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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herzbeutelwassersucht; Herzbräune; Herzdampf; Herzegowina; Herzen

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Herzbeutelwassersucht - Herzen.

sehr selten als eine selbständige und isolierte Erkrankung bei früher gesunden Menschen auf. In allen Fällen findet man als Ursache Entzündungserreger in Form von Bakterien (Eiterkokken, Pneumoniekokken, Tuberkelbacillen), nur ist es zuweilen nicht möglich, nachzuweisen, wie dieselben an diese Stelle gelangt sind. Am leichtesten zu verstehen sind diejenigen Fälle, in welchen die H. durch Fortpflanzung von Entzündungen benachbarter Organe, Lunge, Brustfell, Brustbein, oder Wunden entstanden ist. Am häufigsten aber tritt H. im Verlauf eines akuten Gelenkrheumatismus ein, und zwar kommt die Komplikation unter 100 Fällen etwa 30mal vor. Nächstdem ist sie häufig mit der Brightschen Nierenkrankheit, der Lungentuberkulose, chronischen Herz- und Aortenkrankheiten kompliziert. Auch bei Jauchevergiftung des Bluts, beim Kindbettfieber, bei schweren Scharlachfällen, Pocken tritt häufig H. ein. Wahrscheinlich werden in allen diesen Fällen die Bakterien dem Herzbeutel durch das Blut zugeführt. Es kommt bei ausgeprägten Fällen stets zur Bildung eines freien Exsudats in der Höhle des Herzbeutels; seiner Beschaffenheit nach kann dasselbe sein: 1) ein wässeriges (dann ist es meist sehr massenhaft vorhanden), 2) ein blutiges, 3) ein eiteriges, 4) ein fibrinöses. Die einzelnen Formen kombinieren sich vielfach miteinander; von besonderer Wichtigkeit ist die fibrinöse H., da sie sowohl absolut die häufigste als auch die einzige chronische Art ist, welche längere Zeit hindurch ertragen werden kann, ohne den Tod zu bedingen. Ihr kommt das für diese Krankheit wichtigste Symptom, ein eigentümlich schabendes Geräusch, zu, welches man beim Auskultieren des Herzens hört, und das durch das Aneinanderreiben der rauhen Oberflächen entsteht. Fehlt dieses, so ist die Diagnose dem Arzt oft nicht möglich. Die Erscheinungen der H. sind bald kaum merkliche, oft so stürmisch fieberhafte, daß sie ganz denen eines Typhus gleichen. Bei reichlichem Erguß, wo Tod durch Behinderung der Herzthätigkeit droht, gesellen sich Atemnot, Beklemmung, blaue Färbung des Gesichts hinzu. Je schneller die H. zu großen Exsudatansammlungen führt, und je mehr das Herz selbst dabei affiziert ist, um so leichter endet sie tödlich; die Fälle, welche sich zu Lungen- und Brustfellentzündungen und zum akuten Gelenkrheumatismus gesellen, verlaufen in der Regel günstig. Das Exsudat wird dann resorbiert, bei fibrinöser H. bleiben Verwachsungen, d. h. sogen. rheumatische Schwielen, zurück. Die tuberkulöse H. erzeugt gewöhnlich einen blutigen Erguß; sie endet immer tödlich. Die Behandlung der H. muß so einfach wie möglich sein. Man wendet örtliche Blutentziehungen, Eisblasen auf der Herzgegend, Aufguß von Digitalis, in gewissen Fällen auch schweiß- und harntreibende Mittel, Jodpräparate und Blasenpflaster an. Die Verarmung des Bluts bei langwierigem Verlauf der H. verlangt eine nährende Diät und Eisenpräparate. Droht Herzlähmung einzutreten, so müssen Reizmittel (Wein, Kampfer, Benzoesäure) gereicht werden. In den Fällen, wo sich die H. zu akutem Gelenkrheumatismus gesellt, bedarf es in der Regel gar keiner besondern Behandlung. Künstliche Eröffnung des Herzbeutels mit dem Trokar und Entleerung des Exsudats hat meist nur eine sehr vorübergehende Erleichterung des Kranken zur Folge.

Herzbeutelwassersucht (Hydrops pericardii, Hydropericardium), die krankhafte Ansammlung von klarer wässeriger Flüssigkeit in dem an sich ganz gesunden Herzbeutel, ist keine für sich bestehende Krankheit, sondern stets Teilerscheinung der allgemeinen Wassersucht. Niemand erkrankt an H., der nicht auch am übrigen Körper wassersüchtig ist, und die Ursachen der H. sind dieselben wie die der Wassersucht (s. d.) überhaupt. Die H. kann nur insoweit ärztlich behandelt, bez. beseitigt werden, als dies bei der Wassersucht an sich möglich ist. Mit der H. darf nicht verwechselt werden diejenige Anhäufung von Flüssigkeit im Herzbeutel, welche im Verlauf der Herzbeutelentzündung (s. d.) eintritt.

Herzbräune (Brustbräune, Angina pectoris), s. Angst.

Herzdampf, s. Dämpfigkeit der Pferde.

Herzegowina (türk. Hersek), Gebirgslandschaft im nordwestlichen Teil der Balkanhalbinsel, zwischen Montenegro, Serbien, dem eigentlichen Bosnien und Dalmatien gelegen, gegen das Adriatische Meer abfallend, dem sie durch die Narenta einen Teil ihrer Gewässer zusendet, umfaßte früher ca. 16,500 qkm (300 QM.) und war im Altertum ein Teil Illyriens. Im 9. Jahrh. tritt das Land, wie Bosnien, unter dem Namen Fürstentum Zachlum als besonderes Territorium hervor und war damals von eingewanderten Serben bewohnt. Es gehörte anfangs zum Königreich Kroatien, kam 1326 nach mancherlei Wechsel der Herrschaft an Bosnien, wozu es schon früher zeitweilig gehört hatte, wurde 1440 vom Kaiser Friedrich III. zu einem selbständigen Herzogtum erhoben und der Familie Hranitsch zu Lehen gegeben und hieß seitdem nach seinem Schutzpatron, dem heil. Sabas, Herzogtum St. Saba. 1463 wurde das Land den Türken zinsbar, 1483 der türkischen Herrschaft ganz unterworfen und als Sandschak Hersek zu Bosnien geschlagen. 1832 ward es von Sultan Mahmud als selbständiges Wesirlik dem der Pforte während des bosnischen Aufstandes treu gebliebenen Ali Aga Risvanbegowich, Kapetan von Stolatz, unterstellt; seit 1865 bildete es wieder ein Liwa der Provinz Bosnien. Im Juli 1875 brach, veranlaßt durch den ungeregelten, willkürlichen Steuerdruck der türkischen Beamten, ein Aufstand der christlichen Bevölkerung aus, der, von Montenegro unterstützt, sich auch über einen Teil Bosniens verbreitete und weder von den unzureichenden türkischen Truppen unterdrückt, noch durch die in Aussicht gestellten Verwaltungsreformen und Begünstigungen beschwichtigt werden konnte. Seit der im J. 1878 erfolgten Okkupation durch Österreich-Ungarn bildet das Hauptgebiet der H., deren Hauptstadt Mostar war, und die durch Abtretungen an Montenegro sowie durch die neue politische Einteilung gegen früher sehr verkleinert wurde, den Kreis Mostar (9141 qkm = 158,83 QM.) mit 9 Bezirken, 8 Städten, 3 Märkten, 855 Dörfern und (1885) 187,574 Einw. (96,241 männliche und 91,333 weibliche), von denen 52,238 Mohammedaner, 63,466 Orientalisch-Orthodoxe und 71,702 Römisch-Katholische sind. Vgl. Sainte-Marie, L'Herzégovine, étude géographique, historique et statistique (Par. 1875). Weiteres s. Bosnien (mit Karte).

Herzen, Alexander, russ. Publizist, geb. 25. März 1812 zu Moskau als Sohn eines russischen Fürsten, Jakowlew, und der Luise Haag aus Stuttgart, wurde, nachdem er seine Studien in Moskau vollendet, 1834 mit einigen Genossen verhaftet, weil sie den Verdacht, einer Saint-Simonistischen Gesellschaft anzugehören, erregt hatten, und nach einer etwa jahrelangen Haft in Wjatka interniert. Während er hier bei der Regierung arbeiten mußte, hatte er bald Gelegenheit, sich so auszuzeichnen, daß er nach Wladimir, dann nach Moskau, endlich nach Petersburg versetzt wurde. Indes einer freien Äußerung wegen wurde