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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herz; Herzabsceß; Herzaneurysma; Herzbaum; Herzberg; Herzbeutel; Herzbeutelentzündung

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Herz - Herzbeutelentzündung.

Das H. ist das Zentralorgan für den gesamten Kreislauf des Bluts im Körper. Es wirkt nach Art einer Druckpumpe, deren Mechanismus durch das Spiel von Ventilen geregelt wird, und befindet sich während des Lebens in einem Zustand wechselnder Erschlaffung (Diastole) und Zusammenziehung (Systole), wodurch seine Höhlen abwechselnd erweitert und verengert werden. Diese periodische Bewegung wiederholt sich bei Erwachsenen 60-80mal in der Minute, bei weiblichen und jüngern noch öfter, bei männlichen und ältern Individuen seltener. Während der Diastole strömt das Blut aus den Venen durch die Vorhöfe in die Herzkammern, während gleichzeitig die Ostia arteriosa durch die Klappen geschlossen sind. Sodann folgt zuerst die Systole der Vorhöfe, durch welche eine noch größere Menge Bluts in die Herzkammern getrieben wird; unmittelbar nachher erfolgt auch die Systole der letztern, welche das von ihnen aufgenommene Blut in die Aorta und Lungenarterie pressen, indem der Rücktritt desselben in die Vorhöfe durch die betreffenden Klappen gehindert wird. Die Diastole dauert ungefähr drei- bis viermal so lange wie die Systole. Die bei letzterer erfolgende starke Kontraktion der Kammern ist mit einer Hebung der Herzspitze verbunden, die wiederum die Wand des Brustkorbes erschüttert, so daß man den sogen. Herzschlag (pulsus cordis) deutlich fühlen kann. Vgl. Blutbewegung. Über die Entwickelung des Herzens beim Menschen und die Eigentümlichkeiten des embryonalen Kreislaufs s. Embryo.

Bei den Krankheiten, von welchen das H. betroffen wird, hat man solche zu unterscheiden, die nur den Herzbeutel betreffen, wie die Herzbeutelentzündung und die Herzbeutelwassersucht, auch die Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen, und solche, denen das Herzfleisch selbst unterliegt. Hier ist namentlich die Entzündung und die fettige Entartung der Herzmuskeln zu nennen, dann kommen die sogen. Herzfehler in Betracht, die angeboren oder erworben sein können, sowie die Herzerweiterung und die übermäßige Vermehrung der Muskelsubstanz des Herzens, die Herzhypertrophie. Endlich sind auch noch das Herzklopfen und die Herzbräune als nervöse Leiden zu erwähnen.

Herz, 1) Henriette, durch seltene Schönheit und hohe Geistesbildung sowie durch ihre persönlichen Beziehungen zu den namhaftesten Männern ihrer Zeit ausgezeichnete Frau, war als Tochter eines israelitischen Arztes portugiesischer Abkunft, Benjamin de Lemos, 5. Sept. 1764 zu Berlin geboren und verheiratete sich schon 1. Dez. 1779 auf den Wunsch ihrer Eltern mit dem angesehenen, aber bedeutend ältern Arzt Markus H. In ihrem Haus verlebte Borne (s. d.) einen Teil seiner Jugend. Auch nach dem Tod ihres Mannes (1803) blieb ihr Haus der Vereinigungspunkt für die geistigen Größen Berlins. Wir nennen aus diesem Kreis Engel, Moritz, Dohm, Spalding, Reichardt, Schadow, Gentz, beide Humboldt, Fr. Schlegel, Varnhagen v. Ense, von Frauen Rahel Levin, die Herzogin von Kurland und Elisa v. d. Recke. Namentlich aber stand sie mit Schleiermacher im regsten Ideenaustausch. Mit vielen Notabilitäten unterhielt sie einen lebhaften Briefwechsel; doch hat sie, um etwanigen Mißbrauch zu verhüten, alle in ihren Händen befindlichen Briefe vernichten lassen. Zu dem Übertritt zum Christentum entschloß sie sich erst 1817 nach dem Tod ihrer strenggläubigen Mutter. Ihre ausgezeichnete Geistesbildung, namentlich ihre Sprachkenntnisse, suchte sie durch Heranbilden junger Mädchen zu Lehrerinnen nutzbar zu machen, und den größten Teil des Honorars ließ sie wohlthätigen Anstalten zufließen. Durch A. v. Humboldts Vermittelung ward sie 1845 durch eine königliche Pension aller äußern Sorgen überhoben. Sie starb 22. Okt. 1847. Vgl. Fürst, Henriette H., ihr Leben und ihre Erinnerungen (2. Aufl., Berl. 1858); "Briefe des jungen Borne an Henriette H." (Leipz. 1861).

2) Henri, Klavierspieler und Komponist, geb. 6. Jan. 1806 zu Wien, trat als zehnjähriger Knabe ins Konservatorium zu Paris ein, wo er durch Pradher (Klavier), Dourlen und Reicha (Komposition) seine Ausbildung erhielt, und debütierte bereits 1818 erfolgreich als Virtuose sowie als Komponist mit seinem Op. 1: "Air tyrolien varié". Zum Jüngling gereift, unternahm er 1831 eine Kunstreise mit dem Violinisten Lafont, welche ihm in allen Hauptstädten Europas glänzende Erfolge eintrug und seinen Weltruf begründete. Auch in England erregte er einige Jahre später Enthusiasmus, und eine 1845 unternommene Reise nach Amerika war nicht minder reich an materiellen Früchten und künstlerischen Ehren. 1851 nach Paris zurückgekehrt, widmete er sich vorwiegend der schon in den 30er Jahren von ihm miterrichteten Klavierfabrik und brachte dieselbe bald auf eine solche Höhe, daß ihre Erzeugnisse mit den besten konkurrieren konnten und bei der Weltausstellung von 1855 den höchsten Preis erhielten. Zugleich wirkte er als Klavierlehrer am Konservatorium bis 1874, wo er in den Ruhestand trat. H. ist der Hauptvertreter jenes Virtuosentums, welches während der 20er und 30er Jahre die Konzertsäle Europas beherrschte und erst mit dem Auftreten Mendelssohns, Schumanns, Chopins und Franz Liszts einer ernstern Richtung weichen mußte. Um die erwähnte Zeit fehlten seine Kompositionen, deren er mehr als 200 veröffentlicht hat, darunter acht Klavierkonzerte mit Orchester, auf keinem Konzertprogramm, waren als Vortrags- und Unterrichtsstoff gleich geschätzt und wurden von den Verlegern mit den höchsten Preisen bezahlt. Als Schriftsteller hat sich H. durch eine humoristische und geistreiche Beschreibung seiner amerikanischen Reise ("Mes voyages en Amérique", Par. 1866) bekannt gemacht.

Herzabsceß s. Herzentzündung.

Herzaneurysma s. Herzentzündung.

Herzbaum, s. Cerbera.

Herzberg, 1) Flecken mit Stadtrechten und Luftkurort im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Osterode, am Südwestfuß des Harzes, an der Sieber, Knotenpunkt der Linien Soest-Nordhausen und H.-Gittelde der Preußischen Staatsbahn, 240 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, eine evang. Pfarrkirche, einen Forst- und botanischen Garten, Wollspinnerei, Tuch-, Holz- und Pappwaren- und Zigarrenfabrikation, Sägemühlen, Kanarienvogelzucht und (1885) 3447 meist evang. Einwohner. Im Orte der Jües, ein Teich von bedeutender (der Sage nach unergründlicher) Tiefe mit Badehaus; südwestlich auf einem Berg das Schloß H., welches 1157 durch Tausch an Heinrich den Löwen kam und nebst Osterode die Residenz der letzten Fürsten von Grubenhagen war. - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Schweinitz, an der Schwarzen Elster und an der Linie Jüterbog-Röderau der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne Kirche aus dem 13. Jahrh., ein Amtsgericht, ein Landratsamt (für den Kreis Schweinitz), Kartoffelstärke-, Hufnagel- und Stiefelfabrikation, Landwirtschaft u. (1885) 4593 evang. Einw.

Herzbeutel, s. Herz.

Herzbeutelentzündung (Perikarditis) tritt häufig als Begleiterin andrer Krankheiten, dagegen nur