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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hetärismus - Heterosporeen.

tung übertragen war, führte dieser 1821 durch seine verfehlte Erhebung in den Donaufürstentümern die Katastrophe herbei (vgl. Griechenland, S. 709 ff.). Während der Revolution und des Freiheitskampfes übten mehrere Mitglieder der H., welche mit Rußland in Verbindung blieben, vielfach einen schädlichen Einfluß aus. Vgl. Mendelssohn-Bartholdy, Die H. (in Sybels "Historischer Zeitschrift", Bd. 16, 1866).

Hetärismus, s. Gemeinschaftsehe.

H. et Arn., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für W. J. Hooker (s. d.) und G. W. Arnott (s. Arn.).

H. et B., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für A. v. Humboldt (s. d.) u. A. Bonpland (s. d.).

Hetero... (griech.), in zusammengesetzten Wörtern, bedeutet etwas Andersgestaltetes, Abweichendes, Entgegengesetztes, Ungleichartiges, Unrichtiges.

Heterochroisch (griech.), verschiedenfarbig, bunt.

Heteröcie (griech.), das Verhältnis generationswechselnder Schmarotzerpilze, bei welchem bestimmte Entwickelungsformen (Generationen) eines und desselben Pilzes auf verschiedenen Nährpflanzenspezies zur Entwickelung kommen.

Heterocyklisch (griech.), Bezeichnung einer Blüte, deren Kreise eine ungleiche Zahl von Gliedern, also z. B. 5 Kelchblätter, 5 Blumenblätter, 4 Staubblätter und 2 Fruchtblätter, aufweisen.

Heterodox (griech.), s. v. w. andersdenkend, andersgläubig, wird im gewöhnlichen Sprachgebrauch fast ausschließlich von Meinungen und Urteilen über religiöse Gegenstände gebraucht, die von den kirchlich sanktionierten Ansichten und Bestimmungen abweichen (s. Orthodoxie). Die katholische Kirche gebraucht für denselben Begriff die Bezeichnung häretisch, für Heterodoxie also Häresie (s. d.).

Heterodynamisch (griech.), ungleichmächtig, Bezeichnung der Blüten mit ungleich langen Staubgefäßen.

Heterogamie (griech.), eine Bildungsabweichung, bei welcher die Geschlechtsorgane eingeschlechtiger Blüten die Ausbildung des andern Geschlechts annehmen wie es nicht selten an Weiden-, auch an Pappelblüten u. a. beobachtet wird.

Heterogen (griech.), andern Geschlechts, ungleichartig, im Gegensatz zu homogen (s. d.). Heterogeneität, Ungleichartigkeit.

Heterogenea (griech.) heißen in der Grammatik Wörter, welche im Plural ein andres Geschlecht annehmen als im Singular, z. B. coelum (Neutrum), im Plural coeli (Maskulinum).

Heterogenesis-Theorie, eine von Kölliker im Gegensatz zur Darwinschen Theorie, welche die Verschiedenheiten der Arten allmählich durch Zuchtwahl entstehen läßt, aufgestellte Theorie der sprungweisen Entwickelung, wonach, wie es beim Generationswechsel und sonst zuweilen vorkommt, neue Tiere und Pflanzen von unähnlichen Eltern erzeugt worden wären.

Heterogonie (griech.), s. Generationswechsel.

Heterokliton (griech.), in der Grammatik ein Substantiv mit Kasus nach verschiedenen Deklinationen, z. B. vas, vasis (3. Deklin.), Plural vasa, vasorum (2. Deklin.); daher heteroklitisch, nach der Weise eines H., auch s. v. w. bizarr, wunderlich.

Heterolalie (griech.), das unrechte Sprechen, das Sichversprechen, zuweilen ein Vorbote des Schlagflusses oder auf Hirnerweichung und Wasseransammlung im Gehirn deutend; auch die abnorme Stimme bei Nervenfieberkranken, bei Krankheiten des Kehlkopfes, beim Krupp, bei Lungenkrankheiten etc.

Heteromer (griech.), aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt; heteromere Flechten (Heteromerici), Flechten mit heteromerem Thallus (s. Flechten, S. 351 u. 354).

Heteromorph (griech.), andersgestaltet.

Heteromorphismus (griech.), die Eigenschaft chemisch identisch zusammengesetzter Körper, in zwei (Dimorphismus) oder drei (Trimorphismus) verschiedenen Kristallsystemen oder in aufeinander nicht zurückführbaren Reihen desselben Systems zu kristallisieren. Als Regel gilt, daß mit diesem morphologischen Unterschied auch solche physikalischer, ja selbst chemischer Art verknüpft sind, weshalb Naumann den Vorschlag gemacht hat, anstatt von H. von Heterosomatismus zu sprechen. So sind Quarz, Tridymit und Opal trimorphe Modifikationen des Kieselsäureanhydrids, deren sonstige Unterschiede sich aus folgendem ergeben:

Kristallsystem spez. Gewicht Härte

Quarz hexagonal 2,5-2,8 7

Tridymit triklin 2,2-2,3 7

Opal amorph 1,9-2,3 5,5-6,0

Kochendes Alkali löst Quarz gar nicht, Tridymit schwer, Opal leicht auf. Ist von den beiden Modifikationen einer dimorphen Substanz jede mit analog zusammengesetzten Körpern durch Isomorphismus (s. d.) verbunden, so heißen solche Mineralgruppen iso-dimorphe Reihen. So kristallisiert kohlensaures Calcium (CaCO3^[CaCO_{3}]) als Kalkspat im hexagonalen, als Aragonit im rhombischen System und ist in der erstern Modifikation mit Magnesit (MgCO3^[MgCO_{3}]), Eisenspat (FeCO3^[FeCO_{3}]) etc., in der letztern mit Strontianit (SrCO3^[SrCO_{3}]), Witherit (BaCO3^[BaCO_{3}]) etc. durch Isomorphismus verknüpft.

Heteromorphit (Plumosit, Federerz), Mineral aus der Ordnung der Sulfosalze, kristallisiert rhombisch, findet sich aber nur mikrokristallinisch in fein nadel- und haarförmigen Kristallen, welche meist zu filzartigen Massen oder zunderähnlichen Lappen verwebt sind, auch derb in verworren feinfaserigen bis dichten Aggregaten, ist schwärzlich bleigrau bis stahlgrau, wenig glänzend oder schimmernd, Härte 1-3, spez. Gew. 5,68-5,72, besteht aus Schwefelblei mit Schwefelantimon 2PbS + Sb2S3^[Sb_{2}S_{3}] und stellt mithin nur die zartesten Varietäten des Jamesenits dar. Er findet sich bei Wolfsberg, Andreasberg und Klausthal am Harz, Neudorf in Anhalt, Freiberg, Schemnitz.

Heteronomie (griech.), in der kritischen Philosophie die Unselbständigkeit der menschlichen Vernunft, insofern diese den sinnlichen Neigungen und Trieben oder der zwingenden Gewalt der Naturgesetze nachgibt (s. Vernunft); dann das Erhalten der Gesetze von einem andern, im Gegensatz zu Autonomie (s. d.).

Heterophyllie (griech.), in der Botanik Bezeichnung für das Vorkommen zweier wesentlich verschiedener Laubblattformen an demselben Sproß, z. B. an dem Stamm von Eucalyptus globulus, der in den ersten Lebensjahren gegenständige, horizontale, breite Blätter, später abwechselnde, vertikal gestellte, schmal sichelförmige Laubblätter anlegt.

Heteropoden, s. Schnecken.

Heteropteren (Heteroptera), s. Wanzen.

Heteroscii, s. Amphiscii.

Heterosis (griech.), Redefigur, s. Enallage.

Heterosomatismus, s. Heteromorphismus.

Heterosporeen, die Gefäßkryptogamen mit zweierlei Sporen, d. h. größern (Makrosporen), welche bei der Keimung weibliche Vorkeime, und kleinern (Mikrosporen), welche die männlichen Geschlechtsorgane liefern (s. Kryptogamen).