewöhnliche Maß von Stärke, Tugend, Geist und Schicksal ausgezeichneten Individualität als einer Manifestation der Gottheit in der menschlichen Natur. Dieses das hellenische Gemüt tief durchdringende und beherrschende Gefühl macht es auch erklärlich, wie die Apotheose zuletzt selbst auf Lebende übertragen werden konnte, wobei sich freilich in verdorbenen Zeiten die Schmeichelei in dem Grad einmischte, daß sich für wirklichen Wert und wirkliches Verdienst aus der Thatsache der Apotheose durchaus kein Schluß mehr ziehen läßt. Zuerst erhielt Lysander göttliche Verehrung bei Lebzeiten. Nachdem aber durch Alexander orientalische Sitte mit hellenischer verschmolzen worden, griff die Unsitte, insbesondere die Herrscher auf diese Art zu erhöhen, immer mehr um sich. Am weitesten ging man darin an den Höfen griechischer Fürsten im Orient, wie der Seleukiden und Ptolemäer. Von dort ging dieser Kult als ein den Fürsten gebührendes Zeremoniell allmählich auch nach Rom über. In weitestem Sinn bedeutet H. einen jeden Verstorbenen. Die Opfer und Spenden, welche man