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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: H. et G.,; Heterostylie; Heterotrop; Hethiter; Hetman; Hetsch; Hettingen; Hettinger; Hettner

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Heterostylie - Hettner.

Heterostylie, s. Blütenbestäubung, S. 73.

Heterotrop (griech., auch anisotrop), nach verschiedenen Richtungen verschieden beschaffen, Gegensatz zu isotrop, nach allen Richtungen gleich beschaffen; s. Doppelbrechung, S. 67.

H. et G., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für W. J. Hooker (s. d.) und R. K. Greville (s. Grev.).

Hethiter, Volk, s. Chetiter.

Hetman (russ. Ataman), bei den Kosaken Name des Oberhaupts oder obersten Heerführers. Der H. wurde von alters her von dem gesamten Volk erwählt und hatte über Leben und Tod zu gebieten. Seine Einkünfte bestanden in einem Teil der Krongüter und Zölle. Als sich die Kosaken 1654 den Russen unterwarfen, blieb ihnen ihre frühere Verfassung; als aber der H. Mazeppa (s. d.) 1708 die Partei Karls XII. ergriff, um sich wieder mit den Polen zu vereinigen, beschränkte Peter I. die Würde des Hetmans auf das Amt eines Gouverneurs. Katharina II. hob die ukrainische Hetmanswürde gänzlich auf. Die jetzige Stellung des Hetmans s. Kosaken. In Polen war H. der Name für die Heerführer. Großhetman (hetman wielki) hieß seit 1581, wo Zamojski zu dieser Würde erhoben wurde, der Oberfeldherr des ganzen polnischen Heers; ihn vertrat der Feldhetman (hetman polny), der ursprünglich nur die Grenzen gegen die Tataren zu schützen hatte. Es gab je einen Großhetman und einen Feldhetman für Polen und für Litauen. Der Großhetman wurde vom König ernannt; seine Macht über das Heer war unbeschränkt, hörte aber auf, wenn der König selbst beim Heer befehligte; ihm schwur das Heer Treue, ihm gehörten alle Gefangenen und das Lösegeld für dieselben, doch durfte er sich nicht in die Volksberatungen mischen und den Königswahlen nicht beiwohnen. Der Reichstag von 1792 hob die Hetmanswürde auf.

Hetsch, Philipp Friedrich von, Maler, geb. 10. Sept. 1758 zu Stuttgart, bildete sich in der Karlsschule unter Guibal und Harper im Figuren- und Landschaftszeichnen und gehörte zu Schillers vertrauten Freunden. 1780 ging er nach Paris, wo Vien und Jos. Vernet seine Lehrer wurden. Nach seiner Rückkehr 1782 ward er Hofmaler und lebte von 1785 bis 1787 in Rom. 1795 wurde er Professor und zehn Jahre später Galeriedirektor in Stuttgart, wo er 31. Dez. 1839 starb. Er gehört zu den namhaftern Künstlern der klassizistischen Zeit, wußte sich jedoch von seiner französischen Schulauffassung nie vollständig loszumachen. Er behandelte zumeist heroische, der Mythologie wie der Geschichte entnommene Stoffe, später auch christliche, war übrigens im Anmutigen glücklicher als im Erhabenen. Auch in der Landschaft und im Porträt hat er Anerkennenswertes geschaffen. H.' meiste Bilder befinden sich im königl. Residenzschloß zu Stuttgart, zwei interessante Stücke: Cornelia, die Mutter der Gracchen, und Ritter Albonack, dem König Alfred seine Töchter zeigend, in der königl. Staatsgalerie daselbst. - Sein Sohn Gustav Friedrich, Architekt und Architekturmaler, geb. 1788, seit 1822 Professor an der Akademie in Kopenhagen, gest. 1864, erbaute daselbst die neue Synagoge, das Universitätsgebäude, die katholische Kirche u. a. und schrieb: "Anleitung zum Studium der Perspektive" (3. Aufl., Kopenh. 1868; deutsch von Scholz, Leipz. 1877).

Hettingen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Sigmaringen, Oberamt Gammertingen, an der Lauchart, hat eine alte gotische Kirche (mit schönem Sakramentshäuschen), ein dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen gehöriges Bergschloß, Wollspinnerei, Getreide-, Öl- und Sägemühlen und (1885) 625 kath. Einwohner.

Hettinger, Franz, kathol. Theolog, geb. 13. Jan. 1819 zu Aschaffenburg, studierte in Würzburg und auf dem Collegium germanicum in Rom, ward 1843 Priester, 1852 Subregens im Priesterseminar und 1859 Professor an der Universität zu Würzburg. 1868 nahm er in Rom an den Vorbereitungen zum ökumenischen Konzil teil. Seine Hauptwerke sind: "Apologie des Christentums" (Freiburg 1863-67; 6. Aufl. 1885, 2 Bde.) und "Lehrbuch der Fundamental-Theologie" (das. 1879, 2 Bde.). Außerdem schrieb er: "Die Idee der priesterlichen Übungen nach dem Plan des Ignatius von Loyola" (Regensb. 1853); "Die kirchliche Vollgewalt des apostolischen Stuhls" (Freiburg 1873); "Lebens- und Litteraturbild von D. F. Strauß" (das. 1881); "Aus Welt und Kirche" (das. 1885, 2 Bde.) und viele kleinere Werke.

Hettner, Hermann Theodor, Litterarhistoriker und Kunstschriftsteller, geb. 12. März 1821 zu Leysersdorf bei Goldberg in Schlesien, besuchte das Gymnasium zu Hirschberg, studierte in Berlin, Halle und Heidelberg Philosophie und Philologie, wendete sich aber seit 1843, namentlich während eines Aufenthalts in Breslau, von den abstrakt philosophischen zu kunst- und litterargeschichtlichen Studien. Zu diesem Zweck unternahm er 1844 eine mehrjährige Reise nach Italien, verweilte namentlich längere Zeit in Rom und Neapel und kehrte erst Ostern 1847 nach Deutschland zurück. Als Früchte der italienischen Reise erschienen die "Vorschule zur bildenden Kunst der Alten" (Oldenb. 1848) und "Die neapolitanischen Malerschulen" (in Schweglers "Jahrbüchern"). H. habilitierte sich darauf in Heidelberg als Privatdozent der Ästhetik und Kunstgeschichte, verheiratete sich mit der Tochter des Freiherrn v. Stockmar (s. d.) und entwickelte fortan eine rege akademische und litterarische Thätigkeit. Sein Werk "Die romantische Schule in ihrem Zusammenhang mit Goethe und Schiller" (Braunschw. 1850) veranlaßte seine Berufung an die Universität Jena, wohin er Ostern 1851 als außerordentlicher Professor der Ästhetik, der Kunst- und Litteraturgeschichte ging. Im Sommer 1852 unternahm er von hier aus gemeinsam mit Göttling und L. Preller eine Reise nach Griechenland, die er in den "Griechischen Reiseskizzen" (Braunschweig 1853) beschrieb. Noch vorher war sein Buch "Das moderne Drama" (Braunschw. 1852) erschienen. Ostern 1855 ward er als Direktor der königlichen Antikensammlung und des Museums der Gipsabgüsse sowie als Professor der Kunstgeschichte an der Akademie der bildenden Künste nach Dresden berufen. Durch die spätere Übernahme der Direktion auch des historischen Museums und die Berufung zum ordentlichen Professor der Kunstgeschichte am königlichen Polytechnikum erweiterte sich hier Hettners Wirkungskreis noch bedeutend. Noch bevor er Jena verließ, war der erste Teil seines umfassenden Hauptwerkes: "Litteraturgeschichte des 18. Jahrhunderts", erschienen, welche bis 1870 vollendet ward und aus drei Hauptteilen: "Englische Litteraturgeschichte des 18. Jahrhunderts" (Braunschw. 1856, 4. Aufl. 1881), "Französische Litteraturgeschichte des 18. Jahrhunderts" (das. 1859, 4. Aufl. 1881) und "Deutsche Litteraturgeschichte des 18. Jahrhunderts" (das. 1862-1870; 3. Aufl. 1879, 4 Bde.), besteht. Diese zugleich wissenschaftlich tief begründete und durch lebendig fesselnde Darstellung doch populäre Litteraturgeschichte gehört zu den geistvollsten und weit nachwirkendsten historischen Werken der Gegenwart, und obschon sie