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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hesse-Wartegg; Hessen-Rotenburg; Hessenstein; Heßhusius; Hessians; Hessisches Bergland; Hessonit; Hessus

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Hessen-Rotenburg - Hessus.

prinz-Mitregent faktisch die Nutznießung derselben hatte, brachte erst das Jahr 1848 eine den Landesinteressen günstigere Wendung. Regierung und Stände verglichen sich nämlich dahin, daß unter Verzichtleistung auf die Rückerstattung der vom kurfürstlichen Haus bereits bezogenen Summen die Einkünfte der Quart fortan unter den Staatseinnahmen verrechnet werden sollten. Obwohl dem Kurfürsten der Rechtsweg offen gelassen ward, ist es doch bei diesem Vergleich geblieben.

Hessen-Rotenburg, s. Hessen-Rheinfels-Rotenburg.

Hessenstein, Herrschaft in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Plön, besteht aus den Gütern Hohenfelde, Klemp, Penker und Schmoel. Dazu der 127 m hohe Pielsberg mit dem Aussichtsturm H.

Hesse-Wartegg, Ernst von, Reisender und Schriftsteller, geb. 21. Febr. 1851 zu Wien, bereiste 1872 Südeuropa, die Donauländer, Türkei und Syrien, 1875 Westindien und Zentralamerika, durchwanderte 1876 die Felsengebirge und Prärien der östlichen Staaten Nordamerikas, ging 1878 abermals nach Amerika, um die Regelung des Mississippi-Flußnetzes zu studieren, unternahm 1880 eine Reise durch Algerien, Tunis und Tripolis, 1881 durch Ägypten und den Sudân, besuchte 1883 die nordwestlichen Territorien der Vereinigten Staaten und 1884 die gesamten Südstaaten nebst Mexiko, wobei er mehrere Aufnahmen machte und auch den Popocatepetl bestieg. H. ist mit der Sängerin Minnie Hauck (s. d.) verheiratet und lebt zur Zeit in London. Außer zahlreichen Artikeln in Zeitschriften veröffentlichte er: "Die Werkzeugmaschinen der Neuzeit" (Leipz. 1874); "Präriefahrten" (das. 1878); "Die atlantischen Seebäder" (Wien 1879); "Nordamerika" (das. 1883-1884, 3 Bde.; 2. Aufl. 1885 ff.); "Mississippifahrten" (das. 1880) und "Tunis, Land u. Leute" (Wien 1881).

Heßhusius, Tilemann, protestant. Streittheolog, geb. 1527 zu Wesel, wurde, nachdem er mehrere Universitäten, namentlich auch Wittenberg, besucht hatte, 1553 Superintendent in Goslar, mußte jedoch infolge seines ungestümen Reformierens 1556 die Stadt verlassen. Als Prediger in Rostock that er den Bürgermeister in den Bann, ward abgesetzt und ging wieder nach Wittenberg. Auf Melanchthons Empfehlung 1558 zu Heidelberg als erster Professor der Theologie und Generalsuperintendent der Pfalz angestellt, geriet er mit dem Diakonus Klebitz, den er seiner Hinneigung zur Calvinschen Lehre wegen angriff, in so ärgerliche Streitigkeiten, daß der Kurfürst nach vergeblichen Vermittelungsversuchen im September 1559 beide zugleich absetzte. H. wurde darauf Superintendent in Bremen, wo er gegen Hardenberg (s. d. 1) wirkte. Als der Rat auf die von ihm vorgeschlagenen Maßregeln gegen die Kryptocalvinisten einzugehen Bedenken trug, siedelte H. als Prediger 1560 nach Magdeburg über. Wegen seiner maßlosen Polemik gegen den Synergismus 1562 von hier verwiesen, erhielt er 1569 eine theologische Professur in Jena. Aber auch hier war infolge der Streitigkeiten, in die er mit Strigel und Flacius geriet, seines Bleibens nicht. 1574 wurde er Bischof von Samland, ging jedoch als Friedensstörer und Irrlehrer auch dieses Amtes 1577 wieder verlustig und wurde Professor der Theologie in Helmstädt, wo er 1588 starb. Vgl. v. Helmolt, H. und seine sieben Exilia (Leipz. 1859); Wilkens, T. H (das. 1860).

Hessians (engl., spr. héschens), s. Jutegewebe. ^[richtig: Jute.]

Hessisches Bergland, ein Teil des deutschen Mittelgebirges, umfaßt im weitern Sinn das gesamte Land, welches sich von der Diemel und von Karlshafen an der Weser südlich bis an den Main bei Gmünden, Wertheim, Klingenberg und Frankfurt erstreckt und im W. von dem rheinisch-westfälischen Schiefergebirge begrenzt wird, während es nach O. in die thüringischen und fränkischen Plateauländer übergeht. In einzelne Glieder zerlegt, zerfällt es in die bestimmt voneinander gesonderten Gebirgsmassen des Spessarts, der Rhön und des Vogelsbergs im S. und in das Hessische Bergland im engern Sinn, welches den nördlichen Teil des Terrains umfaßt (s. Hessen-Nassau, S. 484).

Hessonit, s. Granat.

Hessus, Helius Eobanus, berühmter latein. Dichter des 16. Jahrh., geb. 6. Jan. 1488 im hessischen Dorf Halgehausen von niedern Eltern (Eoban war sein Taufname; den Familiennamen, der wahrscheinlich Koch lautete, vertauschte er später mit dem Heimatsnamen H. und setzte unter Anspielung auf seine Geburt am Sonntag und den Dichtergott noch den Namen Helius vor). Im Kloster Haina sowie in Gmünden an der Wohra und zu Frankenberg vorgebildet, studierte er seit 1504 in Erfurt, erhielt schon 1507 das Rektorat der Severischule daselbst, lebte nach Verlust dieses Amtes (1509) zu Riesenburg in Ostpreußen als Kanzleibeamter und Gelegenheitsdichter des Bischofs Hiob von Dobeneck und wurde von diesem 1513 nach Frankfurt a. O. geschickt, um die Rechte zu studieren. H. ging jedoch bald von da nach Leipzig, wo er sich wieder den humanistischen Studien zuwandte, kehrte im August 1514 nach Erfurt zurück, erhielt daselbst 1517 die Professur der lateinischen Sprache und fand zuerst außerordentlichen Zulauf, geriet jedoch allmählich durch Weggang der Studenten nach Wittenberg wie durch die Bauernunruhen in Nahrungssorgen und ging daher 1526 als Lehrer der Rhetorik und Poesie an das neuerrichtete Gymnasium zu Nürnberg. 1533 kehrte er nach Erfurt zurück, fühlte sich aber infolge der veränderten Lage jetzt auch hier unbefriedigt und siedelte 1536 gern als Professor nach Marburg über, wo er 4. Okt. 1540 starb. H. war zum Dichter geboren; im Improvisieren wie im schriftlichen Entwerfen gleich ausgezeichnet, wurde er von Luther der rex poetarum genannt. Seine Gedichte verraten eine erstaunliche Beherrschung der lateinischen Sprache, nur daß ihn seine innere Unruhe nicht zur vollen Vertiefung gelangen ließ. Sein Charakter erfuhr manche Anfechtung. In heiterm Lebensgenuß suchte er seinesgleichen. Er war mit den angesehensten Humanisten befreundet; doch zog er sich zurück, wenn seine Eigenliebe, wie von Erasmus, verletzt wurde oder die Freundschaft, wie bei Ulrich v. Hutten, ihm gefährlich erschien. Der Reformation schloß er sich von Anfang mit Eifer an. Von seinen poetischen Werken, die zum größten Teil in "Eobani Hessi operum farragines duae" (Schwäbisch-Hall 1539) gesammelt sind, erwähnen wir die "Sylvae", eine Auswahl von Idyllen, Epigrammen und Gelegenheitsgedichten; die "Heroiden", Briefe der Heiligen von Maria bis Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs II., die ihm den Beinamen des "deutschen Ovid" erwarben; Übersetzungen, von denen besonders die der Psalmen (in mehr als 40 Auflagen) und der "Ilias" hochberühmt waren. Seine Briefe, die zu den "gemütlichsten, herz- und temperamentvollsten" jener Zeit gehören, gaben Drako (Marb. 1543) und Camerarius in drei Sammlungen (Leipz. 1557, 1561 u. 1568) heraus. Vgl. M. Hertz, Helius Eoban Hesse (Berl. 1860); Schwertzell, H. E. H. (Halle 1874); Krause, H. E. H. (Gotha 1879, 2 Bde.).