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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hettstedt; Hetzel; Hetzen; Hetzendorf; Hetzer; Hetzhunde

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Hettstedt - Hetzhunde.

durchgehends den kulturgeschichtlichen Standpunkt der Erklärung aller Litteratur- und Kunstschöpfungen aus allgemeinen Einflüssen der Zeiten teilt, so bewahrt sie doch ein feines Verständnis für die Individualitäten. Nach Vollendung seiner Litteraturgeschichte wendete sich H. wiederum vorwiegend kunsthistorischen Studien zur Geschichte der Renaissance zu, als deren erste Frucht die "Italienischen Studien" (Braunschw. 1879) hervortraten, Abhandlungen, die sich durch Gründlichkeit und klare, gewinnende Form gleich sehr auszeichnen. H. starb 29. Mai 1882. Er schrieb noch: "Die Bildwerke der königlichen Antikensammlung zu Dresden" (Dresd. 1856, 3. Aufl. 1875), "Das königliche Museum der Gipsabgüsse in Dresden" (4. Aufl., das. 1880), "Der Zwinger zu Dresden" (Leipz. 1873, mit 46 Tafeln) und gab Anselm Feuerbachs "Schriften", die "Dichtungen" des Malers Müller sowie "Briefwechsel Georg Forsters mit Sömmerring" (Braunschw. 1877) heraus. Seine "Kleinen Schriften" erschienen nach seinem Tod (Braunschw. 1884). Vgl. Ad. Stern, Hermann H., ein Lebensbild (Leipz. 1885).

Hettstedt, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Gebirgskreis Mansfeld, an der Wipper und an der Linie Berlin-Blankenheim der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine große evang. Stadt- und eine kleine Hospitalkirche (in der "Alten Burg"), Fabrikation von Pianofortes, künstlichem Guano, Kirschsaft und (1885) 8678 meist evang. Einwohner. - H. wird urkundlich bereits 1046 erwähnt, erhielt 1200-1224 eine Burg und 1380 Stadtrecht. Es gehörte zunächst dem Bistum Halberstadt, dann als bischöfliches Lehen den Grafen von Reinstein, seit 1439 als sächsisches Lehen zur Grafschaft Mansfeld. Infolge der Sequestration derselben kam der Ort an Sachsen und von diesem 1815 an Preußen. In der Umgegend wird seit uralten Zeiten ergiebiger Bergbau auf Kupfer und Silber betrieben. Nördlich bei H. ist die Seigerhütte (zum Dorf Oberwiederstedt) mit großer Maschinenwerkstätte und Kupferschmelze; südlich die Kupferkammerhütte (zum Dorf Burgörner), eine Roh- und Spurhütte nebst Rösthütte und Schwefelsäurefabrik; weiterhin die Gottesbelohnung (zum Dorf Großörner gehörig), auf welcher die Abscheidung des Silbers vom Kupfer erfolgt. (Über die Produktion s. Mansfelder kupferschiefer bauende Gesellschaft.)

Hetzel, Pierre Jules, franz. Buchhändler und unter dem Pseudonym P. J. Stahl bekannter Schriftsteller, geb. 15. Jan. 1814 zu Chartres als der Sohn eines Elsässers, studierte in Straßburg die Rechtswissenschaft und verbrachte seine Jugend in Deutschland, teils am Rhein, teils in Sachsen, aus welcher Zeit er später im "Journal des Débats" die humoristischen Geschichten: "La vie d'un étudiant", "L'histoire d'un homme enrhumé" und "Bonnes fortunes parisiennes" erzählte. Seit 1835 an der Spitze einer Verlagsbuchhandlung stehend, die sich zu einer der bedeutendsten von Paris aufschwang, debütierte er 1842 unter dem obigen Pseudonym als Schriftsteller mit zwei reizenden Beiträgen zu Grandvilles "Vie publique et privée des animaux". Jahrelang bewahrte er selbst vor seinen intimsten Freunden, wie vor seinen Mitarbeitern Balzac, Musset u. a., das Geheimnis seiner Autorschaft. 1848 spielte er als Kabinettschef im Ministerium des Äußern und als Generalsekretär Cavaignacs eine politische Rolle, infolge deren er nach dem Staatsstreich von 1851 Frankreich meiden mußte und bis zur Amnestie von 1859 in Brüssel weilte. Dort begann er die dann in Paris mit so großem Erfolg fortgeführte Sammlung guter und wohlfeiler Miniaturausgaben von Victor Hugo, Augier, George Sand und seinen eignen Werken, unter welchen die Jugendschriften: "L'A perdu de Mlle. Babet", "Les voyages et découvertes de Mlle. Lili et de son cousin Lucien", "Jean le hargneux" etc. sowie die von der Akademie gekrönten "Contes et recits de morale familière", "Histoire d'un âne et de deux jeunes filles" u. a. nicht den letzten Platz einnehmen, ja nach den Zeugnissen Sainte-Beuves und Silvestre de Sacys eine wahre Umwälzung in der pädagogischen Litteratur bedeuten. Sonst sind hervorzuheben: "Le diable à Paris" (1842, 4 Bde.); "Le voyage où il vous plaira" (mit Alfred de Musset, 1842-43); "Les nouvelles et seules aventures de Tom Pouce" (1843); "Bêtes et gens" (1853); "L'esprit des femmes et les femmes d'esprit" (1855); "Les bijoux parlants" (1856) und "Histoire d'un prince" (1857). H. starb 17. März 1886.

Hetzen, aufgejagtes Wild durch Hunde, welche schneller sind, verfolgen, festhalten und niederreißen lassen, daher der Ausdruck Hetze, Hetzjagd (franz. Chasse à courre, Chasse aux chiens courants oder Vénerie, engl. [Stag-] Hunting at force); je nach der Wildgattung unterscheidet man Bären-, Wolfs-, Dachs-, Fuchs-, Hasen- und Sauhetzen. H. heißt auch eingefangene wilde Tiere, wie z. B. Bären, Wölfe, Füchse, in einem besonders dazu eingerichteten Raum (Hetzbahn, Hetzgarten) von Hunden verfolgen, niederziehen, auch wohl zerreißen lassen. Vgl. Hetzhunde, Parforcejagd und Windhund.

Hetzendorf, Dorf in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Sechshaus, an der Südbahn und der von dieser nach Penzing und Hütteldorf führenden Verbindungsbahn, mit kaiserlichem Lustschloß und Park, schönen Landhäusern und (1880) 2294 Einw.

Hetzer, Ludwig, Antitrinitarier, geboren zu Ende des 15. Jahrh. zu Bischofszell im Thurgau, wurde Kaplan zu Wädenswyl am Züricher See, dann Priester in Zürich, wo er sich anfangs den reformatorischen Bestrebungen Zwinglis anschloß (1523). Nach einem kurzen Aufenthalt in Augsburg kehrte er 1525 nach Zürich zurück, um sich hier den Wiedertäufern zuzugesellen. Als er infolgedessen verwiesen ward, fand er von neuem Aufnahme in Augsburg, das ihn aber auch wegen seiner Umtriebe bald entfernen mußte; H. begab sich hierauf nach längerm Aufenthalt in Basel und Zürich nach Straßburg, wo er sein Hauptwerk, eine Übersetzung der Propheten aus dem Hebräischen (1527), ausarbeitete und sich mit Joh. Denk (s. d.) die Verbreitung seiner antitrinitarischen Ansichten unter dem Landvolk angelegen sein ließ. Er ward deshalb sowie wegen unsittlichen Lebens zu Konstanz gefänglich eingezogen und 1529 enthauptet. Vgl. Trechsel, Die protestantischen Antitrinitarier vor Faustus Socinus (Heidelb. 1839); Keim in den "Jahrbüchern für deutsche Theologie" 1856.

Hetzhunde (Hatzhunde), Hunde, die zum Verfolgen, Festhalten und Niederziehen des Wildes verwendet werden. Man gebraucht hierzu verschiedene Hunderassen und teilt sie in schwere, mittlere und leichte ein. Zur Bären- und Sauhetze bedient man sich der schweren H., der Doggen, Bullenbeißer, Blendlinge von Bullenbeißern und Windhunden oder Saufänger (pommerschen Saurüden, Wolfshunde). Mittlere H. sind die dänischen Blendlinge (von Doggen und Windhunden) und die pommerschen Blendlinge (von englischen Jagdhunden und Saurüden); leichte H. die großen Windhunde, besonders die irländischen, und der Kurshund. Der gute Hetz-^[folgende Seite]