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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hertz

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Hertz.

Sowohl als akademischer Lehrer wie durch litterarische Arbeiten hat sich H. einen großen Ruf erworben. Er schrieb: "Über die Hundswut" (Berl. 1829); "Handbuch der praktischen Arzneimittellehre für Tierärzte" (5. Aufl., Leipz. 1872); "Praktisches Handbuch der Chirurgie für Tierärzte" (3. Aufl., Berl. 1873); "Taschenbuch der gesamten Pferdekunde" (4. Aufl., das. 1878); "Die Krankheiten der Hunde und deren Heilung" (2. Aufl., das. 1880). Mit Erdmann gab er eine "Tierärztliche Rezeptierkunde und Pharmakopöe" (4. Aufl., Berl. 1881) und mit Gurlt eine "Operationslehre für Tierärzte" (das. 1847) sowie 1835-1874 das "Magazin für die gesamte Tierheilkunde" heraus.

2) Oskar, Zoolog, geb. 21. April 1849 zu Friedberg bei Frankfurt a. M., studierte 1868-72 in Jena, Zürich und Bonn hauptsächlich vergleichende Anatomie, war 1874-75 Assistent von Max Schulze in Bonn, habilitierte sich sodann in Jena für Anatomie und Entwickelungsgeschichte, wurde daselbst 1878 außerordentlicher Professor und erhielt 1881 den ordentlichen Lehrstuhl für Anatomie. Außer durch seine gemeinschaftlich mit seinem Bruder Richard (s. unten) herausgegebenen Werke ist er hauptsächlich durch seine "Beiträge zur Kenntnis der Bildung, Befruchtung und Teilung des tierischen Eies" bekannt geworden. Auch schrieb er: "Das Zahnsystem der Amphibien" (Leipz. 1874).

3) Richard, Bruder des vorigen, geb. 23. Sept. 1850 zu Friedberg, studierte gemeinschaftlich mit jenem 1868 bis 1872 in Jena, Zürich und Bonn Medizin und Naturwissenschaften, war 1873-74 Assistent von Max Schulze am anatomischen Institut zu Bonn, habilitierte sich 1874 in Jena für Zoologie, wurde daselbst 1878 außerordentlicher Professor der Zoologie, ging 1881 als Professor der Zoologie nach Königsberg und 1883 nach Bonn. Beide Brüder machten gemeinschaftlich eine Reihe von Forschungsreisen und unternahmen mit Häckel 1871 in Lesina, 1875 in Corsica und Villafranca zoologische Untersuchungen. Sie erforschten das Nervensystem der Cölenteraten, suchten auf Grund der Gasträatheorie Häckels weiterzubauen und stellten im Anschluß an Kowalewski Huxley, Balfour u. a. über die Entstehung des mittlern Keimblattes eine eingehende und umfassende Theorie auf. Er schrieb: "Zur Histologie der Radiolarien" (Leipz. 1876); "Der Organismus der Radiolarien" (Jena 1879), "Der Zoologe am Meer" (Berl. 1881); "Die Aktinien der Challenger-Expedition" (Jena 1882). Die in Gemeinschaft mit seinem Bruder Oskar herausgegebenen Werke sind: "Das Nervensystem und die Sinnesorgane der Medusen" (Leipz. 1878); "Der Organismus der Medusen und seine Stellung zur Keimblättertheorie" (Jena 1878); "Studien zur Blättertheorie" (das. 1879-83, 5 Hefte) und "Untersuchungen zur Morphologie und Physiologie der Zelle" (das. 1884-85, 4 Hefte).

Hertz, 1) Henrik, dän. Dichter, geb. 25. Aug. 1798 zu Kopenhagen, ward nach dem Tod seiner Eltern im Haus des Großhändlers Nathanson erzogen, wo seine früh erwachende Neigung zur Poesie und Kunst reiche Nahrung fand, studierte Jurisprudenz, wandte sich aber später, auf den Staatsdienst verzichtend, ganz der litterarischen Thätigkeit zu. Von Haus aus Israelit, trat er in der Folge zum Protestantismus über, unternahm 1833 mit öffentlicher Unterstützung eine Reise durch Deutschland, Italien, die Schweiz und Frankreich und erhielt nach seiner Rückkehr den Professortitel sowie vom Reichstag eine jährliche Pension. Er starb 25. Febr. 1870 in Kopenhagen. Als Dichter gehört H. zu der Schule Heibergs, mit dessen Kreis er sein ganzes Leben lang verbunden war. Er sprach seine theoretischen Ansichten aus in seinen berühmten, in Baggesenscher Art verfaßten "Gjengangerbrevene" (1830), einer Reihe von Reimbriefen, durch die er auf die ästhetische Richtung der Zeit bedeutsam einwirkte, und brachte dieselben dann in seinen zahlreichen eignen Dichtungen praktisch zur Anwendung. Sein Hauptfach war das dramatische; in allen Zweigen der Bühnendichtung hat er Vorzügliches geleistet. Er schrieb treffliche Vaudevilles, wie: "Arvingerne", "Debatten i Politivennen" ("Die Debatte im Polizeifreund", einem Kopenhagener Lokalblatt), "De Fattiges Dyrehave" ("Der Tiergarten der Armen") etc.; ferner gediegene Lustspiele mit aus dem Leben gegriffener Handlung, wie: das feine und anmutige, in gereimten Versen abgefaßte "Amors Genistreger" (1830), das Charakterlustspiel "Emma" (1832), "Den eneste Feil" und "Sparekassen" (1836), "Besöget i Kjöbenhavn" ("Der Besuch in Kopenhagen") u. a.; endlich Schauspiele, deren Stoff den verschiedensten Ländern und Zeiten entlehnt ist, wie: "Ninon de l'Enclos" (deutsch von Thaulow, Leipz. 1852), "Tonietta", "De Deporterede" etc., und romantische Schauspiele, darunter namentlich das allbekannte "Kong Renés Datter" ("König Renés Tochter"), das fast alle Bühnen überschritt und viermal ins Deutsche übersetzt wurde (z. B. von Leo, 14. Aufl., Leipz. 1884), und "Svend Dyrings Hus" (deutsch von Leo, das. 1848), worin ein den Volksliedern entlehnter Stoff in einem eigentümlichen effektvollen Versmaß auf die Bühne gebracht wird. Herrschaft über die dramatische Technik, stets frische Laune und eine Reihe trefflich gezeichneter Gestalten charakterisieren diese dramatischen Dichtungen. Auch hat H. eine große Anzahl durch schöne Form und ansprechenden Inhalt ausgezeichneter Gedichte ("Digte", 1857-62, 4 Bde.), einige Novellen sowie zwei größere Zeitbilder: "Stemninger og Tilstande" ("Stimmungen und Zustände", 1839) und "Johannes Johnsen" (1858), verfaßt. Seine "Dramatiske Värker" erschienen 1854-73 in 18 Bänden.

2) Adolf Christian, dän. Dramatiker und Romanschriftsteller, geb. 16. Sept. 1824 zu Kallumborg auf Seeland, wandte sich nach seinen Universitätsstudien der Litteratur zu und lebt als Schriftsteller in Kopenhagen. Er veröffentlichte drei kritische Schriften: "Konstens skandinaviske Fremtid" ("Die Zukunft der Kunst in Skandinavien", 1853), "Om lyrisk Poesi" (1854) und "Lohengrin og den Wagnerske Retning" ("Lohengrin und die Wagnersche Richtung", 1872); mehrere Erzählungen, wie: "Marie Rose" (1876) und "Onde Stjerner" ("Unglückssterne", 1880), eine Geschichte aus dem Leben Tycho Brahes; endlich das Lustspiel "Student og Komediant", das 1877 aufgeführt wurde. Seine dramatische Dichtung "Baldurs Dröm" ("Balders Traum") hat Niels Gade in Musik gesetzt. Auch als musikalischer Kritiker hat sich H. einen bekannten Namen gemacht.

3) Martin, Philolog, geb. 7. April 1818 zu Hamburg, studierte seit 1835 in Berlin und Bonn, habilitierte sich 1845 in Berlin und unternahm darauf eine zweijährige, wesentlich der Durchforschung der Handschriften des Gellius und Priscian gewidmete Reise durch Süddeutschland, Holland, Belgien, Frankreich, die Schweiz, Italien und Sizilien. Von 1847 bis 1855 wirkte er dann als Privatdozent in Berlin, nach Lachmanns Tod (1851) bis zur Ernennung Haupts (1853) mit der Leitung der lateinischen Abteilung des philologischen Seminars betraut. 1855