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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hesione; Heslach; Hespel; Hesperiden; Hesperidium; Hesperien; Hesperis; Hesperos

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Hesione - Hesperos.

Naupaktos an. Er soll zu Öneon in Lokris ermordet worden sein; seine Gebeine aber wurden nach dem böotischen Orchomenos gebracht, wohin die Askräer nach der Zerstörung ihrer Stadt durch die Thespier übergesiedelt waren. Seinen Namen trugen im Altertum eine Reihe epischer Dichtungen, die auf ihn als den Repräsentanten einer im Gegensatz zu der ionisch-homerischen Sängerschule stehenden böotisch-lokrischen Schule übertragen waren. Von den drei auf uns gekommenen sind unstreitig echt Hesiodisch die sogen. "Werke und Tage", mit Mythen, Fabeln und Sentenzen durchwebte Ermahnungen an den Bruder, der ihn nach Vergeudung seines Erbteils mit einem neuen Prozeß bedrohte, von seinem ungerechten Beginnen abzustehen und sich durch ehrliche Arbeit neues Vermögen zu erwerben, und Anweisungen über Ackerbau, Viehzucht, Schiffahrt u. a. Obwohl eigentlich künstlerischer Komposition entbehrend, wurde das Gedicht von den Alten seines moralischen Inhalts wegen hoch geschätzt (Ausgabe von Spohn, Leipz. 1819; Vollbehr, Kiel 1844; Lennep, Amsterd. 1847). Vgl. Ranke, De Hesiodi operibus et diebus (Götting. 1838); Steitz, Die Werke und Tage des H. (Leipz. 1869). In ihrem ursprünglichen Bestand wohl Hesiodisch, aber in der uns erhaltenen Gestalt aus verschiedenen Rezensionen zusammengearbeitet und durch viele spätere Zusätze erweitert ist die "Theogonie", eine Darstellung der Mythen von der Weltschöpfung, der Herkunft und dem Kampf der alten und neuen Götter, neben den Homerischen Gedichten die wichtigste Quelle für unsre Kenntnis der ältesten griechischen Welt- und Götteranschauung (neuere Ausgabe von Schömann, Berl. 1868). Vgl. Mützell, De emendatione Theogoniae Hesiodi (Leipz. 1833); Soetbeer, Die Urform der Hesiodischen Theogonie (Berl. 1837); Gruppe, Über die Theogonie des H. (das. 1841); Gerhard, Über die Hesiodische Theogonie (das. 1856); Welcker, Die Hesiodische Theogonie (Elberf. 1865); Leitschuh, Die Entstehung der Mythologie nach Hesiods Theogonie (Würzb. 1867); Schömann, Die Hesiodische Theogonie (Berl. 1868); Flach, Das System der Hesiodischen Kosmogonie (Leipz. 1874); Derselbe, Glossen und Scholien zur Hesiodischen Theogonie (das. 1876). Das dritte unter H'. Namen erhaltene Gedicht: "Schild des Herakles", sprechen schon die alten griechischen Kritiker mit Recht dem Dichter ab. Es enthält eine Schilderung des Heraklesschildes, eine schwache Nachahmung der Homerischen Beschreibung des Achillesschildes, der als Rahmen der Kampf des Helden mit Kyknos dient; die Einleitung bilden eine Anzahl Verse, die nach alter Überlieferung einem verlornen Hesiodischen Gedicht mythisch-genealogischen Inhalts, einem Verzeichnis (Katalogos) der Heroinen, die von Göttern Ahnmütter fürstlicher Geschlechter waren, entnommen sind (hrsg. von Ranke, Quedlinb. 1840; Hullemann, Amsterd. 1854). Vgl. Markscheffel, De Catalogo et Eoeis Hesiodi (Berl. 1838). Die Eigentümlichkeit Hesiods tritt besonders beim Vergleich mit Homer hervor. Müssen wir bei diesem die Dichtung an sich bewundern, so tritt bei H. die Darstellung zurück vor dem Gedanken, der didaktischen Idee des Ganzen, daher auch seine Dichtung der Lebensfrische, der Phantasie, der Naivität der Homerischen meist ermangelt. Gesamtausgaben des H. veröffentlichten: Lehrs (neue Ausg., Par. 1868), Göttling (3. Aufl., besorgt von Flach, Leipz. 1878), Schömann (Berl. 1869), Köchly und Kinkel (Leipz. 1870), Rzach (das. 1884). Deutsche Übersetzungen liegen vor von J. H. Voß (Heidelb. 1806), E. Eyth (Stuttg. 1858), Gebhardt (das. 1861), Uschner (Berl. 1865). Vgl. Thiersch, Über die Gedichte des H. (Münch. 1813); Creuzer und Hermann, Briefe über H. (Leipz. 1818); Rzach, Der Dialekt des H. (das. 1876); Friedel, Die Sage vom Tode Hesiods (das. 1879).

Hesione, Tochter des troischen Königs Laomedon und der Leukippe, sollte durch ihren Tod den Zorn des Poseidon und Apollon versöhnen, welche Troja für ihres Vaters Wortbrüchigkeit mit einem furchtbaren Meerungeheuer heimsuchten, und ward deshalb diesem zur Beute an einen Felsen geschmiedet. Herakles, der von seinem Zuge gegen die Amazonen gerade in die Gegend kam, versprach, das Mädchen zu befreien, wenn Laomedon ihm die herrlichen Rosse geben wollte, die er einst für den geraubten Ganymedes von Zeus erhalten hatte. Laomedon ging auf die Bedingung ein, und Herakles befreite die H. Da jener aber wortbrüchig wurde, tötete ihn der Heros und gab H. seinem Genossen Telamon zur Gemahlin, dem sie den Teukros gebar.

Heslach, Weiler und Vorstadt von Stuttgart, am Nesenbach, mit evang. Pfarrkirche, Weinbau und (1885) 6008 Einw.

Hespel, s. Mespilus.

Hesperiden, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem Endlichers und Brauns, aus der Abteilung der Dikotyledonen und der Polypetalen, neuerdings von Eichler mit der Ordnung der Terebinthinen (s. d.) vereinigt; begreift im Braunschen System die Familien der Aurantiaceen, Cedrelaceen, Meliaceen, Humiriaceen und Erythroxyleen.

Hesperiden, im griech. Mythus die Töchter des Atlas und der Hesperis (nach Anderen andern Ursprungs), der Zahl nach gewöhnlich vier: Ägle, Arethusa, Erytheia und Hesperia (oder Hestia), bewachten in fern im Westen gelegenen Gärten unter Beistand des stets wachsamen Drachen Ladon die goldenen Äpfel eines Baums, welchen die Göttin Gäa aus ihrem Schoß hervorsprießen ließ, um der bräutlichen Hera bei ihrer Vermählung mit Zeus ein kostbares Geschenk darzubringen. Diese Äpfel zu holen, war eine der zwölf Arbeiten des Herakles (s. d.). Die Sage von den Hesperidenäpfeln ist vielleicht orientalischen Ursprungs.

Hesperidium, botan. Bezeichnung für die Frucht der Zitrone, Apfelsine u. a.; s. Beere.

Hesperien, altgriech. Bezeichnung der gegen Abend gelegenen Länder, bald auf Italien beschränkt, bald ganz Westeuropa umfassend und hauptsächlich bei den alexandrinischen Dichtern gebräuchlich.

Hesperis L. (Nachtviole, Kilte), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ein- oder mehrjährige Kräuter mit einfachem oder verzweigtem Stengel, eiförmigen oder oblongen, gezahnten oder leierförmigen Blättern, einfachen oder zusammengesetzten Doldentrauben und walzenförmigen, zweifächerigen und zweiklappigen Schoten. H. matronalis Lam. (rote Nachtviole, Frauenviole, Matronenblume), 60-90 cm hoch, mit roten oder blaßrötlichen Blüten, welche besonders abends und in der Nacht stark wohlriechend sind. Sie findet sich hier und da auf feuchten Wiesen und im Gebüsch und wird in mehreren Varietäten, wie auch H. tristis L., mit gelben, purpurrot geäderten Blumenblättern, aus Niederösterreich, in Gärten kultiviert. Früher benutzte man die Blätter bei Brustkrankheiten.

Hesperos, beiden Griechen der Stern Venus (s. d.) als Abendstern, ward in den Hochzeitsgesängen als Führer des nächtlichen Brautzugs gefeiert, der die Braut in die Arme des harrenden Bräutigams ge-^[folgende Seite]